Landwirtschaft

Die Landwirtschaft früherer Jahrhunderte schuf eine vielgestaltige Kulturlandschaft. Eine kleinräumige Gliederung begünstigte bis in die Mitte des 20. Jh. die Artenvielfalt im Kulturland. Mit der Mechanisierung wurden viele Kleinstrukturen entfernt, was eine deutliche Verarmung der Lebensgemeinschaften zur Folge hatte. Heute versucht man, durch ökologische Ausgleichsmassnahmen dieser Verarmung wieder entgegenzuwirken.




Der Bauer als Landschaftsarchitekt

Seit dem Mittelalter war das Ackerland in Mitteleuropa in drei Zelgen (Felder, Flächen) aufgeteilt. Die Bauern betrieben eine Dreifelderwirtschaft. Der Wechsel von Wintergetreide, Sommergetreide und Brache unterlag dabei einem von der Dorfgemeinschaft auferlegten strengen Flurzwang, denn die weitgehend weglose Flur war nur in gegenseitiger Absprache zu bewirtschaften.
Durch die Erbteilung wurden die Felder immer kleiner. Flurraine begrenzten die einzelnen Ackerflächen und Steinwälle, Gräben und Lebhäge hielten das Vieh von den Kulturen fern. Störende Steine wurden aus den Äckern gelesen und an ihrem Rand zu sogenannten Lesesteinhaufen geschichtet. So entstand eine Kultur-landschaft, die mosaikartig unterteilt vielen Pflanzen und Tieren einen Lebensraum bot.
Ab der zweiten Hälfte 18. Jh. kam es in der Basler Landschaft zur Aufhebung des Flurzwangs. Die damals beginnende Einschlagbewegung setzte vermehrt auf Eigenverantwortlichkeit der einzelnen Bauern. Neben dem Getreideanbau wurden nun häufig auch Kartoffel- und Rübenäcker angelegt. Der Obstbau etablierte sich in der Feldflur und die Obstbäume bildeten ein wichtiges neues Landschaftselement. Die Viehwirtschaft gewann an Bedeutung. Die Tiere wurden ganzjährig im Stall gehalten, was vermehrt Hofdünger lieferte. Ausgebracht steigerte dieser den Ertrag der Wiesen neben den Ackerflächen.

Der grosse Schritt in die industrialisierte Landwirtschaft

Die durch Erbteilung aufgeteilten Flächen wurden Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jh. wieder zu grösseren Stücken zusammengelegt (Güterzusammenlegung). Damit wollte man die Versorgung der stetig wachsenden Bevölkerung sicherstellen. Damit alle Parzellen unabhängig voneinander zugänglich waren, musste ein neues, engmaschigeres Strassen- und Wegnetz gebaut werden.
Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte eine beispiellose Ertragssteigerung der Ackerböden ein. Erneute Güterzusammenlegung, Mechanisierung, Einsatz von Mineraldünger und chemischen Pflanzenschutzmitteln (Pestizide) ermöglichten diese Entwicklung. Gehölze, Hecken oder Lesesteinhaufen als Elemente der traditionellen Kulturlandschaft behinderten die Mechanisierung und wurden entfernt. Die Landschaft wurde dadurch eintöniger, was zu einer deutlichen Verarmung der Artenvielfalt führte.
Heute werden ökologische Massnahmen zur Förderung und Pflege von vielen verschwundenen Kleinstruk-turen entschädigt. Dadurch erhofft man, einheimischen Pflanzen- und Tierarten wieder mehr Lebensraum zu schaffen und damit die Artenvielfalt in der Kulturlandschaft zu erhöhen.

