Moose – Algen

Moose und Algen sind einfach gebaute Pflanzen ohne inneres Gefässsystem. Ihr Gedeihen ist deshalb stark abhängig vom Wassergehalt in ihrer direkten Umgebung. Beides sind wenig bekannte Organismengruppen, unter denen es eine grosse Anzahl Lebensraumspezialisten gibt.




Moose als Überlebenskünstler

Als Überlebenskünstler haben Moose eine Vielzahl von Lebensräumen besiedelt und gehören dort zu den Pionierarten. Wenn die Polster auf blankem Fels oder Rohböden Fuss gefasst haben, sammelt sich zwischen den kleinen Moospflänzchen Feinmaterial an. Dies ist der Beginn der Bodenbildung, die es den höheren Pflanzen erst ermöglicht, Wurzeln zu schlagen. Mit der Ansiedlung von Moosen beginnt meist die Sukzession auf den vegetationsfreien Flächen.

Formenreiche Sporenpflanzen

Als häufigste Wuchsformen lassen sich die oft flach-blattförmigen Lebermoose und die artenreichen Laubmoose unterscheiden. Alle Moose bilden zur Verbreitung Sporen. Die auskeimenden Sporen wachsen zu Moospflänzchen heran, die in männlichen und weiblichen Geschlechtsorganen Keimzellen hervorbringen. In der weiblichen Keimhülle entwickelt sich nach der Befruchtung ein langer Stiel mit einer Sporenkapsel an dessen Ende. Diese Kapsel springt bei Trockenheit auf und entlässt die federleichten Sporen in die Luft.

Moosreiche Lebensräume

Bei typischen Lebensräumen der Moose denkt man zuerst an feuchte Schluchten mit ihren von dicken Polstern überwachsenen Bäumen, Steinen oder Felsen wie das Chaltbrunnental oder die Chälengrabenschlucht. Die Moore als vielleicht typischste Moos-Lebensräume kommen in höheren Lagen von Schwarzwald, Vogesen und Plateaujura vor und bestehen aus Torfmoosen. Deren abgestorbene Überreste wurden nur teilweise abgebaut und haben deshalb über Jahrhunderte mächtige Torfschichten gebildet.
In Wäldern lassen sich zahlreiche Moosgesellschaften unterschieden. Auf Kalkfelsen der vielen Flühe in der Region Basel bildet sich als Folge unterschiedlicher Besonnung und Luftfeuchtigkeit ein kleinflächiges Mosaik von Moosgesellschaften aus. Andere Arten bevorzugen den Boden und bilden an Stellen ihre Polster aus, wo das Falllaub nicht liegen bleibt. Auf der Wetterseite der Bäume entsteht am Stammfuss ein reicher Bewuchs sogenannter epiphytischer Moose. Totholz auf dem Waldboden ist je nach Zerfallstadium von unterschiedlichen Moosgemeinschaften bewachsen.

Moose in Wechseltrockenheit

Moose kommen auch auf trockenen Kiesflächen, in Magerrasen und auf besonnten Felsen vor. Zu diesen gehören viele Arten, die ausgesprochen wechseltrockene Verhältnisse bevorzugen. Bei Trockenheit bleibt der Stoffwechsel dieser Moose in einem Ruhezustand, nach einem Regenfall sind die Pflänzchen aber sofort bereit, wieder mit der Fotosynthese zu beginnen und mit ihrem Wachstum fortzufahren.

Algen – grün-rot-braun

Eine grobe Gliederung der Algen erfolgt anhand ihrer Farbstoffe, die sie zur Fotosynthese verwenden. Die Grünalgen dominieren unter den einheimischen Arten, während unter den Rotalgen und Braunalgen nur wenige Arten vorkommen. Die beiden letzten Gruppen leben vorwiegend in den Weltmeeren. Die Kieselalgen haben ihren Namen aufgrund der aus Kieselsäuresalzen bestehenden Schalen erhalten. Die von der Zellwand produzierte Hülle besteht wie bei einer Schachtel aus zwei Schalenhälften die ineinander gestossen sind und im Mikroskop faszinierende Mikroformen enthüllen. Früher hätte man auch die «Blaualgen» in dieser Aufzählung genannt. Heute Cyanobakterien genannt werden diese jedoch zusammen mit ebenfalls zellkernlosen Bakterien in eine eigene Organismengruppe gestellt.

