Lehmgruben – Gipsgruben

Mit der Betriebseinstellung der Mechanischen Ziegelei Oberwil hat der Lehmabbau in der Region Basel ein Ende gefunden. Genauso hat das Schliessen der Gipsgrube Zeglingen den Schluss der regionalen Gipsproduktion markiert. Das bedeutet jedoch nicht, dass Gips und Lehm als Baustoffe nicht mehr gebraucht würden. Zudem bleiben die ehemaligen Gruben für den Naturschutz relevant, da sie wichtige, beinahe unersetzbare Biotope beherbergen.




Lehm und Gips – wie entstehen sie?

Lehme sind kalkarme, feinkörnige Ablagerungen bestehend aus Sand, Schluff und Ton. Lehm entstand in der Region Basel aus zwei Ausgangsmaterialien: zum einen aus Löss, der als feine Sedimente während der Eiszeiten vom Wind herbeigeführt wurde. Zum anderen aus Molasse, also Ablagerungsmassen, die während der Entstehung der Alpen im Vorland abgelagert wurden. Der für die Lehmbildung entscheidende Prozess ist bei beiden Ausgangsmaterialien die Verwitterung. Durch diesen Prozess wird Kalk aus dem Ausgangsmaterial ausgefällt und es bilden sich Tonminerale, welche die übrigen Bestandteile zusammenbinden. Gips (Calciumsulfat) ist dagegen kein Bodentyp, sondern eine Gesteinsart. Er gehört zu den sogenannten chemischen Sedimentgesteinen. Bei diesen werden aus einem Substrat aufgrund von Überkonzentration oder chemischen Reaktionen neue Gesteinsschichten ausgefällt.

Verwendung

Lehm und Gips gehören zu den ältesten Baumaterialien. Lehm ist in nassem Zustand formbar, erhärtet aber nach dem Trocknen. Diese Eigenschaften sowie der verhältnismässig geringe Verarbeitungsaufwand sind vermutlich die Gründe dafür, dass Lehm schon vor über 9000 Jahren zum Bau von Häusern verwendet wurde. Im Laufe der Jahre wurde die Verarbeitung zusehends raffinierter, denn beim Trocknen wird Lehm zwar hart, aber auch brüchig. Mit einer idealen Wahl der Lehmmischung und mit den Verarbeitungsvorgängen des Formens und Brennens erreicht das Material optimale Eigenschaften als Baustoff, der für Dachziegel und Backsteine verwendet wird. Lehm entwickelte sich seit der Römerzeit zu einem wichtigen Werkstoff. In den lehmreichen Gebieten der Region Basel sind die Fachwerkhäuser einschlägig bekannt. Die Zwischenräume in ihrem Holzgerüst sind mit einem Lehm-Holz-Verbund gefüllt.
Gips wird aufgrund seiner Wasserlöslichkeit meist nur für den Innenausbau verwendet. Beim Abbau werden die gipshaltigen Gesteinsschichten mechanisch abgetragen. Die gipshaltigen Anteile werden abgetrennt und später durch Brennen und Mahlen weiterverarbeitet. Auch Gips wurde bereits um 7000 v. Chr. als Baumaterial verwendet; heutzutage wird er vor allem für Putze und als Zusatzstoff bei die Zementherstellung verwendet.

Ökobaustoff und Werkstoff für Bad und Küche

Im 20. Jh. wurden Ziegel und Backsteine mehr und mehr durch Beton und Zement ersetzt. Heute gibt es Bestrebungen, den Lehm aufgrund seiner ökologischen Eigenschaften als Bausubstanz wieder zu beleben. Im Jahr 2014 wurde in Laufen ein neues Fabrikationsgebäude der Firma Ricola in Betrieb genommen. Es besteht aus Lehm und ist das grösste Lehmhaus Europas. Auch das 2012 fertiggestellte Kursgebäude in Unterbrüglingen besitzt Wände, welche aus Stampflehm gebaut wurden. Neben der Verwendung als Baumaterial ist Lehm auch das Ausgangsmaterial für keramische Erzeugnisse, wie sie beispielsweise in Laufen durch die gleichnamige Firma in Form von Sanitärkeramiken seit 1925 produziert werden.