Getreide- und Obstbau in der Region

Der Getreideanbau hatte für die Bauern seit jeher eine zentrale Bedeutung. Hafer und Dinkel waren lange Zeit die wichtigsten Getreidearten in der Region. Die gemahlenen Körner des Dinkels wurden zu Brot verarbeitet. Hafer war nicht nur als kraftspendender Frühstücksbrei, sondern auch als Futtergetreide vor allem für Pferde sehr geschätzt. Erst im 19. Jh. gewann der anspruchsvolle Weizen an Bedeutung. Seine ausgezeichnete Mehlqualität, die gute Verarbeitbarkeit beim Dreschen und die Düngung verhalfen dem Weizen im Laufe des 20. Jh. zum Durchbruch. Er wurde regional und weltweit zum wichtigsten Getreide. Die meist rundlichen, stärkereichen Körner der Hirse, als Brei angerichtet, ernährten im Mittelalter vor allem die ärmere Bevölkerung. Gerste und Roggen wurden zwar stets angebaut, spielten in der Region im Vergleich zu den anderen Getreidesorten aber eher eine untergeordnete Rolle.
Gegen Ende des 18. Jh. begannen sich vermehrt Obstbäume in der Kulturlandschaft zu etablieren. Im 19. Jh. gehörte das Baselbiet und das Schwarzbubenland zu den bedeutendsten Obstanbaugebieten der Schweiz. Alkoholismus durch den Schnapskonsum und ein Bundesratsbeschluss von 1955 (gestützt auf das Alkoholgesetz von 1932) hatten zur Folge, dass auf jeden gefällten Hochstamm eine Prämie entrichtet wurde. Danach begann sich das Gesicht des Kulturlandes zu wandeln – weg von den Hochstammkulturen hin zu Niederstammanlagen. Dazu leistete neben den attraktiven Prämien auch die Mechanisierung der Landwirtschaft ihren Beitrag. Zudem begann die Bevölkerung mehr künstliche Süssgetränke und Orangensaft als Apfel- und Birnenmost zu trinken, was die Hochstämme noch weniger rentabel machte.

Das Auf und Ab der Reben

Die Römer brachten die Rebe in die Region Basel und im Mittelalter verfeinerten dann die Mönche in den Klöstern die Anbautechnik. Mit ihrem Wissen rund um den Weinbau waren sie massgeblich an dessen Aufschwung beteiligt. Im 17. und 18. Jh. hatte der Rebbau in der Region seine Blütezeit und die grösste Flächenausdehnung. Ausser an nordexponierten Hanglagen zogen die Rebstockreihen ihre Linien in die Landschaft der Region.
Erst mit dem Aufkommen der Eisenbahn begann ein dramatischer Rückgang des Rebbaus. Billiger und besserer Wein konnte eingeführt werden. Die aus Amerika eingeschleppte Reblaus und die Pilzkrankheit Echter Mehltau bewirkten zudem, dass ganze Rebhänge zwangsgerodet werden mussten. Bis ins Jahr 1940 verkleinerte sich die Rebfläche der Region innerhalb von weniger als 100 Jahren auf einen Zehntel. Mit dem Ziel, einen regionalen, konkurrenzfähigen Qualitätswein zu produzieren, werden heute an guten Lagen wieder vermehrt Reben angepflanzt.

Rind und Schwein – zwei wichtige Nutztiere

Weidende, wiederkäuende Kühe vervollständigen erst das Bild einer ländlichen Idylle. Unser Hausrind wurde erst nur als Fleischlieferant, dann auch als Milchproduzent und später noch als Zug- und Lasttier genutzt. Bis ins späte Mittelalter hatte die Rinderhaltung allerdings eine zweitrangige Bedeutung, es wurde wo immer möglich Ackerbau betrieben. Dabei spielte nur der Ochse, das kastrierte männliche Rind, als Arbeits- und Zugtier eine wichtige Rolle. In der zweiten Hälfte des 19. Jh., als billiges Getreide aus Amerika nach Europa kam, stellten die Landwirte vielerorts vom Ackerbau auf Viehzucht und Milchproduktion um. Je nach Nutzung wurden durch gezielte Zucht die Grösse, das Gewicht und die Milchleistung der Rinder optimiert. So bringt heute eine durchschnittliche Kuh 750 Kilogramm auf die Waage und hat eine jährliche Milchleistung von 6000 Litern. Um 1900 wog sie nur einen Drittel und gab auch drei Mal weniger Milch.
Schweinefleisch war schon im Mittelalter im christlichen Europa sehr beliebt. Die Schweine wurden auf dem Bauernhof eingepfercht oder ein Schweinehirte trieb die Tiere auf die Viehweide oder zur Eichel- und Bucheckernmast in die Wälder. Er beaufsichtigte bis zu 60 Schweine gleichzeitig. Durch den fortlaufenden Verlust von Wäldern ab dem 16. Jh. verringerte sich die Zahl der gehaltenen Schweine teilweise bis auf die Hälfte der mittelalterlichen Bestände. Erst die Verbreitung der Kartoffel gab der Schweinehaltung wieder neuen Auftrieb. Die intensive Schweinemast im 19. Jh. entwickelte sich allmählich zur heutigen industriellen Schweinehaltung.
EB/BE