Storch – Graureiher

Der Storch ist mit vielen Sagen und Symbolen verbunden. So soll er vor Feuer schützen, für Glück und Frieden sorgen und die Kinder ins Haus bringen. Der Graureiher hingegen wurde lange Zeit erbittert bekämpft, da er sich unter anderem von Fischen ernährt. Die Populationen beider Vogelarten gingen im letzten Jahrhundert aufgrund des menschlichen Einflusses stark zurück und mussten gefördert und geschützt werden. Heute brüten die beiden wieder in verschiedenen Kolonien in der Region Basel.




Meister Adebar mag es gerne feucht

Für die Menschen war der Storch (Ciconia ciconia) schon immer ein spezielles Tier. Sein Eintreffen im Frühling machte ihn vielerorts zum Frühlingsboten. Der Aberglaube, dass der Storch die Kinder bringt oder durch seinen Überflug zeigt, welche Frauen schwanger sind, war weit verbreitet. Die Faszination, die von diesem Vogel ausgeht, liegt vermutlich in seiner grossen Gestalt, seiner auffälligen schwarz-weiss-roten Färbung und seinem Verhalten begründet. Da seine Stimme nur schwach ausgebildet ist, verständigen sich Störche über lautstarkes Klappern mit dem Schnabel. Beim Balzen klappern die Weissstörche oft mit nach hinten gebogenem Hals auf ihrem Horst.
Störche haben sich gut an den Siedlungsraum angepasst. Oft wählen sie als Brutort Hausdächer, Kamine oder Türme. Natürlicherweise brüten sie aber auf Bäumen und Felsvorsprüngen. Obwohl ein Brutpaar nur während dem Brüten zusammenbleibt, finden oft die gleichen Paare im nächsten Jahr am gleichen Horst wieder zueinander. Da sie jedes Jahr an ihrem Horst weiterbauen, entstehen riesige Horste von bis zu zwei Metern Durchmesser und zwei Tonnen Gewicht. Weissstörche wechseln sich beim Brüten ab. Sie legen drei bis sechs Eier, die sie über einen Monat bebrüten. Meistens können sie pro Jahr ein bis zwei Junge aufziehen. Die grösste Gefahr sind dabei Schlechtwetterperioden im Sommer und fehlende Nahrung, die die jungen Störche krankheitsanfällig machen. Nach etwa zwei Monaten sind die jungen Störche flugfähig. Ein Storch wird gut einen Meter lang und 3 bis 3,5 Kilogramm schwer. Er hat einen besonders langen Schnabel und fängt damit Insekten, Regenwürmer, Mäuse und Frösche. Dazu sind extensiv bewirtschaftete Wiesen und Weiden sowie Feuchtgebiete unabdingbar.

Faszinierendes Zugverhalten

Störche sind Zugvögel. Ihr Zugverhalten hat die Menschen schon immer fasziniert. Die ersten Hinweise finden sich im Alten Testament der Bibel. Störche brüten in Spanien und vor allem in Mittel- und Osteuropa. In Frankreich trifft man sie meistens nur auf dem Durchzug an. Die Schweiz liegt am Rand ihres Brutgebiets.
Störche sind gross und schwer. Zum Fliegen sind sie darum auf die Thermik angewiesen. Diese Aufwinde entstehen, wenn die Sonne das Land erwärmt und die warme Luft aufsteigt. Störche vermeiden es darum, über grosse Wasserflächen zu fliegen, da dort keine solchen thermischen Aufwinde entstehen; dank geschickter Wahl der Route können sie lange Strecken ohne Flügelschlag segeln. Bei ihrem Zug im Herbst aus dem nördlichen Brutgebiet fliegen sie folglich über die Meerengen am Bosporus oder bei Gibraltar. So können sie das Mittelmeer umfliegen.
Die Störche aus der Schweiz fliegen über Gibraltar und überwintern südlich der Sahara von Senegal bis Tschad. Die meisten Störche aus Mittel- und Osteuropa fliegen jedoch über den Bosporus, Israel, die Sinai Halbinsel bis in den Sudan oder weiter bis nach Ost- und Südafrika. Im Frühling kehren sie wieder zurück. Störche aus der Schweiz fliegen oft nur bis Nordafrika oder Südspanien. Einige überwintern auch bei uns. Dies liegt einerseits an den milden Wintern und andererseits daran, dass sie von Menschen aufgezogen und gefüttert werden. Gerade in der Nähe von Zoos und Mülldeponien (zum Beispiel in Spanien) profitieren die Störche von einem reichhaltigen Nahrungsangebot. Durch die Intensivierung der Landwirtschaft und die Entwässerung von Feuchtwiesen haben die Störche immer mehr Mühe, genügend Nahrung für ihre Jungen zu finden.

