Eiche

Eichen können mächtige, ausladende Baumriesen werden und ein hohes Alter erreichen. Solche sagenumwobenen Baumgestalten haben die Menschen seit jeher fasziniert und galten als Idealvorstellung urwüchsiger Natur. Mächtige Eichen haben auch immer wieder Maler und Fotografen inspiriert.




Einheimische Eichenarten

In der Region Basel sind drei Eichenarten heimisch. Die mächtigste ist die Stieleiche (Quercus robur), die eine Höhe von bis zu 50 Metern und einen Stammdurchmesser von über zwei Metern erreichen kann. Besonders markant sind solche riesigen Einzelbäume auf Weiden. Die Stieleiche ist auch in Feldgehölzen, am Waldrand von Buchenwäldern und in Auenwäldern anzutreffen. Im Eichen-Hagebuchenwald ist sie neben der Hagebuche die Hauptbaumart. Ein ähnliches Vorkommen besitzt die Traubeneiche (Quercus petraea). Während die Stieleiche vorwiegend in den Flusstälern anzutreffen ist, findet man die Traubeneiche eher auf den Hügelzügen des Juras. Zudem kommt sie auch in Flaumeichenwäldern vor, in denen die dritte Art, die Flaumeiche (Quercus pubescens), die Hauptbaumart bildet. Diese ist sehr wärmebedürftig und besiedelt die besonnten Felsgrate und -köpfe in den tieferen Lagen des Juras.

Die Eiche als Lebensraum

Keine anderen Baumarten Mitteleuropas bieten so vielen Lebewesen ein Zuhause oder Nahrung wie die Stiel- und die Traubeneiche. Man schätzt, dass 300 bis 500 Tier- und Pflanzenarten direkt von Eichen abhängen und nochmals so viele die Eiche fakultativ nutzen. Eichen haben grobrissige Borken, die Unterschlupf und Überwinterungsmöglichkeiten für viele Wirbellose bieten. Der späte Laubaustrieb im Frühjahr lässt Licht und Wärme auf den Waldboden, was den Wuchs einer artenreichen Kraut- und Strauchschicht ermöglicht. Licht und Wärme bieten auch vielen Vogelarten günstige Lebens- und Nistbedingungen. Laub und Knospen der Eiche dienen zahlreichen Insekten als Nahrung. Alte Eichen sind reich an Totholz sowohl im Kronenbereich als auch im Stammesinnern, was für den Lebenszyklus vieler Bockkäfer und Wildbienen wichtig ist. Die vielen Insekten wiederum bieten Vögeln ein reichhaltiges Nahrungsangebot. In den Baumhöhlen und Spalten des Totholzes lassen sich Bruthöhlen als Nistgelegenheit nutzen. Hohle Stämme werden auch von Fledermäusen und anderen Kleinsäugern bewohnt. Eichelhäher, Eichhörnchen, Baummarder und Wildschweine lieben die eiweissreichen Eicheln, die Früchte der Eichen.

Eichen prägten die Landschaft

Während der mittelalterlichen Dreifelderwirtschaft war es üblich, das Vieh zur Beweidung in den Wald zu treiben. Besonders Schweine wurden für die Eichelmast in Eichenbestände geführt. Zudem waren Eichen wegen ihres guten Bauholzes und wegen der Rinde sehr beliebt, die für das Ledergerben die Gerberlohe lieferte. Diese hohe Wertschätzung der Eiche führte zur Förderung der Eichenwälder gegenüber Buchenwäldern. Es wurden auch ganze Eichenhaine angelegt. Dabei wurde der Abstand zwischen den Bäumen grosszügig bemessen, damit genügend Licht einfiel für Gräser und Kräuter und für die Waldweide. Hinzu kommt, dass frei stehende Eichen schneller und üppiger Früchte für die Eichelmast liefern. Diese offene Wytweiden-Landschaft war bis zum Beginn des 19. Jh. ein verbreitetes Landschaftselement.
Der Niedergang der Eichenlandschaft begann bereits im 18. Jh.. Dank der verbesserten Dreifelderwirtschaft durch den Anbau von Futterpflanzen wurde die Eichelmast allmählich bedeutungslos. Die meisten grossen Eichenhaine der Region fielen dem Eisenbahnbau in der Mitte des 19. Jh zum Opfer. Das Eichenholz wurde für die Bahnschwellen genutzt. Überliefert sind Rodungen in Muttenz, Pratteln, Frenkendorf, Füllinsdorf, Giebenach und Ettingen. Dem wachsenden Brennholzbedarf begegnete man, indem man die raschwüchsigere Buche der Eiche vorzog. Um kurze Umtriebszeiten zu erreichen, wurde der Wald in der zweiten Hälfte des 19. Jh. häufig als Niederwald bewirtschaftet, der sich aus Stockausschlägen regenerierte. Dafür ist die Eiche nicht geeignet.
Wegen des hohen ökologischen Wertes und des Charakters eines Kulturgutes der Eichenlandschaften wird die Eiche in jüngster Zeit wieder mittels einer Eichenstrategie gefördert. Die Strategie beinhaltet Massnahmen im Waldbau und in der Vermarktung von Eichenholzprodukten. Sie fördert die Forschung, Lehre und Kommunikation rund um die Wertschöpfungskette der Eichenproduktion. Auch die Klimaerwärmung dürfte die Eichenwaldgesellschaften positiv beeinflussen, da sie bei zunehmender Trockenheit gegenüber anderen Wäldern (z.B. Buchenwäldern) im Vorteil sind.

Von der Bedeutung der Eichen

Darstellungen von Eichen, gemalt im 19. Jh. von Malern aus der Region, zeigen die Eichenbestände in der Basler Landschaft. Manchmal wird der offene Wytwald mit den Weidetieren dargestellt. Solche Gemälde geben einen Eindruck dieser ehemaligen Kulturlandschaft, die in der Region im Naturschutzgebiet Wildstein bei Bubendorf noch in Natura zu sehen ist. Mächtige Einzelbäume faszinierten auch in der Fotografie, deshalb sind fast bei allen Sammlungen regionaler Fotografen alte Eichen als Fotomotiv präsent. Grosse Eichen waren Landmarken in der Landschaft, halfen bei der Orientierung und boten Schutz vor Wind und Wetter. Nur bei Gewittern war der Schutz unter Eichen ein schlechter Rat. Nicht nur ihrer Grösse wegen, sondern auch aufgrund ihres Standorts an exponierter Lage auf Kuppen, hatte die Eiche die Funktion eines Blitzableiters. Dies erklärt auch den Bezug der Eichen zu Blitz und Donner sowie zu den Kriegsgöttern Jupiter und Donar.
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Weiterführende Links

Literatur

  • Bonfils P., Horisberger D., Ulber M. (Red.): Förderung der Eiche – Strategie zur Erhaltung eines Natur- und Kulturerbes der Schweiz, proQuercus – BUWAL, Bern 2005.
  • Feigenwinter-Thommen Beat: Arten- und Lebensraumschutz in den Waldungen beider Basel – die Strategie des Forstamtes beider Basel, Regio Basiliensis 44/1, 2003, S. 23-34
  • Lüthi Roland: Wildenstein Heft 3, Verlag des Kantons Basel-Landschaft, Liestal 2004.
  • Steiger Peter: Wälder der Schweiz, hep verlag ag, Bern 2010, S. 178-180.