Sonnenberg

Das Naturschutzgebiet Sonnenberg liegt nördlich von Maisprach. Es gehört zum Waldreservat auf der Hügelkuppe des gleichnamigen Sonnenbergs. An Obstwiesen und Rebberge grenzend, bildet der Wald mit diesen zusammen einen wertvollen Lebensraumkomplex. Dieser wurde 2003 ins Inventar der geschützten Naturobjekte des Kantons Baselland aufgenommen.




Sonnenberg – Rigi des Fricktals

«Der gut besonnte, gegen Süden gelegene Berg», so die Flurnamen-Deutung des Sonnen- oder Sunnenbergs, wird auch «Rigi des Fricktals» genannt. Auf dem markanten, bewaldeten Hügel mit Aussichtsturm verläuft die Grenze zwischen dem unteren aargauischen Fricktal und dem nordöstlichen Baselbiet.
Im Jahr 2000 wurde das Waldgebiet, das sich von der Rheintalebene bis zum Berggipfel auf 632 Meter über Meer erstreckt und im Ostteil den «Chlei Sunnenberg» einschliesst, als Waldreservat unter Schutz gestellt. Die rund 270 Hektaren grosse Reservatsfläche verteilt sich dabei auf 192 Hektaren Eichenmischwald, 48 Hektaren Naturwald und 30 Hektaren mehrheitlich auf Maispracher Gemeindegebiet gelegenen Sonderwald.

Eichenwald – es klagt der Mittelspecht

Der Eichenmischwald, an dessen Stelle naturgemäss ein reiner Buchenwald stehen würde, ist mit 150 bis 200 Jahre alten, knorrigen Eichen durchsetzt. Sie sind Zeugen der früher betriebenen Mittelwaldwirtschaft. Mit um die 1000 verschiedenen Tierarten beherbergen alte Eichen das breiteste Artenspektrum von allen einheimischen Gehölzarten. Hier, im grössten eichenreichen Laubmischwald des Kantons Aargau, haben sich einige seltene Waldbewohner niedergelassen – Baummarder, Hirschkäfer, Pirol und auch Fledermäuse.
Neben Bunt-, Grün-, Grau- und Schwarzspecht findet auch der bedrohte Mittelspecht in den mehr als 900 alten, geschützten Eichen einen idealen Lebensraum. Das klagende Quäken in der Brutzeit – damit markiert der Mittelspecht sein Revier – ist seitdem lauter geworden. Die Population ist nämlich von anfänglich vier auf nun 15 Brutpaare angewachsen.

Trockenbiotop dank Mergelabbau

Zwischen zwei Feuerstellen am Südrand des Eichenwaldes entdecken die Wanderer auf dem «Fricktaler Höhenweg» kurz vor dem steilen Aufstieg zum Sonnenberg einen grossen Steinbruch. Zur Befestigung eigener Flur- und Waldwege baut hier die Gemeinde Möhlin noch regelmässig Mergel ab. Die Mergelgrube wird von Rosensträuchern, Berufskraut, Weideröschen oder Holunder umrahmt, die Schmetterlingen alles bieten was sie brauchen – Nahrung für die Raupen, Schutz und Unterschlupf für die Puppen und Nektar für die Falter.
Oberhalb der Mergelgrube wurde der Wald gerodet, um ein ökologisch wertvolles Trockenbiotop anzulegen. Golddisteln, Flockenblumen, Honig- und Wundklee und Natternkopf, um nur einige zu nennen, verdanken diesen Kahlschlag mit üppigem Wachstum. Der kleine, künstlich angelegte «Tümpel», umsäumt von Rohrkolben und noch kleinen Weiden und Erlen, soll einen Beitrag zur Wiederansiedlung von Amphibien, wie zum Beispiel der Geburtshelferkröte (Glögglifrosch), leisten.

