Föhren

Pionier, Bergsteiger, Leitungsrohr, Staubbläser, Fensterrahmen und Brennholz: Die «Erscheinungsformen» der Waldföhre sind vielfältig. Ihr Bestand ist nicht gefährdet, sie ist in Hausgärten, Landschaftsparks, in Wäldern und auf Juragipfeln überall anzutreffen.




Die Waldföhre – ein Pionier

Die Waldföhre (Pinus sylvestris) ist nach der Fichte der wichtigste Nadelbaum in der Region. Man erkennt sie leicht an ihren büscheligen Nadeln, die immer in Zweiergruppen am Zweig stehen. Ihre Erscheinung wandelt sich von kegelförmig in der Jugend zu einem stattlichen Baum mit markant gewölbter Krone, die sich im Alter zur Schirmkrone entwickelt. Im Mai werden überall Spuren der Föhre sichtbar: Feiner gelber Blütenstaub überzieht den Lack von Fahrzeugen in der Region. Die Föhre ist windblütig und ihr Pollen wird bei jedem Windstoss aus den männlichen Blütenkätzchen gestäubt. Die Waldföhre ist ausgesprochen anpassungsfähig und meistert eine Vielzahl von ökologischen Herausforderungen. Da sie auf durchschnittlichen Standorten von konkurrenzfähigeren Baumarten verdrängt wird, ist sie an Standorten mit extremen Lebensbedingungen zu finden. Typisch sind die kargen Kalksteinflühe des Juras, wo die Föhren auf trockenen Felskanten und -gräten einen lückigen Wald bilden. Auch auf mageren Böden mergeliger Rutschhänge kann sich oft nur die Waldföhre behaupten. Als Pionierbaumart besiedelt sie auch Gebiete, die durch Rutschungen verändert oder früher als Abbaugruben genutzt wurden.

Vom Nutzen der Föhre

Föhrenstämme wurden bis ins 19. Jh. als sogenannte Teuchel für den Bau von Wasserleitungen verwendet. Dazu wurden die Stämme mit einem rund fünf Meter langen Teuchelbohrer längs durchbohrt und beim Verlegen mit schmiedeeisernen Ringen verbunden. Im «Deuchelacker» bei Bubendorf wurde um 1800 ein fast reiner Föhrenbestand gepflanzt, um genügend geeignete Stämme für die Herstellung von Teucheln zur Verfügung zu haben. Die damalige Reihenbepflanzung ist heute noch erkennbar. Heute wird das weiche, biegsame Holz im Wasser- und Brückenbau, beim Schiffsbau und für Tür- und Fensterrahmen verwendet. Es ist gut bearbeitbar und eignet sich für verschiedene Schreinerarbeiten. Zudem liefert die Föhre gutes Brennholz. Die Waldföhre wird vorwiegend auf waldbaulich schlechten Böden zur Aufforstung genutzt. Dabei entstehen teilweise reine Föhrenforste in plantageartigen Monokulturen, die den Bedarf an Bau- und Industrieholz decken. Daneben ist und war die Föhre immer auch ein beliebter Zierbaum in Hausgärten und Landschaftsparks.

Foren und Chienholz

Viele Mundartbezeichnungen der Föhre spiegeln sich in Flurnamen wieder. Im Birs- und Leimental wird sie als Fiechte bezeichnet, im mittleren Baselbiet als Chien. Darauf lässt sich der Begriff Chienbäse zurückführen, bei dem eine besenartige Holzfackel aus Föhrenscheiten zur Winteraustreibung durch Liestal getragen wird. Im Oberbaselbiet sind die Begriffe Fore und Före zu finden (vergleiche Karte «Mundartbezeichnungen der Föhre in Flurnamen»).

Die nahen Verwandten

Neben der Waldföhre, die auch als Gemeine Kiefer bezeichnet wird, kommen weitere Föhrenarten in der Region vor. Die Schwarzföhre (Pinus nigra) mit ihrer dunkelgrauen Rinde und doppelt so langen Nadeln stammt aus Südeuropa und ist im Gebiet häufig als Zierbaum in Parks und Industriearealen zu finden. Die Weymouthskiefer oder Strobe (Pinus strobus) aus Nordamerika wurden vereinzelt als Forst- oder Zierbaum gepflanzt. Ihre dünnen Nadeln sind jeweils zu fünft in einem Büschel vereint, und ihr Holz ist vielfältig nutzbar. Die einheimische Bergföhre (Pinus mugo) kommt im Gebiet nur als Gartenpflanze vor, verfügt aber unmittelbar westlich in den Hochlagen des Solothurner Juras und in den Klusen der Birs, beispielsweise bei Moutier, über natürliche Vorkommen.
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Weiterführende Links

Literatur

  • Houvinen-Hufschmid Christine, Schläpfer Martin: Die Pflanzenwelt der Region Basel, Christoph Merian Verlag, Basel 1998.
  • Schütt Peter et al.; Lexikon der Nadelbäume, Nikol Verlagsges., Hamburg 2004
  • Feigenwinter Beat: Waldnutzung und Waldpflege im Gebiet Wildenstein, Mitteilungen der Naturforschenden Gesellschaft beider Basel, 7 (2003), S. 305-310

Tabellen und Diagramme

Mundartbezeichnungen der Föhre in Flurnamen