Elektrizität

Energie, vor allem elektrischer Strom, ist für unsere Gesellschaft von existenzieller Bedeutung. Mit der Herstellung von elektrischen Geräten ab 1867 und 24 Jahre später dem Verfahren, Starkstrom über grössere Distanzen zu transportieren, begann die Elektrifizierung der Region Basel. Spinnenartig überziehen die Freileitungen unsere Landschaft und beeinträchtigen zum Teil das Landschaftsbild massiv.




Anfang des 20. Jh. hielt der elektrische Strom so richtig Einzug

In Basel begann 1881 die erste Stromerzeugung mit Hilfe von Gas- und Petroleummotoren. Diese dienten als Antrieb der Generatoren. Im Baselbiet wurde die Elektrizität zum ersten Mal beim Kantonalgesangsfest vom Mai 1882 in Gelterkinden sowie für die elektrische Strassenbeleuchtung in Liestal angewandt. 1891 wurde die elektrisch betriebene Sissach-Gelterkinden-Bahn und 1895 die erste elektrische Tramlinie Centralbahnplatz-Badischer Bahnhof eröffnet. Der Strom wurde für das Tram in einem eigenen Kraftwerk am Dolderweg im Kleinbasel mit einer Dampfmaschine erzeugt. 1900 wurde die elektrische Strassenbeleuchtung in Basel eingeführt.
Im Baselbiet entstanden in rascher Folge in den Posamenterdörfern Elektragenossenschaften: 1900 wurde in Gelterkinden der erste elektrisch betriebene Webstuhl ans Netz angeschlossen. 1904 existierten in Basel-Landschaft bereits 22 Elektragenossenschaften, die 35 Gemeinden bedienten. Ebenfalls 1904 erfolgte in Basel die Umstellung auf Wechselstrom, welcher vom Kraftübertragungswerk Rheinfelden/Baden bezogen wurde. 1905 erfolgte der Anschluss der Birsigtalbahn.
Um die zunehmende Stromversorgung sicherzustellen, beteiligte sich Basel-Stadt an verschiedenen Wasserkraftwerken: 1912 Kraftwerk Augst-Wyhlen, 1927 Kraftwerke Oberhasli, 1932 Kembs, 1950er-Jahre Maggia/Blenio/Lienne/Grande Dixence/Hinterrhein, 1955 Kraftwerk Birsfelden, 1960er-Jahre Massa.
Die Nordostschweizerischen Kraftwerke wollten anfangs 20. Jh. eine Hochspannungsleitung bauen, die von Beznau via Augst, Pratteln, Münchenstein, Allschwil ins Elsass führen sollte. Als diese Pläne 1923 bekannt wurden, taten sich in den betroffenen Gemeinden Landbesitzer zusammen und protestierten. Gründe für den Prostest waren: Angst vor Wertverminderung der Grundstücke, Ertragsminderungen für Landwirte und Aspekte des Heimatschutzes. Trotz diesen Protesten wurde die Leitung gebaut.

Gestaute Flüsse

Seit dem Einzug der Elektrizität und der Möglichkeit, den Starkstrom über grössere Distanzen zu übertragen, begann auch in unserer Region ein Ausbau der Wasserkraftwerke. Neben der Beteiligung der Stromgesellschaften an den Wasserkraftwerken in den Alpen entstanden nach und nach zwischen der Aaremündung bei Koblenz und Kembs sieben Wasserkraftwerke mit ihren Stauwehren. Ausserdem wurde an der Birs eine Anzahl von Kleinkraftwerken gebaut.
Viele dieser Kraftwerke wurden in den letzten Jahren erneuert oder werden noch auf den neuesten technischen Stand gebracht. Diese Flusskraftwerke mit ihren Stauwehren haben die Flussdynamik des Rheins, aber auch teilweise der Birs, zum Stillstand gebracht. Am Rhein unterhalb des Stauwehres von Märkt werden jetzt im Rahmen des «Integrierten Rheinprogramms» durch die Schaffung von Überschwemmungsgebieten wieder wertvolle Landschaftsräume geschaffen.

