Mäuse

Mit dem Überbegriff «Mäuse» werden im Volksmund unterschiedliche Tiergruppen bezeichnet, die sich in ihrer Erscheinungs- und Lebensweise gleichen. Diese verschiedenen Mäuse bilden keine einheitliche zoologische Gruppe und sind zum Teil nur sehr entfernt miteinander verwandt. Die in der Region verbreiteten Arten gehören zu den vier Gruppen Langschwanzmäuse, Wühlmäuse, Schläfer und Spitzmäuse. Unter dem Überbegriff gibt es sowohl typische Schädlinge als auch lokal gefährdete Arten.




Langschwanzmäuse

Für die meisten Menschen gelten die Haus- oder die Waldmaus als Inbegriff der «typischen» Maus. Beide Arten gehören zur Familie der Langschwanzmäuse. In der Region Basel kommen zudem die Gelbhalsmaus und die Zwergmaus vor. Auch Haus- und Wanderratte sind zoologisch gesehen Langschwanzmäuse.
Als Nagetiere besitzen die Langschwanzmäuse paarige Schneidezähne, die während des gesamten Lebens nachwachsen. Sie nehmen vorwiegend pflanzliche Nahrung zu sich, doch gibt es auch Allesfresser wie zum Beispiel die Wanderratte. Die Hausmaus pflegt engen Kontakt mit den Menschen. Ihre Vorfahren stammen ursprünglich aus Asien; sie sind von dort mit dem Menschen nach Westen ausgewandert. Die Hausmaus hat sich überall wohl gefühlt, wo Ackerbau betrieben und Vorräte angelegt wurden. In unseren Siedlungen ist sie weitverbreitet und nistet sich oft in älteren Gebäuden oder Schuppen ein. Hausmäuse fressen mit Vorliebe Getreide, aber auch Insekten können einen grösseren Teil des Speiseplans ausmachen. Die Tiere finden sich zu Fortpflanzungsgemeinschaften zusammen und verteidigen gemeinsam ihr Territorium. Die Grösse dieser Gruppen variiert stark mit dem vorhandenen Nahrungsangebot. Hausmäuse in menschlicher Umgebung sind meist nachtaktiv und haben eine durchschnittliche Lebenserwartung von nur drei Monaten.

Zwergmaus

Eines der kleinsten Nagetiere überhaupt ist die Zwergmaus. Sie ist mit ihren durchschnittlich etwa sechs Gramm Körpergewicht wahrlich ein Winzling. Aufgrund ihrer Grösse hat sie einen sehr hohen Energieumsatz und muss daher pro Tag nahezu ihr eigenes Körpergewicht in Form von Samen und tierischer Kost aufnehmen. Durch einen grossen Flüssigkeitsbedarf ist sie ans Wasser gebunden und daher ein typischer Bewohner der Auenlandschaft. Greifhände sowie ein greiffähiger Schwanz ermöglichen ihr das Klettern in ihrem natürlichen Lebensraum, dem «Grashalmwald» aus Schilf, Seggen und Ruderalpflanzen.
Die Art ist in der Schweiz selten und gilt als gefährdet. In einer neueren Studie konnte ein Bestand der Zwergmaus in der Petite Camargue Alsacienne nachgewiesen werden. Dabei wurde auch das Raumverhalten der Tiere untersucht. Die Resultate zeigen, dass Seggen- und Schilfrandbestände wichtige Lebensraumnischen bilden. Da die Zwergmaus keinen Winterschlaf hält, ist sie zudem auch im Winter auf genügend Nährräume angewiesen. Solche bieten sich ihr vor allem in ungemähten Pflanzenbeständen, wo sie Samen und überwinternde Insekten findet.

