Robinie

Sie blüht auffällig weiss, ist erst seit 400 Jahren in Europa und stark giftig, wird als Zierbaum vielerorts geschätzt und gepflegt, gilt als Ersatz für Teak und ist doch ungeliebt in Naturschutzgebieten: die Robinie. Ihr Image reicht vom Hoffnungsträger der Waldwirtschaft bis zum invasiven Neophyt.




Ein Siedler aus Amerika

Die Robinie (Robinia pseudoacacia) oder auch Falsche Akazie benannte Baum stammt aus dem östlichen Nordamerika. Mittlerweilen hat sich die Baumart allerdings von Maine bis Kalifornien sowie im südlichen Kanada ausgebreitet. Sie wächst dort auf sandigen, felsigen und trockenen Böden und kommt in den südlichen Appalachen bis 1500 m ü. M. vor. In amerikanischen Wäldern spielt sie in frühen Waldentwicklungsstadien nur für kurze Zeit eine Rolle, da sie schon bald von Baumarten abgelöst wird, die mehr Schatten ertragen.
In der Region Basel wurde die Robinie als anspruchsloser Bodenbefestiger an Böschungen und Dämmen, entlang von Strassen und begradigten Flüssen sowie in Gärten und Anlagen gepflanzt. Das ausläuferreiche Wurzelwerk verfestigt den Boden schon nach kurzer Zeit und treibt schnellwüchsige Schösslinge empor. Deshalb eignet sich dieser Baum zur Bepflanzung von aufgelassenen Kiesgruben und Steinbrüchen und er überwächst Erddeponien und Schuttplätze.Die licht- und wärmebedürftige Art bildet auf Flächen, die vom Menschen immer wieder verändert werden, einen eigentlichen Robinienwald, in dem nur noch wenige andere Baumarten wie die ebenfalls eingeführten Götter- und Essigbäume vorkommen. Solche Wälder finden sich in Siedlungs- und Industriegebieten der Tieflagen wie beispielsweise im Rheintal. Robinien fehlen weitgehend in höheren Lagen wie dem Gempenplateau und anderen Jurahügelzügen der Region.

Ein Baum lebt sich ein

Die Robinie gelangte im ersten Drittel des 17. Jh. nach Europa. Der früheste Nachweis der Robinie für Europa stammt von 1634 aus England. Andere Autoren sehen ihn 1630 in Paris. Die weitere Verbreitung über Mitteleuropa ging schnell; bereits ca. 1670 war sie in Berlin anzutreffen. Im 18. Jh. kamen die Englischen Parkanlagen in Mode, in denen mehr und mehr exotische Gehölze aus der Alten und Neuen Welt gepflanzt wurden. Mit ihren weissen, duftenden Blütenkaskaden sorgte die Robinie für eine Attraktion, zumal ihre Kultur im europäischen Klima bestens gelang.
Bereits im frühen 18. Jh. wurde sie jedoch zur forstlichen Holzproduktion besonders auf trockenen, sandigen Standorten empfohlen. So nahm ihre Ausbreitung stark zu. Um 1800 war die Art in vielen Gegenden häufig. Hess beschrieb 1796 den Nutzen der Robinie wie folgt: «Schnellwüchsigkeit, Fortpflanzungsvermögen, Dauerhaftigkeit und Güte des Holzes, sind eigentlich die Eigenschaften, die ihn schätzbar machen: weil auf ihnen die Hoffnung, dem Holzmangel Einhalt zu thun, beruht, wenn man auch gleich sein Laub als Futter nicht in Betracht ziehen wollte.»
Die Tulla-Rheinkorrektion im 19. Jh. und der Bau des Grand Canal d’Alsace mit seinen Kraftwerken im 20. Jh. liessen den Grundwasserspiegel markant absinken. Als Folge vertrockneten die ehemals ausgedehnten Auenwälder am Oberrhein; einer der wertvollsten Lebensräume der Region verschwand. Die zurückbleibenden Schotterböden waren trocken und sandig: ideale Standorte für die Robinie. Besonders auffällig sind die zahllosen Bäume zur Blütezeit im Mai und Juni in der Rheinebene zwischen Basel und Istein.

Im Spannungsfeld von Nutzung und Naturschutz

Die Robinie ist ein Neophyt, eine Pflanzenart also, die erst nach 1500 in Europa ansässig wurde. Sie steht als gebietsfremde Art im Spannungsfeld zwischen Nützlichkeit und Naturschutz. Als Pionierbaum ist sie einerseits als Besiedlerin von Ruderal- und Waldrodungsflächen eine schnellwüchsige Alternative zu einheimischen Arten und wächst auch an trockenen Grenzstandorten, die mit dem Klimawandel im Zunehmen begriffen sind. Sie liefert dank der kurzen Produktionszeit eine hohe Wertschöpfung und ist waldbaulich dadurch sehr interessant. Ihr Holz ist zäh, dauerhaft, biegsam und elastisch und kann teilweise als Ersatz für Tropenholz verwendet werden. Den Bienen dienen die attraktiven Blüten als ausgezeichnete Bienenweide, weshalb die Robinie bei den Imkern sehr geschätzt wird.
Andererseits liebt die Robinie neben kargen Ruderalböden auch trockene Magerrasen und -weiden. Dort verhält sie sich invasiv und trägt zur Verbuschung bei. Die Robinie besitzt als Schmetterlingsblütler (Fabaceae) die Eigenschaft, in ihren Wurzeln mit Hilfe von Knöllchenbakterien Stickstoff zu binden. Dies führt zur Anreicherung von Nährstoffen im Boden, was in Magerrasen aus Naturschutzgründen unerwünscht ist. Lichtbedürftige und oft gefährdete Magerrasenarten verschwinden und machen nährstoffliebenden, häufigen Waldsaumpflanzen Platz. Die Robinie kann auch in lichte Wälder eindringen und sich etablieren. Dabei helfen ihr menschliche Eingriffe wie Entbuschungen, Waldbrände und Neupflanzungen. Erst nach Jahrzehnten können sich einheimische Baumarten durchsetzen und die Robinie beschatten, was ihre Verjüngung unterbindet.
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Weiterführende Links

Literatur

  • Brodtbeck et al: Flora von Basel und Umgebung, Naturforschende Gesellschaft beider Basel, Liestal 1997, S. 431.
  • Delarze Raymond, Gonseth Yves: Lebensräume der Schweiz, hep verlag ag, Bern 2008, S. 308.
  • Hess J.G.G.: Beyträge zur Kenntniss der Kultur und Benutzung der unächten Akazie, oder des amerikanischen Schotendorns, Prag 1796.
  • Küster Hansjörg: Geschichte der Landschaft in Mitteleuropa, Verlag C.H. Beck, München 1995, S. 261 und 304.

Tabellen und Diagramme

Natürliche Verbreitung der Robinie