Libellen

Über fast jedem Weiher ziehen an sonnigen Sommertagen die farbigen und glitzernden Insekten ihre Kreise. Libellen begeistern mit ihren schillernden Farben, den grossen Augen und den flinken Flugmanövern immer wieder neu. Weniger bekannt ist, dass Libellen den grössten Teil ihres Lebens als Larven in Gewässern verbringen und die verschiedenen Arten viele unterschiedliche Gewässertypen besiedeln




Gross und Klein

Libellen werden in Gross- und Kleinlibellen unterschieden. Grosslibellen breiten ihre Flügel in Ruhestellung waagrecht aus; Kleinlibellen falten diese senkrecht über dem Rücken zusammen. Die Larven der Grosslibellen sind gross und massig und haben keine Kiemenblättchen am Körperende. Ihre Tracheenkiemen sind unsichtbar im Körper versteckt. Kleinlibellenlarven sind schlank und haben am Ende ihres Körpers drei gut sichtbare Kiemenblättchen, mit denen sie Sauerstoff aus dem Wasser aufnehmen und schwimmen können.

Entwicklung unter Wasser

Die Entwicklung der Libellen beginnt in einem winzigen Ei, das zuvor von weiblichen Tieren im Flug abgeworfen oder sitzend in Moospolster oder in Wasserpflanzen eingestochen wurde. Nach dem Schlüpfen aus dem Ei entwickelt sich die Larve während drei bis zehn Monaten im Wasser, bei einzelnen Arten dauert es bis zu fünf Jahre. Während ihrer Entwicklung im Wasser häuten sich die Larven zwölfmal oder mehr bis sie schlüpfreif sind. Die Libellenlarven erbeuten andere Kleintiere wie Wasserinsektenlarven, Flohkrebse und sogar kleine Fische. Mit einer speziellen Fangmaske packen sie ihre Opfer blitzschnell und zerkleinern sie vor der Aufnahme mit den übrigen Mundwerkzeugen. Von den abgelegten Eiern entwickeln sich rund ein bis zwei Prozent zu ausgewachsenen Libellen.

Verwandlung

Am Ende ihrer Entwicklung klettern die ausgewachsenen Larven bei günstigen klimatischen Bedingungen an einem Pflanzenstängel oder an einem Stein aus dem Wasser. Zum Teil entfernen sie sich einige Meter vom Gewässer und klettern an Sträuchern hoch. Die Larvenhaut springt am Nacken auf und ein noch farbloses Wesen schält sich aus der Hülle bis zuletzt das Hinterleibs-Ende herausgezogen wird. Dieser Vorgang unterscheidet sich von Art zu Art etwas und kann zwischen 45 Minuten und mehreren Stunden dauern. Nachdem der ganze Körper die Hülle oder Exuvie verlassen hat, werden die Flügel mit Körperflüssigkeit voll gepumpt; der Körper nimmt nach und nach die typische Färbung an. Nach kurzer Zeit ist die Libelle mit ihren glänzenden Flügeln bereit zum Jungfernflug.

Leben als Flugakrobaten

Bereits in der Reifungszeit zwischen dem Schlüpfen und dem Beginn der Fortpflanzung erweisen sich die Libellen als ausgezeichnete Flieger. Geschickt und pfeilschnell erbeuten sie weitab von Gewässern andere Fluginsekten. Dabei dienen ihnen die Beine als Fangkorb. Die grossen Komplexaugen verfügen über eine hohe Auflösung und ermöglichen ein räumliches Sehen. Grösse, Anordnung und Steuerung ihrer Flügel erlauben spektakuläre Flugmanöver. Jeder der vier Flügel wird von einem eigenen Muskelpaar bewegt, was einzigartig bei den Insekten ist. Der Abwärtsschlag erzeugt den Auftrieb. Der Aufwärtsschlag ermöglicht die horizontale Bewegung des Insektes. Sie können sogar am Ort schweben und rückwärts fliegen. Libellen können sich bei einer Aussentemperatur von weniger als 12-13°C nur schwerfällig bewegen. Um dennoch fliegen zu können, wärmen die Grosslibellen ihre Muskulatur durch ein Flügelzittern auf 30°C auf.Im Flug werden pro Sekunde 30 bis 60 Flügelbewegungen ausgeführt. Grosslibellen erreichen Geschwindigkeiten von bis zu 30 km/h. Die Flugleistungen von einigen Libellen aus dem Mittelmeerraum sind erstaunlich. Es kommt immer wieder vor, dass diese Arten die Alpen überqueren und Gewässer der Alpennordseite besiedeln.

