Honigbiene – Varroamilbe

Bereits seit Urzeiten wird den Bienen wegen des begehrten Honigs nachgestellt. Heute werden weltweit domestizierte Rassen der Honigbiene gehalten, die neben ihrer Rolle als Honigproduzenten, zusammen mit den Wildbienen die wichtigsten Bestäuber von Kulturpflanzen sind. In den letzten Jahren wurden jedoch rund um den Globus auffällige Bienensterben gemeldet. Ein aggressiver Bienenparasit, die Varroamilbe, trägt massgeblich zu diesem Sterben bei.




Die Europäische Honigbiene

Seit Menschengedenken gilt die Honigbiene als Nutztier, und ihr süsser Honig war stets beliebt. Die Beziehung zwischen Mensch und Honigbiene war in den Anfängen noch räuberischer Natur: Steinzeitliche Höhlenbilder zeigen Menschen beim Ausräumen wilder Bienenstöcke. Doch bereits aus dem 3. Jahrtausend v. Chr. liegen Zeugnisse der Bienenhaltung aus Ägypten vor.
Zur Honigproduktion wird die Europäische Honigbiene (Apis mellifera) gehalten. Sie wird auch Westliche Honigbiene genannt. Sie kam ursprünglich im Vorderen Orient, im Mittelmeerraum, in Mittel- und Nordeuropa sowie im tropischen Afrika vor. Zwischen dem 17. und 19. Jh. wurde sie nach Nord- und Südamerika sowie Australien exportiert. Die einzelnen Rassen unterscheiden sich zum Teil beträchtlich voneinander. So variiert unter anderem die Aggressivität, also die Bereitschaft anzugreifen und zu stechen.
Die Wildform der Honigbiene kommt bei uns nicht mehr vor. Sogenannte «wilde» Honigbienen sind stets entkommene Hausschwärme, die sich mehr oder weniger lang in Baumhöhlen oder Klüften und Höhlungen von Felsen halten können.

Honig und Wachs

Der Mensch nutzt die Honigbienen zur Gewinnung von Honig und Wachs. Bienen erfüllen zudem wichtige Bestäubungsdienste im Pflanzenreich. Weltweit sind sie die wichtigste Bestäubergruppe der Blütenpflanzen überhaupt. In unserer Region bauen die Imker typische Häuschen, in denen mehrere Völker gehalten werden können. Im Jahr 2014 betreuten in Basel-Stadt, Allschwil und Schönenbuch 115 Imker insgesamt 749 Bienenvölker. Der Honigertrag ist je nach Gegend unterschiedlich: im Kanton Basel-Stadt produziert ein Bienenvolk 17 Kilogramm Honig pro Jahr, im Jura bloss die Hälfte. Das milde Stadtklima mit seinen hohen Temperaturen verlängert die Blütezeit der Pflanzen und somit die Aktivitätsdauer der Bienen.

Fleissige Arbeiterinnen

Mit sprichwörtlichem Fleiss sammeln die Bienen unermüdlich Nektar, Pollen, Honigtau und andere pflanzliche Stoffe. Der Nektar wird zum Transport in der «Honigblase» im Vorderdarm gesammelt, der Pollen wird «gehöselt». Dabei werden die Pollenkörner in spezielle Sammelapparate an den Hinterbeinen gepackt, die sogenannten «Körbchen». Beides bringen sie nach ihren Sammelflügen ins Nest zurück.
Honigtau wird nur von Honigbienen, nicht aber von Wildbienen oder Hummeln gesammelt. Es handelt sich dabei um zuckerhaltige Ausscheidungen von Blatt- und Rindenläusen, welche die Leitungsbahnen von Pflanzen anstechen und den zucker- und eiweissreichen Saft aufnehmen. Nicht benötigte Überschüsse scheiden sie in chemisch veränderter Form wieder auf den Blättern aus, wo sie von den Bienen aufgenommen werden können. Das Produkt wird als «Waldhonig» oder in der Region Basel auch als «Tannenhonig» bezeichnet.

Spezialisiertes Leben im Bienenstaat

Im Gegensatz zu den Wildbienen gehören die Honigbienen zu den staatenbildenden Insekten; sie sind sozial hoch spezialisiert. Ein Volk oder eine Kolonie besteht aus bis zu 80 000 Tieren und nur einem einzelnen fruchtbaren Weibchen – der Königin. Während mehrere tausend sterile Arbeiterinnen ganzjährig auftreten, kommen zu bestimmten Zeiten mehrere hundert Männchen (Drohnen) dazu.
Unter natürlichen Bedingungen lebt die Kolonie in Hohlräumen in Bäumen oder in Felsspalten. Dort wird eine Reihe paralleler Wachswaben gebaut, die auf beiden Seiten mit einer Schicht sechseckiger Zellen überzogen sind. In einem Teil dieser Zellen wird Nahrung gespeichert, in einem anderen die Brut aufgezogen. Gewöhnlich bestehen die Waben eines Volkes aus vielen tausend Zellen.

