Rotbuche

Die Rotbuche ist der wichtigste Waldbaum Mitteleuropas und somit auch in der Region. Zwischen der letzten Eiszeit und den Rodungen in der Jungsteinzeit war Mitteleuropa weitgehend von einem lockeren bis dichten Buchenwald bedeckt. Die Buche besitzt waldbaulich wertvolle Eigenschaften; ihr Holz ist vielfältig verwendbar.




Ein Baum namens Rotbuche

Die Rotbuche oder einfach Buche (Fagus sylvatica) ist ein mittelgrosser Baum, der mit 120 Jahren rund 25 bis 30 Meter hoch wird. Alleinstehende Buchen können eine Höhe von bis zu 45 Metern erreichen. Je nach Standort liegt die Altersgrenze der Buche bei 350 bis 400 Jahren.
Die Buche ist in vielen Waldgesellschaften anzutreffen. Sie ist in den verschiedenen Buchenwaldtypen oft bestandsbildend. Daneben trifft man sie auch in Feldgehölzen, als Einzelbäume auf Weiden und gepflanzt in Alleen und Parks an. Die Rotbuche liebt frischen, tiefgründigen und humosen Boden. Wenn ihr die Standortbedingungen zusagen, besitzt sie eine ausserordentliche Konkurrenzkraft gegenüber anderen Baumarten. Sie erträgt schattige Standorte und ihr dichtes Blätterdach sorgt in bewirtschafteten Wäldern für lichtarme Verhältnisse am Waldboden, der deshalb meist straucharm ist.
Die Buche ist der wichtigste Waldbaum in der Region und kommt überall dort vor, wo sie nicht an ihre ökologischen Grenzen stösst. Von Natur aus wird die Rotbuche an trocken-warmen Lagen von der Hagebuche, der Flaumeiche oder der Föhre abgelöst, während sie an feuchtnassen, nährstoffreichen Lagen der Esche, Schwarzerle oder dem Bergahorn weicht. Die Buche mag keine Rutschhänge, wo der Bergahorn, die Bergulme, die Esche und in trocken-warmen Lagen die Sommerlinde konkurrenzstärker sind. In zunehmender Höhe folgen der Buche Weisstanne, Fichte und Bergahorn.

Der Standort beeinflusst die Baumform

Die Rotbuche tendiert im Reinbestand zur Bildung von sogenannten Hallenwäldern. Die Buchenstämme bilden lange nahezu astlose Säulen, die das gleichmässig geschlossene Kronendach tragen. Hallenwälder sind in Tieflagen unter 600 m ü. M. anzutreffen. Buchen als Einzelbäume haben Äste bis zur Stammbasis und setzen mit ihrer Baumkrone tief an. Weidbuchen – Einzelbäume auf Weiden – werden durch den Verbiss des Viehs zu einem eigenartigen Wachstum gezwungen, das durch Verstümmelungen bestimmt ist und das Aussehen der Bäume bis ins hohe Alter beeinflusst. In den Kammregionen des Kettenjuras werden die Buchen formenreicher: kurze Stämme, niedriger Wuchs und ausladende Äste. Wind, Wetter und Schneedruck sind diesen knorrigen Baumformen nahe der Waldgrenze anzusehen.

Buchecker, die Früchte der Buche

Buchenfrüchte bergen ölhaltige Samen mit einem Ölgehalt von bis zu 45%. Das Öl ist wertvoll für die Ernährung, besitzt einen milden Geschmack und ist lange haltbar. Bucheckern wurden als Ersatz für Eicheln in der Schweinemast genutzt, in Notzeiten aber auch von Menschen direkt verzehrt. Wegen der Ackerig, der Schweinemast im Wald, wurde im Waldbau allerdings lange Zeit die Eiche der Buche vorgezogen, da die Eicheln für die Schweine wertvoller waren. Erst Mitte des 19. Jh. wurde die Buche waldbaulich wieder bevorzugt. Sie war als Brennholz begehrt, weil sie schneller wuchs. Allerdings war die Buche für den Niederwaldbetrieb weniger geeignet als Hagebuche, Linde oder Ahorn, die dank kurzer Umtriebszeiten (Zeitraum zwischen Begründung und Verjüngung eines Bestandes) schneller Brennholz lieferten.