Wühlmäuse

Die zu den Nagetieren gehörende Gruppe der Wühlmäuse besteht in der Region Basel aus der Ostschermaus, der Rötelmaus, der Kleinwühlmaus, der Feldmaus und der Erdmaus. Unter ihnen ist die Ostschermaus – auch einfach Wühl- oder Schermaus genannt – als bedeutender Landwirtschaftsschädling bekannt. Sie lebt mehrheitlich unterirdisch und frisst Wurzeln und oberirdische Pflanzenteile. Kommt sie in grosser Zahl vor, kann sie Obstbäume, Gemüsekulturen und Wiesen merklich schädigen. Die Erdhügel, welche die Mäuse vor ihren Gängen aufwerfen, können die Messer von Mähmaschinen beschädigen und die Heuernte verunreinigen. Zu viel Erde im Heu verdirbt dem Vieh den Geschmack und kann sogar die Milchqualität beeinträchtigen.
In manchen Jahren steigen die Mäusepopulationen stark an, wie beispielsweise im Jahr 2011, das wegen trockener Witterung im Baselbiet sehr mausreich war. Die Bauern müssen in solchen Jahren die Bestände mit hohem Aufwand unter Kontrolle halten. Dazu hat man früher vor allem Fallen aufgestellt. Zur Eindämmung von Mäuseplagen wurden seit Anfang des 20. Jh. vielerorts sogenannte «Schwanzprämien» für getötete Mäuse eingeführt. Hobbymäusefänger und Kinder konnten sich mit der Mäusejagd ein Sackgeld verdienen. Noch bis zum heutigen Tag bezahlen einige Gemeinden eine Prämie von einem Franken pro Mäuseschwanz. Die Gemeinde Langenbruck hat die Schwanzprämie vor wenigen Jahren sogar wieder eingeführt. In der modernen Landwirtschaft wird, neben mechanischen Fallen, Gift eingesetzt. Auch das Vergasen der Tunnelsysteme der Mäuse ist eine gängige Methode. Allerdings ist der Einsatz von Gift und Gas nicht unproblematisch, da die Schadstoffe teils schlecht abgebaut werden und Nützlinge ebenfalls geschädigt werden. Auch in der Forstwirtschaft können Wühlmäuse durch Wurzelfrass bedeutende Schäden verursachen. Eine ökologisch angepasste und effektive Massnahme ist die Förderung der natürlichen Feinde der Schermäuse wie zum Beispiel Hermelin, Mauswiesel und Greifvögel.

Schläfer

Die Haselmaus, die auf den ersten Blick an verschiedene Langschwanzmäuse erinnern mag, gehört zur Familie der Schläfer. Einzig die rotbraune bis orange Farbe des Fells und der buschige Schwanz sind nicht sehr «maustypisch». Sie ist ein Nagetier und mit den einheimischen Garten- und Siebenschläfern verwandt. Ihre langen und geschickt greifenden Zehen machen sie zu einer hervorragenden Kletterin. Sie hält sich vor allem in Büschen und Bäumen auf, wo sie Knospen, Blätter, Früchte, Insekten und Weichtiere frisst. Die Tiere bauen mehrere Nester im Astwerk, die sich auf einer Höhe von 30 bis 200 Zentimeter über dem Boden befinden. In diesen verbringen sie die Tageszeit schlafend und werden meist erst nach Sonnenuntergang aktiv. Im Gegensatz zu allen anderen hier beschriebenen Mäusen macht die Haselmaus einen Winterschlaf; das Nest befindet sich dabei auf dem Boden. Die Haselmaus ist in der Region noch weit verbreitet.

Spitzmäuse

Die Spitzmäuse gleichen zwar äusserlich den Langschwanz- und den Wühlmäusen, sind aber nur entfernt mit diesen verwandt. Spitzmäuse sind keine Nagetiere, denn sie besitzen im Gegensatz zu diesen ein mit spitzen Zähnen ausgestattetes Gebiss. Sie werden in die Ordnung der Insektenfresser gestellt und sind deshalb mit dem Igel näher verwandt als mit der Hausmaus. Spitzmäuse sind an eine räuberische, bodenbewohnende Lebensweise angepasst und ernähren sich hauptsächlich von Wirbellosen (zum Beispiel Würmer, Insekten und Schnecken). In der Region kommen acht Arten vor, wovon die Zwergspitzmaus, die Schabrackenspitzmaus und die Hausspitzmaus relativ häufig sind. Die Wasser- und die Sumpfspitzmaus sind an eine gewässernahe Lebensweise angepasst und erbeuten einen grossen Teil ihrer Nahrung im Wasser. Spitzmäuse spielen keine Rolle als Schädlinge.
DK / JS

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Weiterführende Links

Literatur

  • Braun Monika und Dieterlen Fritz: Die Säugetiere Baden-Württembergs, Band 2. Eugen Ulmer Verlag, Stuttgart 2005.
  • Durrer Heinz et al.: Die Zwergmaus (Micromys minutus) in der Petite Camargue Alsacienne (Saint-Louis, Haut-Rhin, Frankreich): Inventar und Raumverhalten – mit Kleinsäugeraufnahme. Mitteilungen der Naturforschenden Gesellschaften beider Basel, Band 9, Liestal 2006, S. 123-131.
  • Säugetiere der Schweiz. Denkschriften der Schweizerischen Akademie der Naturwissenschaften, Band 103. Birkhäuser Verlag, 1995.