Pyramidenpappel

«Da stehen sie am Wege nun, die langen Müssiggänger, und haben weiter nichts zu tun und werden immer länger…». Wie in einem Gedicht von Friedrich Rückert beschrieben, fällt die Pyramidenpappel durch ihre schlanke Form und ihre Höhe auf. Seit langer Zeit prägt der zweihäusige Baum, welcher zur Familie der Weidegewächse gehört, die Landschafsbilder entlang vieler Flussauen und Alleen.




Die Pappel in Säulenform

Ende des 17. Jh. gelangte die Pyramidenpappel (Populus nigra "Italica"), auch Säulenpappel oder Italienische Pappel, eine besondere Form der Schwarzpappel, aus Persien ins Mittelmeergebiet. Diese schmale, zypressenartig wachsende Pappelart mit ihrer kegelförmigen Krone soll durch eine Mutation, das heisst eine sprunghafte Änderung im Erbgefüge, entstanden sein.
Typisch sind ihre fast senkrecht aufstrebenden Äste und die bereits knapp über dem Erdboden beginnenden Stammverzweigungen. Die dreieckig bis rautenförmigen dunkelgrünen Laubblätter der Pyramidenpappel sind etwas kleiner als die der Schwarzpappel. Dank ihrer markanten schlanken Form und ihrer Grösse bis über 30 Meter gilt die Pyramidenpappel als äusserst landschaftsprägend.

Pyramidenpappeln – Napoleons Wegweiser…

Für ihre rasante Verbreitung wird zu einem guten Teil Napoleon verantwortlich gemacht. Er soll die raschwüchsigen Säulenpappeln zur besseren Orientierung im Winter sowie als Schattenspender im Sommer entlang seinen Heerstrassen in ganz Europa angepflanzt haben. Die schlanke Form der Pyramidenpappel erlaubte es, die Strassen in ihrer ganzen Breite zu nutzen. Denn keine horizontal wachsenden Äste behinderten die Durchfahrt. Da vorwiegend männliche Exemplare gepflanzt wurden, können sich die Bäume nur vegetativ über Stecklinge vermehren. Dadurch bleibt das Erbgut jahrhundertelang unverändert. Es machen sich Vitalitätseinbussen bemerkbar. So altern Pyramidenpappeln sehr früh und neigen schon im Alter von 40 Jahren zu Astbrüchigkeit. Auch werden die geschwächten Bäume für Schädlinge wie den Pappelbock zur leichten Beute.

… in der Region

Erst seit rund 200 Jahren gibt es die Pyramidenpappel in der Region Basel. Sie wurde an Wegkreuzungen, bei Höfen als Blitzableiter oder als Alleebaum entlang von Gewässern und Strassen angepflanzt. Als im Jahre 1853 in der Umgebung des Schlosses Wildenstein anstelle eines Rebberges eine Gartenanlage im landschaftlichen Stil angelegt wurde, verwendete man auch einige «ausländische» Bäume, unter anderen Pyramidenpappeln.
Sie kommen bis heute vorwiegend kultiviert vor. Oft säumen mehrere dieser Bäume Sportanlagen, wie z.B. die Landauer Sportplätze Hörnli. Auch zieren bis heute sieben hoch gewachsene Exemplare dieser Pappelvarietät in Reih und Glied die Kraftwerkinsel in Birsfelden. Die Funktion als Blitzableiter scheint sich immer noch zu bewähren, entdeckt man doch hie und da bei Bauernhöfen im Baselbiet eine bis mehrere Pyramidenpappeln.