Extreme Lebensräume

Im Lebensraumspektrum sind die Algen gerade umgekehrt verteilt wie die Moose. Die Mehrheit der Algen lebt im Wasser und nur eine verschwindende Minderheit ist im Lauf der Evolution zum Landleben übergegangen und lebt z. B. auf der Borke von Bäumen. Eine verbreitete Lebensform einzelliger Algen ist das Phytoplankton. Unter dem Begriff Plankton werden Schwebeorganismen zusammengefasst, die in der Freiwasserzone aller stehenden Gewässer vorkommen. Als solche besitzen sie keine Wurzel und nehmen Nährsalze, aber auch das für die Fotosynthese notwendige Kohlendioxid aus dem Wasser auf.

Fantastische Formenvielfalt

Die Spanne der einheimischen Algen reicht vom ein Mikrometer grossen Einzeller bis zu rund zwei Meter hohen Armleuchteralgen. Algen im Uferbereich stehender Gewässer oder in Fliessgewässern besitzen entweder Haftwurzeln oder Gallertfüsse, mit denen sie sich am Untergrund anheften. So verhindern sie, dass die Strömung sie wegträgt. Wichtig im Nahrungsnetz der Fliessgewässer sind zum Beispiel die Kieselalgen, die mit einem Gallertstiel auf der Oberseite der Steine festsitzen. Sie sind die Nahrung zahlreicher Wasserinsektenlarven oder Wasserschnecken, die als Weidegänger diesen sogenannten Aufwuchs «abgrasen».
In den Jahren 1916 bis 1918 hat Robert Lauterborn Listen der wichtigsten Algenarten im Rhein veröffentlicht. Zu den häufigsten und aspektprägenden Arten gehörten vor allen die braunen Überzüge verschiedener Kieselalgenarten sowie viele von blossem Auge sichtbare Arten wie die Grünalge Cladophora glomerata, die auffälligen fingerlangen Büschel der Goldalge Hydrurus foetidus und die Froschlaichalge (Batrachospermum moliniforme). Vergleichbare Untersuchungen wurden in späteren Jahren nur ganz vereinzelt durchgeführt. Die Goldalge Hydrurus und die Froschlaichalge wurden später nur noch in kleineren Beständen nachgewiesen.

Fast-Schachtelhalme: Armleuchteralgen

An Schachtelhalme erinnern die Armleuchterlagen, die praktisch nur in stehenden Gewässern vorkommen. In Seen erreichen diese bis zwei Meter lang werdenden «Makroalgen» Tiefen von bis zu zwölf Metern. Sie kommen auch in relativ gut besonnten kleinen und flachen Weihern vor und wurden in den von Grundwasser versorgten Kiesgrubengewässern der Oberrheinebene besonders intensiv untersucht.
Mit 23 in der Schweiz bekannten Arten handelt es sich um eine kleine Algengruppe. Viele Arten weisen aber eine enge Lebensraumbindung auf und sind deshalb gute Indikatoren für den Zustand dieser Gewässer. Besonders empfindlich reagieren Armleuchteralgen auf die Überdüngung der Gewässer und sind auf Kleinlebensräume wie Tümpel angewiesen. In der Schweiz wurde für diese Gruppe deshalb auch eine Rote Liste erarbeitet.
DK / Martin Schweizer

Karten

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Weiterführende Links

Literatur

  • Betram Josef: Moosvegetation und -flora des Fels- und Bergsturzgebietes im Waldreservat Fulnauweid (Seewen). Mitteilungen der Naturforschenden Gesellschaften beider Basel 13, Liestal 2011, S. 89-128.
  • Düll-Wunder Barbara, Düll Ruprecht: Moose einfach und sicher bestimmen, Quelle & Meyer Heidelberg, 2012
  • Nebel Martin, Philippi Georg (Hrsg.): Die Moose Baden-Württembergs Teil1 und Teil 2, Ulmer Verlag Stuttgart, 2000/2001.
  • Arbeitsgruppe Characeen Deutschlands: Armleuchteralgen Die Characeen Deutschlands. Springer Spektrum Verlag, 2016
  • Krause Werner: Charales (Charophyceae, Armleuchteralgen). Gustav Fischer Verlag Jena, 1997
  • Lauterborn Robert: Die geographische und biologische Gliederung des Rheinstroms. I. Teil. Sitzungsber. Heidelberger Akad. Wiss., Matt.-naturwiss. Kl. Abt B VII, 1916, 6. Abh. 61 S.
  • Linne von Berg Karl-Heinz et al.: Der Kosmos Algenführer: Die wichtigsten Süsswasseralgen im Mikroskop. Kosmos Verlag Stuttgart 2004
  • Zimmerli Werner: Die Algenflora des Rheines von der Quelle (Tomasee) bis Basel 1989–1990. Bauhinia 9, Basel, 1991S. 291–324.