Feldhase

Einst wegen seiner sprichwörtlichen Fruchtbarkeit weit verbreitet, sind die Bestände des Feldhasen stark zurückgegangen. Meister Lampe ist ein Bewohner des Offenlandes in relativ grossflächigen Ebenen. Kleinräumige Mulden oder Streifen mit höherer Vegetation dienen ihm als Deckung. Die Abnahme der Feldhasenbestände ist auf Veränderungen der landschaftlichen Strukturen zurückzuführen. Das Projekt «Hopp Hase» versucht, durch Verbesserungen des Lebensraums, den Hasen zu fördern.




Zwischen Deckung und Offenland

Der Feldhase ist ein Symbol der Fruchtbarkeit. Er war das Symboltier der germanischen Frühlings- und Fruchtbarkeitsgöttin Ostara. Von dort stammt auch der alte Brauch des Osterhasen, der die Eier bringt, die ebenfalls als Zeichen für die Fruchtbarkeit galten. Ein uralter Jägerspruch beschreibt die Fruchtbarkeit so: «Wenn der Hase im Frühjahr selbander zu Felde zieht, kehrt er im Herbst zu sechzehn zurück.» Der Hase ist in erster Linie ein Bewohner von offenem Gelände und landwirtschaftlich genutzten Flächen, die von Hecken, Wäldchen und Brachland durchzogen sind, die ihm als Schutz und Nahrungsquelle dienen.

Bedrohter Feldhase

Doch seit den 1950er-Jahren gilt die ausgeprägte Fortpflanzungsfähigkeit des Feldhasen nicht mehr. Der Feldhasenbestand geht stetig zurück – erstaunlicherweise trotz der ausgesprochen hohen Fortpflanzungsrate. Noch zu Beginn der 1980er-Jahre wurde «Meister Lampe» mehrmals mitten in der Stadt im Sautergarten des Basler Zoos und im Milchsuppenareal am nördlichen Stadtrand beobachtet. Man trifft ihn noch im Landwirtschaftsgebiet und in den Wäldern von Riehen, Bettingen und Basel an. Die kleinen Populationen in den Langen Erlen und im Landwirtschaftsgebiet auf dem Bruderholz sind von den benachbarten Gebieten abhängig. Im Kanton Basel-Landschaft lebt der Hase noch in kleinen Beständen im Tafeljura bei Wenslingen und Anwil, im Laufental sowie im Birstal zwischen Reinach und Aesch oder im Leimental. In Baden-Württemberg wird der Hasenbestand in der Oberrheinebene mit Frühjahrsdichten von über 50 Hasen pro 100 Hektar als überdurchschnittlich hoch eingeschätzt. Die höchsten Dichten liegen lokal bei rund 100 Hasen pro 100 Hektar. Die Anzahl der bei der Jagd erlegten Hasen ist aber auch in Baden-Württemberg deutlich zurückgegangen.

Spezialisierte Vegetarier

Die Nahrung des Feldhasen besteht vorwiegend aus Pflanzen, wobei ihm ein spezialisierter Verdauungsapparat zugute kommt. Die Nahrung wird zuerst in kleine Bissen zerlegt und gelangt dann in den Magen und in den Darm. Nach einer ersten Verdauung wird die Nahrung als feuchtweicher Kot ausgeschieden, der sofort und ohne auf den Boden zu fallen erneut aufgenommen wird. Das zweimalige Verdauen ermöglicht es dem Tier, die wenig nahrhafte Pflanzenkost besser zu verwerten. Ausserdem wird die Verdauung verzögert und kann in Deckung und im Schutz vor Feinden stattfinden.

Bewegungsnaturell

Dank seinen grossen, seitlich gelegenen Augen, erreicht der Feldhase einen Blickwinkel von 360 Grad. Auf dem freien Feld kann der Feldhase mit seinen Augen und den Ohren die ganze Umgebung kontrollieren und rasch vor Angreifern fliehen. Ein flüchtender Hase erreicht Geschwindigkeiten bis zu 70 Kilometer pro Stunde. Zudem entkommt er seinem Feind durch sein Hakenschlagen in vollem Lauf. Der Verfolger kann diese Richtungsänderung nicht so rasch nachvollziehen und läuft ins Leere.

Rasche und kontinuierliche Fortpflanzung

Die Häsin bringt ihre Jungen nach rund 42 Tagen Tragzeit im Kulturland zur Welt. Ein Nest wird nicht hergerichtet. Die Neugeborenen sind Nestflüchter, das heisst, sie kommen sehend und behaart zur Welt und können schon bald mit den Erwachsenen umherziehen. Die drei bis vier Jungen werden zwei bis drei Wochen lang einmal täglich gesäugt.
Der Verlust an Junghasen ist gross: bis zu 90 Prozent erreichen nicht einmal ein Alter von sechs Monaten. Sie werden leicht zur Beute von Fuchs, Dachs und Marder, aber auch Katze oder Hund. Eine trächtige Häsin lässt sich zuweilen drei bis sechs Tage vor der Geburt wieder decken. Dieser Vorgang war schon im Altertum bekannt. Zoologen bezeichnen dies als Superfötation, die es erlaubt, fast ununterbrochen Nachwuchs zu zeugen. Die Jungtiere sind bereits nach fünf Monaten geschlechtsreif, was die Fortpflanzung innerhalb des ersten Geburtsjahres ermöglicht. Eine Häsin kann bis zu neun Jungtiere pro Jahr gebären, doch die grosse Mehrheit stirbt, ohne sich fortgepflanzt zu haben. Deshalb ist es wichtig, vor allem die Jungtiere ausreichend zu schützen.

Massnahmen zur Förderung von Feldhasen

Die Jägerschaft und Naturschutzgruppierungen im Kanton Basel-Landschaft haben 2007 den Verein «Hopp Hase» gegründet. Dieser hat sich zum Ziel gesetzt, den Rückgang der Feldhasenpopulation in der Region zu stoppen. Das spezielle Projekt versucht, verschiedene Interessensgruppen zu berücksichtigen und zukunftsorientierte Lösungen mit praktischen Ansätzen zu finden. Die Schutzmassnahmen sind auf den Schutz von Jungtieren fokussiert, da diese die am meisten gefährdete Populationsgruppe der Feldhasen darstellt. Geeignete Getreidesorten oder geschickt angelegte Flächen mit Buntbrachen sollen den Junghasen bessere Deckung gewähren und die Überlebensrate der Jungtiere erhöhen. Von 2008 bis 2012 hat der Hasenbestand zwischen Reinach und Aesch dank gezielten Massnahmen kontinuierlich zugenommen.
DK / CM

Verwandte Themen

Weiterführende Links

Literatur

  • Braun Monika et al.: Die Säugetiere Baden-Württembergs, Band 2. Ulmer Stuttgart 2005.
  • Hausser Jacques: Säugetiere der Schweiz, Verbreitung. Biologie, Ökologie, Birkhäuser Verlag Basel, 1995.
  • Küry Daniel, Ritter Markus, Imhof Paul: Die Tierwelt der Region Basel. F. Reinhardt Verlag Basel, 2011.
  • Zörner Herbert: Der Feldhase (Lepus europaeus). Die Neue Brehm-Bücherei 169, Westarp Wissenschaftenverlagsgesellschaft, Hohenwarsleben 2010 (3. Auflage).