Holz und Holznutzung

Das wichtigste Produkt der Rotbuche ist aber das Holz. Das dichte Hartholz ist sehr zäh, lässt sich gut bearbeiten, drehen und spalten, vorzüglich dämpfen und biegen. Es ist jedoch nicht witterungsfest, mässig dauerhaft und schwindet stark. Deshalb ist es als Bauholz wenig geeignet. Es wird für den Wagenbau, landwirtschaftliche Geräte, Werkzeuge, Treppen, Parkett, Drechslerwaren und gebogenen Möbel verwendet. Buchenholz besitzt einen hohen Heizwert und lässt sich gut spalten, weshalb es als Brennholz sehr geschätzt wird.
Die waldbauliche Wertschätzung der Buche war im Verlaufe der Jahrhunderte unterschiedlich. Während sie für die lokale Bevölkerung durchaus von Nutzen war, war sie für den Holzexport weniger geeignet. Das dichte Holz war für die Flösserei zu schwer und konnte nur im Verbund mit Nadelhölzern getriftet werden. Das Buchenholz verzieht sich stark und schwindet im Laufe der Zeit, weshalb es nicht überall brauchbar war. Zudem bekundeten Sägewerke auf Grund des Holzaufbaues mehr Mühe mit der Verarbeitung von Laubhölzern wie von Nadelhölzern.
In der Köhlerei, Ziegelei und Eisenverarbeitung hingegen brauchte man hochwertiges Brennholz. Nur mit Buchenkohle liessen sich in den Schmelzöfen jene 1200 bis 1300 Grad Celsius Hitze erreichen, die Roheisen aus Erzen löst. Die Glasmacher benötigten als Brennstoff Buchenholz oder Holzkohle für die Herstellung der Pottasche. Pottasche (Kaliumcarbonat) wurde damals aus Holzasche durch Auswaschung mit Wasser gewonnen, indem die Salze herausgelöst und anschliessend in Töpfen (Pötten) eingedampft wurden. Pottasche senkte den Schmelzpunkt der Glasmasse, so dass weniger stabile Glasöfen verwendet werden mussten.
In der zweiten Hälfte des 20. Jh. besserte sich im Zuge des steigenden Umweltbewusstseins die Wertschätzung der Rotbuche. Die einheimischen Buchenwälder lieferten Holz aus lokalem Waldbau. Bereits Ende des 19. Jh. setzte sich das Sperrholz als erster Holzwerkstoff durch, wofür sich Buchenholz punkto Kosten, Härte und Festigkeit vorzüglich eignete. In der Zellstoffindustrie gewann Buchenholz an Wert, und bei Spanplatten sorgte die moderne Verleimungstechnik dafür, dass auch Buchenholz in der Möbelherstellung verwendet werden konnte. In jüngster Zeit führte die steigende Nachfrage aus Ostasien nach Buchenholz zu einem Preisanstieg und zur weiteren Aufwertung der Buchenholzproduktion.
BE

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Weiterführende Links

Literatur

  • Baur Bruno et al., Freizeitaktivitäten im Baselbieter Wald, Verlag des Kantons BL, Liestal 2003.
  • Brändli Urs-Beat (Red.): Schweizerisches Landesforstinventar – Ergebnisse der dritten Erhebung 2004-2006, WSL 2010.
  • Radkau Joachim: Holz – Wie ein Naturstoff Geschichte schreibt, oekom verlag, München 2012.
  • Steiger Peter: Wälder der Schweiz, hep verlag ag, Bern 2010.

Tabellen und Diagramme

Waldflaechen : nach vorherrschender Baumart in %
Quelle: Schweizerisches Landesforstinventar – Ergebnisse der dritten Erhebung 2004-2006, WSL, 2010, S. 46.
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