Naturwald – ein Urwald am Steilhang

Ab dem Jahr 2000 wurden an der oberen, steilen Nordflanke des Sonnenbergs bis hin zum «Chlei Sunneberg» jegliche Holzernte und Pflegeeingriffe eingestellt. So kann sich ein natürlicher Wald, ein Urwald mit geschlossenen Kreisläufen entwickeln. Reich an Alt- und Totholz bietet dieses Naturwaldreservat entsprechend vielen Tier- und Pflanzenarten einen wertvollen Lebensraum. Zwar ist der Wald wirtschaftlich uninteressant, doch bleibt den Besuchenden die Freude an seiner Vielfalt und an seiner urtümlichen Schönheit.

Sonderwald – Schichtbetrieb für die Ökologie

Im Gegensatz zu den bereits beschriebenen Eichen- und Naturwald-Reservatsflächen im Kanton Aargau, bei denen die Unterschutzstellung auf 50 Jahre befristet ist, bleibt die Sonderwaldfläche im nördlichen Baselbiet unbefristet geschützt. Dieser Wald wird ganz im Sinne der Förderung seltener Arten bewirtschaftet. So sind gelegentliche kleinflächige Rodungen zur Auflichtung des mit seltenen Laubbäumen durchsetzten Seggen-Buchenwaldes nötig. In dessen Unterholz stechen, im wahrsten Sinn des Wortes, die baumförmigen Stechpalmen hervor.
Die südexponierten Waldränder werden stufig gepflegt – Mehlbeeren, Hasel und Weissdorn bilden dabei unter anderen den Strauchgürtel. Gräser, Seggen und Bergkronwicken sind Komponenten des Krautsaums. Diese vielfältigen Strukturen im Übergangsbereich zwischen Wald und Offenland bieten vielen Tierarten ein besonders grosses Angebot an Nahrungs-, Brut- und Deckungsmöglichkeiten.

Von Steinen und Mauern

In der Grube «Ebeni» am Südosthang des Sonnenbergs wurde ein Amphibienweiher angelegt. Grasfrosch, Erdkröte, Bergmolch und die Geburtshelferkröte scheinen sich in dieser gehegten Umgebung wohlzufühlen. Hier und weiter westlich entlang der Wegböschungen sind Kalke und Mergel des Doggers aufgeschlossen. Zugunsten wärmeliebender Tier- und Pflanzenarten werden auch diese offenen und lichten Stellen erhalten. Deshalb finden Reptilien an diesen Standorten genügend Gelegenheiten, sich auf den besonnten Steinen aufzuwärmen.
Im Rebbaugebiet, das sich südlich an den Sonderwald anlehnt, wurde 2007 aus Anlass der 800-Jahrfeier von Maisprach ein Rebmauerkonzept initiiert. Im linienförmigen Landschaftselement Trockenmauer herrschen klimatische Extrembedingungen – intensive Sonneneinstrahlung und geringe Wasserzufuhr. Nur Spezialisten aus Fauna und Flora sind in der Lage, den grossen Temperaturunterschieden und den bescheidenen Wasser-und Nährstoffverhältnissen zu trotzen. Auf den durch Algen und Flechten aufbereiteten Mauersteinen siedeln sich nach den Moosen auch Mauerpfeffer oder Zimbelkraut an. Die Ritzen und Spalten des Mauerwerks werden von Spinnen, Wildbienen über Eidechsen und Blindschleichen bis hin zum Wiesel bevölkert.
EB

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Weiterführende Links

Literatur

  • Graf Karl: Heimatkunde von Maisprach, Kantonale Drucksachen- und Materialzentrale Liestal, Liestal 1968, S. 55–67
  • Hänni Pier: Magischer Jura. Wanderungen zu Orten der Kraft von Schaffhausen über Basel bis zum Neuenburger Jura, AT Verlag, Baden und München 2008, S. 65–72

Tabellen und Diagramme

Situationsplan des Sonnenberges
Quelle: Faltprospekt der Gemeinden Möhlin, Maisprach und Zeiningen 2005.