Die Nahrung entscheidet

Ob sich eine Larve zur Arbeiterin oder zur Königin entwickelt, wird durch die Qualität des Futters bestimmt. Zukünftige Arbeiterinnen werden die ersten zwei bis drei Tage ihrer Entwicklung mit dem Futtersaft der Schlunddrüsen, der «Bienenmilch», gefüttert. In den darauffolgenden zwei bis drei Tagen dient eine Mischung aus Futtersaft, Honig und Pollen als Nahrung. Werdende Königinnen erhalten dagegen während ihrer ganzen Entwicklungszeit Bienenmilch, die in diesem Fall als «Weiselsaft» oder «Gelee Royale» bezeichnet wird. Auch adulte, eierlegende Königinnen werden zeitlebens damit versorgt. Verglichen mit den Arbeiterinnen werden diese grösser und entwickeln in ihren sehr gut entwickelten Ovarien bis 2 000 Eier pro Tag. Im Gegensatz zur Hummelkönigin hat die Bienenkönigin die Fähigkeit verloren, die Brut zu füttern, Wachs zu produzieren, Waben zu bauen oder Nektar und Pollen zu sammeln. All dies wird von den Arbeiterinnen erledigt. Die «Chefin» des Volkes verbringt ihre Zeit damit, über die Brutwaben zu laufen, Zellen zu inspizieren und Eier zu legen.

Bienensprache

Anhand des Duftes einer heimkehrenden Arbeiterin erkennen die Bienen im Stock die Art der Blüte, von der das Futter stammt. Über die Grösse, Richtung und Entfernung der Futterquelle werden sie bei neu entdeckten und ergiebigen Futterquellen durch eine Art Tanzsprache informiert. Diese «Bienensprache» wurde erst Mitte des 20. Jh. von Karl von Frisch entdeckt und beschrieben.
Liegt die Futterquelle weniger als 80 Meter vom Bienenstock entfernt, kommt es zum sogenannten «Rundtanz» auf der Wabe. Daraufhin wird die Umgebung des Stockes nach dem Duft abgesucht, den die Tänzerin mitgebracht hat. Liegt die Futterquelle mehr als 80 Meter entfernt, wird der «Schwänzeltanz» in Form einer liegenden Acht aufgeführt. Je weiter die Quelle entfernt ist, desto langsamer tanzt die Biene. Auch die Richtung im Bezug zur Sonne wird dabei angezeigt. Diese können die Bienen selbst bei bedecktem Himmel noch feststellen, weil sie polarisiertes Licht wahrnehmen können. Zwischen den verschiedenen Bienenrassen wurden nur kleine Unterschiede in den Bienentänzen festgestellt, die als «Dialekte der Bienensprache» bezeichnet werden.

Bienensterben und Varroamilbe

Im letzten Jahrzehnt wurden weltweit und auch in der Schweiz auffällige Verluste von Bienenvölkern beobachtet. Die Ursachen für dieses Bienensterben sind nicht geklärt und werden kontrovers diskutiert. Als Faktoren werden unter anderem virale, bakterielle und durch Pilze verursachte Krankheiten, Parasiten, die Einflüsse von elektrischen und magnetischen Feldern, Pestizide oder eine zuchtbedingte Abnahme der Widerstandsfähigkeit der Bienenvölker vermutet. Viele dieser Hypothesen sind noch nicht ausreichend untersucht. Es spielen wohl auch komplexe Wechselwirkungen eine Rolle.
Zweifellos geht ein Grossteil der Bienenverluste auf das Konto der Varroamilbe (Varroa destructor). Kein anderer Parasit und keine Krankheit haben annähernd so viele Bienenvölker getötet wie dieser Parasit. Die ein Millimeter lange Milbe setzt sich auf den Honigbienen fest und vermehrt sich in den Brutzellen der Larven. Sie saugt von der Körperflüssigkeit der Bienen, was zu einer Schwächung und Verkürzung der Lebenserwartung führt. Hinzu kommt, dass durch die Varroamilbe auch verschiedene Bienenviren verbreitet werden können.
Die Milben werden durch Bienen verbreitet, die sich in einen fremden Stock verirren. Ohne Bekämpfungsmassnahmen führt der Milbenbefall innerhalb von zwei bis drei Jahren zum Tod des parasitierten Bienenvolkes. Trotz verschiedener Zuchtbemühungen wurden bisher keine Varroa-resistenten Bienenstämme gefunden. Das vermehrte Bienensterben führt einerseits zu wirtschaftlichen Verlusten der Imker, andererseits kann die grossflächige Dezimierung von Bienenvölkern eine ungenügende Blütenbestäubung von Landwirtschafts- und Wildpflanzen mit entsprechenden Produktionseinbussen zur Folge haben.
DK / JS

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Weiterführende Links

Literatur

  • Lehnherr Matthias et al.: Der schweizerische Bienenvater. Fachschriftenverlag des Vereins Deutschschweizerischer und Rätoromanischer Bienenfreunde, Winikon, 2003.
  • Westrich Paul: Die Wildbienen Baden-Württembergs, Stuttgart, 2. Auflage, 1990.
  • Steghaus Sabine: Bienen, Wespen und Ameisen, Nürnberg, 2010.