Beispiele: Ziegelei Oberwil und Gipsgrube Zeglingen

Die Idee zur Oberwiler Ziegelei hatte im Jahre 1894 Stefan Gschwind, der damit Arbeitsloser beschäftigen wollte und der auch eine Vorgängerorganisation von Coop Basel gegründet hatte. Nachdem der Lehm anfänglich noch von Hand gestochen und abtransportiert wurde, erfolgte drei Jahre nach der Gründung die Umstellung auf den maschinellen Abbau. Mit Ausnahme der Krise der Vorkriegs- und Kriegsjahre und des Abbrennens im Jahre 1949 gedieh der Betrieb lange Zeit. Trotz der konsequenten Rationalisierung musste im Jahre 1997 die Produktion aber eingestellt werden, weil sie nicht mehr rentierte.
Schon im 15. Jh. wurde in Zeglingen Gips abgebaut. 1904 wurde der Gipsabbau durch die Läufelfinger Gips-Union übernommen. Es begann der industrielle Abbau von Gips, indem 1910 für die Verarbeitung in Läufelfingen eine 4,5 km lange Luftseilbahn gebaut wurde. Da die Gipsvorräte erschöpft waren, wurde der Gipsabbau im Jahre 1986 eingestellt; aus der Grube wurde fortan Anhydrid gewonnen und 2003 wurde sie ganz geschlossen.

Gips als gefährlicher Queller

Der Gips in der Region Basel hat auch aus anderen Gründen die Aufmerksamkeit auf sich gezogen: Wenn Gipsschichten im Untergrund mit Wasser in Kontakt kommen, quellen sie auf – und genau dies ist im Belchentunnel, im Chienbergtunnel und im Adlertunnel passiert. Die Folge waren Hebungen und Belagsschäden. Können sich die nassen Gipsschichten nämlich nicht ausdehnen, entstehen grosse Drucke auf die Bauwerke. Durch teure bauliche Massnahmen, wie der Installation von Pufferelementen, kann das Problem entschärft werden.

Lehm- und Gipsgruben als Lebensräume bedrohter Arten

Beim Abbau von Lehm entstanden am Boden der Oberwiler Lehmgrube Vertiefungen, in denen sich Wasser ansammelte. Lehmgruben wurden so zu einem idealen Standort für die feuchtigkeitsliebende Pioniervegetation. Vergleichbare Lebensräume waren früher in der Talsohle häufig anzutreffen. Sie waren aber als Folge der Siedlungserweiterungen und der Drainagen von Landwirtschaftsflächen verschwunden. In der Lehmgrube siedelten sich bedrohte Amphibien wie die Kreuzkröte sowie Libellen und weitere Wasserinsekten an. Seit 1970 werden Teile der Oberwiler Ziegelei als Feuchtgebiet für den Naturschutz gepflegt. Später wurde das Areal ins Inventar der Amphibienlaichgebiete von nationaler Bedeutung aufgenommen. In den Jahren 2004–2008 wurde angrenzend an eine grosse Wohnüberbauung die Lehmgrube aufgefüllt und als Naturlandschaft gestaltet, um die neue Nutzung (Wohnen) und ökologische Aspekte vereinen zu können. Die Gipsgrube Zeglingen wurde erst im Jahre 2010 als Naturschutzgebiet von regionaler Bedeutung eingestuft. Die Grube bietet eine wertvolle Mischung aus trockenen, wechselfeuchten und nassen Plätzen für Pioniervegetation. Unter den Tieren sind grosse Bestände des Glögglifrosches (Geburtshelferkröte) zu erwähnen. Speziell bemerkenswert sind die Tümpel als Lebensräume für verschiedene Libellenarten sowie andere Wassertiere und -pflanzen. Inzwischen ist die Grube durch einen Lehrpfad erschlossen, auf dem Infotafeln über den Gipsabbau und die heutige Flora und Fauna informieren.
DK / MS

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Weiterführende Links

Literatur

  • Bitterli-Brunner Peter: Geologische Führer der Region Basel, Birkhäuser, Basel 1987.
  • Brodmann-Kron Peter et al.: Die Ziegeleigrube in Oberwil, in: Tätigkeitsberichte der Naturforschenden Gesellschaft Baselland, Bd. 36, Liestal 1990, S. 5-74.
  • Küry Daniel: Faszination Libellen. Libellen der Schweiz und Mitteleuropas, Naturhistorisches Museum Basel, Bd. 27, Basel 1999.
  • Lüthi Roland: Der Kanton im Überblick: Teil B Oberbaselbiet, Exkursionsführer durch Naturschutzgebiete des Kantons Basel-Landschaft, Heft 10, Verlag des Kantons Basel-Landschaft, Liestal 2008.