Waldkauz – Steinkauz – Schleiereule

Eulen sind für den Menschen seit jeher symbolträchtige Vögel. Je nach Kulturkreis werden sie als Boten des Glücks oder des Unheils angesehen. Die Faszination seitens des Menschen für die Nachtgreifvögel scheint ungebrochen zu sein, sei dies wegen ihrer versteckten Lebensweise, ihrer weit geöffneten Augen mit dem starren Blick oder ihrer unheimlich klingenden Rufe in der Dunkelheit. Die Populationen vieler Eulenarten sind in Mitteleuropa gefährdet, und obwohl schon viele Massnahmen zum Schutz der Eulen mit viel Engagement ergriffen worden sind, ist die Situation für lokale Eulenbestände vielerorts prekär.




Geschickte nächtliche Jäger

Unter dem Begriff Eulen werden verschiedene Eulen- und Kauzarten zusammengefasst. Sie sind Höhlenbrüter, die neben Baumhöhlen auch in Mauerlöchern, Felshöhlen sowie Dachböden brüten. Sie erjagen und verzehren bevorzugt Mäuse, können aber ihre Ernährung bei Mäusemangel auf Kleinvögel, Insekten oder Amphibien umstellen. Eulen bewohnen ein Revier, das sie im Idealfall ein Leben lang beibehalten. Partnertreue wird zumeist gross geschrieben. In vielen Fällen halten Eulenpaare ihr Leben lang zusammen. Gemeinsam verteidigen die Paare auch ihr Revier. Durch körperliche Angriffe oder durch einen speziellen Gesang werden Rivalen eingeschüchtert und verjagt. Dieser allseits bekannte «Huhu»-Gesang gehört zur Standardgeräuschkulisse in unheimlichen Nachtszenen in Hörspielen und Filmen. Bezüglich der elterlichen Pflichten sind die Rollen klar verteilt: Das Männchen kümmert sich um die Futterbeschaffung, während das Weibchen für die Bebrütung zuständig ist.

Der Waldkauz

Der Waldkauz (Strix aluco) ist eine mittelgrosse Eulenart und von Europa bis nach Westsibirien sowie im Mittleren Osten und in Südostasien verbreitet. In Mitteleuropa ist er, gemeinsam mit der Waldohreule, die häufigste Eulenart. Er fehlt lediglich in baumarmen Gebieten. In der Schweiz gibt es etwa 5000–6000 Paare. Waldkäuze sind in der Regel etwas grösser und auch kräftiger als ihre Verwandten. Im Durchschnitt sind sie 39–42 Zentimeter gross und haben eine Spannweite von 94–104 Zentimeter. Das Männchen ist jeweils etwas kleiner und schmächtiger als das Weibchen. Es wiegt durchschnittlich 440 Gramm, das Weibchen 560. Der Waldkauz zeichnet sich äusserlich durch einen grossen runden Kopf, dunkle Augen, einen ausgeprägten Gesichtsschleier und das Fehlen von Federohren aus. Er besitzt helle Scheitelseitenstreifen und einen gelblich gefärbten Schnabel. Bei der Gefiederfärbung lassen sich eine gräuliche und eine rostrote Variante unterscheiden. Der Waldkauz kommt in allen Wäldern Europas vor, sofern sie genügend Schutz bieten, gleichzeitig aber nicht zu dicht sind. Ausserdem ist für das Vorkommen dieser Art genügend Altholz notwendig.