Ihre nahen Verwandten

Neben der Pyramidenpappel gibt es auch noch andere Pappelarten in der Region. Die Schwarzpappel (Populus nigra) zum Beispiel ist in den Flusstälern von Rhein und Birs anzutreffen. Sie ist neben verschiedenen Weidenarten ein charakteristischer Baum der Weichholzauen. Da im 19. Jh. durch Gewässerverbauungen zur Landgewinnung und für Hochwasserschutz ein Grossteil der natürlichen Auen zerstört wurde, ist auch die Schwarzpappel stark zurückgegangen. Oft kommt sie nur noch in Einzelexemplaren oder kleinen Restbeständen vor. Bei den Schwarzpappeln handelt es sich um stattliche, bis 30 Meter hohe Bäume. Der Name nimmt Bezug auf die schwärzliche Borke, die meist von starken, wulstigen Längsrillen durchzogen ist. Häufig sind die wie Schwarzpappeln aussehenden Bäume bei genauerer Untersuchung Hybriden, Kreuzungen von reinen Schwarzpappeln mit anderen Pappelarten. Auf Versickerungsflächen in den Langen Erlen entdeckt man solche Hybridpappeln, die von vielen Misteln parasitiert werden.
Eine weitere einheimische Pappel ist die Silberpappel (Populus alba). Sie wächst an Orten, die nicht ganzjährig unter Wasser stehen wie in der Elsässer Hardt, der Petite Camargue oder in den Birsauen von Aesch bis St. Jakob. Ihre weiss-graue, glatte Borke mit ihren rautenförmigen Korkwarzen wird im Alter dunkler und längsgefurcht. Ein typisches Merkmal sind die drei- bis fünfteilig gelappten Blätter, deren Unterseite wollig, filzig behaart ist. Dieser wolligen Blattbehaarung wird nachgesagt, sie sei in der Lage, grosse Mengen Schmutzpartikel aus der Luft zu filtern, die dann von Niederschlägen wieder abgewaschen werden. Mehrere Silberpappeln umrahmen, neben alten Eichen, den Schlossweiher Wildenstein. Im Frühherbst kommen ihre weissen Blätter besonders zur Geltung, was man auch am Quellsee im Areal der «Grün 80» gut beobachten kann.
Die im Jura wie auch im höheren Sundgau verbreitete Espe oder auch Zitterpappel (Populus tremula) ist die häufigste Pappelart in Europa. Ihre langen Blattstiele sind noch stärker abgeflacht als bei anderen Pappelarten, sodass bereits der kleinste Windhauch eine Bewegung auslöst. Dieses «Zittern wie Espenlaub» ist so augenfällig, dass man es im Namen wiederfindet. Die ständige Blattbewegung erhöht den Transpirationssog, der eine gesteigerte Nährsalzversorgung und somit auch ein verstärktes Wachstum des Baumes mit sich bringt. Dadurch erklärt sich die Schnellwüchsigkeit nicht nur dieser Pappelart. Die Zitterpappel ist eine typische Lichtholzart. So findet man sie in der Region gerne an Waldrändern wie zwischen Chilpen und der Tenniker Flue oder dem Arlesheimer Wald. An baumfreien Orten wie zum Beispiel Brachen zählt die Espe zusammen mit einigen Weidenarten zu den sogenannten Pionieren oder «Vorhölzern», was im ehemaligen Steinbruch beim «Chlosterchöpfli» in Muttenz zu beobachten ist. So sind auch Teile der früher unbewachsenen Huppergruben bei Lausen von einem lichten Vorwald aus Weiden, Föhren und Zitterpappeln bedeckt.

Wie werden Pappeln genutzt?

Mit ihrer hochgewachsenen Krone bieten Pappeln, die zu den schnellwüchsigsten einheimischen Nutzhölzern gehören, einer Vielzahl von Tieren Unterschlupf und Nahrung. Holzbewohnende Insekten beleben die Pappeln, Pappel-Bock, -Blattkäfer, -Schwärmer und -Spinner um nur einige zu nennen. In Hohlräumen alter Bäume finden Fledermäuse Schutz. Viele Vogelarten nutzen die Krone als Nistplatz. Rinder, Schafe und Wild verbeissen mit Vorliebe die Zweige von Pappeln. Sogar der Biber zählt die Pappel zu seinen Lieblingsbäumen und vermag selbst dickere in ein bis zwei Nächten umzulegen. Das weiche Holz ist zudem auch für viele Pilzarten attraktiv.
Für den Menschen ist das Pappelholz eine vielseitig verwendbare Holzart, die sich leicht und sauber bearbeiten lässt. Heute wird sie hauptsächlich zu Sperrholz, Möbeln, Zündhölzer und Zahnstocher verarbeitet. Wegen der hellen Farbe und der Geruchs- und Harzfreiheit eignet sich Pappelholz hervorragend für die Celluloseproduktion zur Papierherstellung.
EB

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Weiterführende Links

Literatur

  • Delarze Raymond, Gonseth Yves: Lebensräume der Schweiz, Ott-Verlag, Bern 2008.
  • Bertelsmann Lexikon Institut: Faszination Natur, Wissen Media Verlag GmbH, Gütersloh/München 2006.
  • Hess H. E., Landolt E., Hirzel R.: Flora der Schweiz, Band 1, Birkhäuser Verlag, Basel und Stuttgart 1967.
  • Schütt Peter et al: Enzyklopädie der Laubbäume, Nikol Verlagsgesellschaft mbH, Hamburg 2006.
  • Sebald Oskar et al: Die Farn- und Blütenpflanzen Baden-Württembergs Band 2, Eugen Ulmer GmbH & Co., Stuttgart 1993. S. 117–126.
  • Brodtbeck Thomas et al: Flora von Basel und Umgebung, Naturforschende Gesellschaft beider Basel, Liestal 1997.
  • Lüthi Roland: Natur im Baselbiet, Bände 3, 8, 9 und 10, Verlag des Kantons Basel-Landschaft, Liestal 2001–2010.
  • Huovinen-Hufschmid Christine, Schläpfer Martin: Die Pflanzenwelt der Region Basel, Christoph Merian Verlag, Basel 1998.