Ausgestorben und wieder angesiedelt

Mitte des 20. Jh. war der Storch in der ganzen Schweiz ausgestorben. In Basel-Stadt brütete der letzte Storch 1907, in Baselland 1948. Auch im Elsass und in Baden-Württemberg nahmen die Storchenpopulationen in diesen Jahren drastisch ab. Die Art starb jedoch nicht aus. Die Hauptgründe für den starken Rückgang der Storchenpopulationen waren das Trockenlegen von Feuchtgebieten, die Intensivierung der Landwirtschaft und die Renovation von alten Gebäuden. Dadurch verloren die Störche ihre wichtigen Nahrungsquellen und langjährigen Brutplätze. Auch Kollisionen mit Stromleitungen waren eine häufige Todesursache. Zudem führten Dürreperioden im westlichen Sahel und Insektizide gegen Wanderheuschrecken zu grossen Verlusten während des Winters.
Max Bloesch führte in einem Wiederansiedlungsprojekt Störche aus dem Elsass und aus Algerien in die Schweiz ein und gründete die erste Storchenkolonie in Alttreu im Kanton Solothurn. Im Rahmen der Wiedereinbürgerung des Storches in der Schweiz wurden auch in Basel Störche angesiedelt. Im aargauischen Möhlin gab es 1971 den ersten Nachwuchs von wiederangesiedelten Weissstörchen nördlich des Juras. 1977 brütete erstmals ein frei lebendes Paar im Tierpark Lange Erlen, und seit 1982 gibt es regelmässig Freigeburten im Basler Zoo. In den Storchenstationen in Möhlin, Allschwil und Oberwil wurden die Vögel über lange Zeit herangezüchtet und gefüttert, heute dienen sie der Pflege und Beringung von Störchen.

Immer noch Schutz und Hilfe nötig

Im Jahr 2010 gab es in der Schweiz wieder 269 Brutpaare. Dies sind deutlich mehr als die 140 Brutpaare zu Beginn des 20. Jh. Trotzdem gilt der Bestand als verletzlich und muss dementsprechend geschützt werden. Das Ziel des Bundesamts für Umwelt (BAFU) ist die Etablierung von 300 Brutpaaren. Höchste Priorität hat dabei das Schaffen von geeigneten Nahrungshabitaten wie Feuchtwiesen, extensiv genutzte Wiesen und Weiden. Um die Gefahr von Kollisionen mit Hochspannungsleitungen zu minimieren, sollten diese in den Brutgebieten unterirdisch gelegt oder zumindest gesichert oder gut sichtbar gemacht werden.

Graureiher als Fischfresser fast ausgerottet

Den Graureiher (Area cinerea) sieht man oft regungslos im Wasser oder auf den Feldern stehen und auf Beute lauern. Er ernährt sich vorwiegend von 10 bis 25 Zentimeter langen Fischen, frisst aber auch Frösche, Mäuse, grosse Insekten und Würmer. Täglich frisst ein ausgewachsener Graureiher 330 bis 500 Gramm Futter. Wegen seiner Vorliebe für Fische wurde er lange Zeit erbittert vom Menschen verfolgt und zu Beginn des 20. Jh. fast ausgerottet. Auch die Gewässerverschmutzung hatte einen erheblichen negativen Einfluss auf die Graureiherpopulationen.
Seit 1962 steht die Art in der Schweiz unter Schutz; seine Populationen konnten sich dadurch erholen. Die grösste natürliche Gefahr sind sehr kalte Winter. Diese führen zu einer markanten Dezimierung der Graureiherbestände. In den letzten Jahren hat sich der äusserst anpassungsfähige Graureiher immer mehr zu einem Kulturfolger entwickelt. Er nistet heute in grossen Kolonien auf Baumkronen, sogar im Basler Zoo und vereinzelt auch in den Langen Erlen.
DK

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Weiterführende Links

Literatur

  • Blattner Martin und Kestenholz Matthias: Die Brutvögel beider Basel, Mitteilungen der Naturforschenden Gesellschaften beider Basel, Liestal 1999.
  • Ineichen Stefan und Ruckstuhl Max (Hrsg.): Stadtfauna – 600 Tierarten der Stadt Zürich, Haupt Verlag, Bern 2010.
  • Küry Daniel, Ritter Markus, Imhof Paul: Tierwelt der Region Basel, Friedrich Reinhardt Verlag, Basel 2011.