Der Steinkauz

Der Steinkauz (Athene noctua)

 ist deutlich kleiner als die mit ihm verwandten Waldkäuze und Schleiereulen. Er ist mit einer durchschnittlichen Körpergrösse von 22 Zentimeter und einer Flügelspannweite von rund 55 Zentimeter recht klein. Anders als bei vielen anderen Eulenarten sind Weibchen und Männchen gleich gross. Kennzeichnend für den Steinkauz sind die gedrungene Gestalt, der flache Oberkopf, der kurze Schwanz, die grossen gelben Augen und das weisse Gefieder über den Augen, das wie Augenbrauen wirkt. Das Brust- und Rückengefieder ist gelblich weiss und mit braunen und grauen Längstupfen übersät. Die Beine sind dagegen weiss befiedert. Anders als die meisten Eulenarten ist der Steinkauz zeitweise auch am Tag rege. Abendliches Sonnenbaden gehört zu seinen Vorlieben. Vielfältiges strukturreiches Wiesland mit einem ausreichenden Angebot an natürlichen Bruthöhlen in Bäumen sind sein idealer Lebensraum. In der Schweiz sind die Bestände des Steinkauzes rund 100 Mal kleiner als diejenigen des Waldkauzes. So brüten schweizweit schätzungsweise 60–70 Steinkauzpaare gegenüber 5000–6000 Waldkauzpaaren. Der Steinkauz gilt in weiten Teilen Mitteleuropas als gefährdet.

Die Schleiereule

Die Schleiereule (Tyto alba) lässt sich durch ihr sehr helles Brustgefieder einfach von anderen Eulenarten unterscheiden. Kennzeichnend sind die dunklen Augen und der herzförmige Gesichtsschleier. Das Rückengefieder ist gräulich mit goldbraunen Flecken und ist gespickt mit weissen Punkten. Schleiereulen besitzen längere Beine als die übrigen Eulenarten. Sie gehören in der Eulensystematik zu einer eigenen Familie und kommen abgesehen von Antarktika auf allen Kontinenten vor. Die Schleiereulenpopulationen reagieren sehr empfindlich auf lange Zeit geschlossene Schneedecken und die dadurch verminderte Verfügbarkeit von Wühlmäusen. So können strenge Winter die Bestände stark dezimieren. Zudem nehmen die Populationen in Mitteleuropa seit 1950 allgemein stark ab.

Starker Rückgang der europäischen Eulenbestände

Die Bestände der Waldkäuze, der Steinkäuze und der Schleiereulen sind, wie diejenigen der übrigen Eulenarten, seit der Mitte des 20. Jh. in Europa rückläufig. Im Vergleich besitzt der Waldkauz noch die grössten Bestände. Die Vorkommen der Schleiereule sind bereits deutlich kleiner, und der Steinkauz ist vielerorts verschwunden oder kritisch bedroht. Der Rückgang der Eulenpopulationen ist in Mitteleuropa bei allen Arten festzustellen. Für den Rückgang sind verschiedene Ursachen verantwortlich, darunter die Intensivierung der Landwirtschaft (im Wiesland und in den Obstkulturen) und der Verlust geeigneter Brutplätze wegen Umbauten von Scheunen und anderen Gebäuden. Für den Steinkauz etwa ist neben artenreichen Magerwiesen ein breites Angebot an Bruthöhlen in alten Obstbäumen sehr wichtig. Aber auch für die Schleiereule und den Waldkauz sind strukturreiche Landschaften sehr wichtig.

Schutzmassnahmen

Eulen benötigen als Brutareal generell reich strukturierte Landschaften, in denen Wälder und Baumgruppen mit offenen Flächen abwechseln. Mit verschiedenen Massnahmen kann die Situation der Eulenbestände verbessert werden: Schaffen eines ausreichenden Angebots an geeigneten Bruthöhlen und Förderung extensiv genutzter, artenreicher Landschaften. Langfristig müssen vermehrt natürliche Bruthöhlen in Form von Kopfbäumen entlang von Gewässern und in Streuobstwiesen geschaffen werden. Die Eulen sind grosse Sympathieträger. Mit Öffentlichkeitsarbeit können deshalb Landwirte, Eigentümer von Gebäuden und die breite Bevölkerung leicht für ihren Schutz gewonnen werden.
DK

Verwandte Themen

Weiterführende Links

Literatur

  • Aebischer Adrian: Eulen und Käuze – Auf den Spuren der nächtlichen Jäger. Bern: Haupt Verlag, Bern 2008.