Verkabelte Landschaft - der Verbrauch der Landschaft taucht in keiner Rechnung auf

Seit Jahrzehnten gibt es immer wieder starke Debatten über die Freileitungen des Hochspannungsnetzes und deren Ausbau. Hochspannungsleitungen bilden grosse Schneisen in der Landschaft und verändern damit das Landschaftsbild stark. Diese landschaftsschützerischen Aspekte, wie auch gesundheitliche Aspekte (Elektrosmog der Leitung) würden eine Verlegung der Leitungen in den Boden bedingen. Die Vertreter der Stromwirtschaft verweisen dabei auf untragbare Mehrkosten. Dabei muss allerdings festgehalten werden, dass die Kosten der Freileitungen nur so tief sind, weil der Verbrauch der Landschaft kostenmässig nicht einbezogen wird.
Heute ist der Bau von neuen elektrischen Übertragungsleitungen als Freileitungen in den Vorranggebieten «Natur und Landschaft» sowie in den Freiräumen «Fliessgewässer» nicht mehr zulässig. Bestehende Übertragungsleitungen müssten durch unterirdische Verkabelungen ersetzt werden, soweit dies finanziell tragbar und technisch möglich sei!

Übertragungsleitung Froloo (Kanton Basel-Landschaft)–Gösgen (Kanton Solothurn)

Eine der wichtigsten Stromleitungen in unserer Region ist die 220-kV-Leitung von Froloo über Ormalingen nach Gösgen. Dort besteht ein wichtiges Unterwerk, das den Strom vom Kernkraftwerk Gösgen-Däniken aufnimmt. Eine weitere 220-kV-Freileitungführt von Froloo über das Unterwerk Lachmatt nach Laufenburg (europäische Stromdrehscheibe).
Auf dem Abschnitt von der Lachmatt in die Froloo überquert die Hochspannungsleitung die Gemeindebanne von Muttenz, Münchenstein, Bottmingen und endet in Froloo (Therwil). Das dort bestehende Unterwerk ist seit 1958 einer der wichtigsten Einspeisepunkte in der Region Basel und versorgt die beiden regionalen Energieunternehmen Elektra Birseck Münchenstein (EBM) und Industrielle Werke Basel (IWB) mit Strom. Dieses Unterwerk wurde im Jahr 2012 erneuert. Ein Ausbau auf 380 kV kam bis heute nicht zustande.

Ausstieg aus Atomenergie – Ökostrom

Der Atomstrom hielt 1969 mit der Inbetriebnahme des Atomkraftwerkes Beznau Einzug in der schweizerischen Energieversorgung. Seither liefern die Atomkraftwerke Beznau I und II, Mühleberg, Gösgen und Leibstadt etwa 40 % des produzierten Stroms. 55 %werden aus Wasserkraft gewonnen, der Rest aus Alternativenergien. Der 2011 beschlossene Ausstieg aus der Atomenergie hat Konsequenzen. So müssen bestehende Wasserkraftwerke ausgebaut werden.
Weiter müssen Alternativenergien wie Windenergie und Sonnenergie gefördert und das Stromnetz ausgebaut werden. Um den drohenden Stromengpass für den Übergang zur atomstromfreien Zeit aufzufangen, diskutiert man den Bau von Gaskraftwerken als mögliche Alternative. Sie sollen relativ billig sein, liessen sich rasch realisieren und könnten ohne grössere Probleme wieder entsorgt werden. In der Schweiz sind zurzeit vier grosse und zwei kleinere Gaskraftwerke geplant. Der Nachteil von Gaskraftwerken: Sie verursachen einen beträchtlichen CO2-Ausstoss, was sich negativ auf das Klima auswirkt.
HPM

Karten

Verwandte Themen

Weiterführende Links

Literatur

  • Blumer-Onofri, Florian: Die Elektrifizierung des dörflichen Alltags, Eine Oral History-Studie zur sozialen Rezeption der Elektrotechnik im Baselbiet zwischen 1900 und 1960, Liestal 1994.
  • Tréfás David und Manasse Christoph: Vernetzt, Versorgt, Verbunden. Die Geschichte der Basler Energie- und Wasserversorgung. Hrsg. IWB Basel, Christoph Merian Verlag, Basel 2006.