Lebensraum

Libellen besiedeln ganz unterschiedliche Gewässertypen: vom kleinen Quellbach über Flüsse bis hin zu Seen, Weihern und kleinen temporären Gewässern. Einige sind wenig anspruchsvoll und bewohnen ganz unterschiedliche Gewässertypen. Andere sind ausgesprochene Habitatspezialisten. Ausgewachsene Libellen nutzen oft Pflanzen oder Steine als Ruheort. Sitzend halten sie ihre Flügel in die Sonne, um Wärme zu tanken. Libellen sind typische Schönwetterflieger. Bei kalter oder nasser Witterung sitzen sie unter Blättern oder versteckt in Ritzen und warten auf wärmere Tage. Während ihrer Flugphase trifft man jagende Libellen oft an Waldrändern und auf Wiesen.

Spezielle Fortpflanzung

Zur Paarung und Eiablage kehren sie an das Gewässer zurück. Die Männchen vieler Arten sitzen am Gewässer auf ihrer Warte oder patrouillieren über die Wasseroberfläche und halten Ausschau nach Weibchen. Libellen paaren sich mehrmals und mit unterschiedlichen Geschlechtspartnern. Um zu erreichen, dass ihr eigenes Erbgut weitergegeben wird, entfernen die Männchen das Sperma des Vorgängermännchens aus der Samenblase des Weibchens. Während mehreren Tagen kann ein Weibchen bis zu 5000 Eier ablegen. Libellen können mit Hilfe verschiedener Sensoren die Temperatur oder Luftfeuchtigkeit wahrnehmen und die Eignung eines Gewässers anhand der vorhandenen Strukturen und der Lichtreflexionen an der Wasseroberfläche visuell erkennen. Dies ist wichtig für eine gezielte Eiablage. Diese erfolgt bei einigen Arten mit Hilfe eines Legestachels in das Pflanzengewebe, in Moospolster oder in vermoderndes Holz, bei anderen Gruppen im Wippflug über der Wasseroberfläche.

Erfolgreiche Aufwertungen

Viele Libellenarten sind in der Region Basel sehr selten geworden. Dies liegt daran, dass viele Gewässer verschwunden sind. Tümpel und Feuchtgebiete wurden aufgefüllt und entwässert, um Acker- oder Bauland zu gewinnen, Flüsse wurden begradigt und kleine Bäche eingedolt. Der Verlust dieser Lebensräume wiegt schwer. In letzter Zeit wurden Anstrengungen unternommen, um neue Gewässer zu erstellen oder bestehende Gewässer wieder naturnah zu gestalten. Dies ist nicht nur aus Sicht der Amphibien sehr erfreulich, sondern auch aus derjenigen der Libellen. Auch Gartenteiche und Bächlein werden von einigen anspruchslosen Arten gerne als Lebensraum angenommen. Spezielle Libellenlebensräume wie zeitweise trocken fallende Tümpel kommen jedoch immer noch spärlich vor. Libellen, die sich auf diese Lebensräume spezialisiert haben, bleiben deshalb weiterhin stark bedroht.
DK / DS

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Weiterführende Links

Literatur

  • Bellmann Heiko: Der Kosmos Libellenführer. Kosmos-Verlag Stutgart 2010.
  • Küry Daniel: Faszination Libellen. Verlag Naturhistorisches Museum Basel, 1999.
  • Küry Daniel, Christ Jürg: Libellenfauna und Libellenschutz im Kanton Basel-Stadt (Schweiz). Mitteilungen der Naturforschenden Gesellschaften beider Basel 12, 2010, S. 105-118.
  • Küry Daniel: Libellen – faszinierende Flugkünstler der Basler Gewässer. Pro Natura – lokal, 3/11 Basel, 2011, 20 S.
  • Wildermuth Hansruedi, Martens Andreas: Taschenlexikon der Libellen Europas. Alle Arten von den Azoren bis zum Ural im Porträt, Wiebelsheim 2014.
  • Wildermuth Hansruedi, Gonseth Yves, Maibach Alain: Odonata. Die Libellen der Schweiz. Fauna Helvetica Band 11, Neuchâtel 2005.
  • Wildermuth Hansruedi, Küry Daniel: Libellen schützen, Libellen fördern. Leitfaden für die Naturschutzpraxis, Beiträge zum Naturschutz in der Schweiz, Band 31, 2009.