Flurnamen

Flurnamen können als Langzeitgedächtnis der Landschaft aufgefasst werden. Sie sind das Ergebnis eines Jahrtausende langen Prozesses von Besiedlung, Nutzung und Gestaltung. Heute verschwinden durch Besiedlung und Umgestaltung der Landschaft zum Beispiel durch Flurbereinigungen immer mehr Flurnamen.




Was sind Orts- und Flurnamen?

Grundsätzlich unterscheidet man die Landschaftsnamen in Orts- und Flurnamen. Die Ortsnamen sind Siedlungsnamen wie Namen von Städten, Dörfern, Weilern und Hofgruppen. Die Flurnamen hingegen sind Namen von topografischen Objekten.
Ein Flurname ist die Bezeichnung eines kleinräumigen Landschaftsteils, eben der Flur. Flurnamen kennzeichnen die kleineren und kleinsten geografischen Einheiten wie Berge und Gipfel, Täler und Wälder, Weiden und Wiesen, Ackerland und Auen, Wege und Gewanne, bis hin zu Fluren und einzelnen Parzellen. Flurnamen sind überlieferte geografische Lokalnamen, die sich im örtlichen Sprachgebrauch entwickelt haben. Sie sind und waren vor allem Gebrauchsnamen. Sie sind in der Regel nur innerhalb einer Stadt oder eines Dorfes bekannt.

Die Bedeutung der Flurnamen

Die Bezeichnungen für Dörfer, Siedlungen, Höfe, Felder, Wälder, Berge, Strassen oder Gewässer sind ursprünglich stets in einem konkreten Zusammenhang entstanden und haben deshalb zunächst immer eine spezifische Bedeutung. Diese wurde aber später, nach Jahrzehnten oder Jahrhunderten, oft nicht mehr verstanden – sei es, weil sich die Form des Namens verändert hat oder weil das zugrundeliegende Wort nicht mehr gebraucht wird.
Die Entschlüsselung solcher Bedeutungen durch die (Flur-)Namenforschung kann wertvolle Hinweise geben auf siedlungsgeschichtliche, wirtschaftliche, politische, gesellschaftliche, juristische, religiöse, geologisch-geografische, klimatische Bedingungen und Verhältnisse der näheren und ferneren Vergangenheit. Orts- und Flurnamen reichen teilweise bis in vorgeschichtliche Zeit zurück. Aber auch für die schriftarme Zeit des Mittelalters und der frühen Neuzeit sind sie ein wichtiger Mosaikstein bei der Rekonstruktion unserer Vergangenheit. Sie sind ein wichtiges Kulturgut, das durch Güterzusammenlegungen sowie durch zunehmende Überbauung von Kulturland, aber auch durch veränderte Berufs- und Lebensgewohnheiten seit der zweiten Hälfte des 20. Jh. dünner geworden ist. Heute drohen sie zu verschwinden, wie es in der Stadt Basel bereits fast vollständig geschehen ist.

Flurnamen als Spiegel der Landschaft

Die Flurnamen beziehen sich auf die Landschaft. Wenn sich diese verändert, bleiben die Namen häufig die einzigen Zeugen, die auf die früheren Verhältnisse hinweisen. Gemessen an der heute oft sehr beschränkten Kenntnis der einheimischen Tier- und Pflanzenwelt überrascht die Menge an Flurnamen, die eine Beziehung zur belebten Natur aufweisen.Gemessen an der tatsächlichen Artenfülle der einheimischen Fauna und Flora erscheint jedoch das Spektrum der Flurnamen sehr dürftig.

Alte Karten sind Quellen für Flurnamen

In der Region Basel sind zum Beispiel die Aufzeichnungen des Basler Geometers Georg Friedrich Meyer, der im Auftrag der Stadt Basel nach eigenen Vermessungen ein umfassendes Kartenwerk der Landschaft Basel erstellte, Quellen für die Flurnamen. Grundlage für die Karten waren seine 1678 bis 1681 angefertigten Entwürfe, die sogenannten Feldskizzen. Meyers enge Zusammenarbeit mit der Bevölkerung und seine präzise Aufnahme brachten es mit sich, dass viele der über 4000 Flurnamen nur dank seinen Skizzen überliefert sind.
HPM

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Weiterführende Links

Literatur

  • Ewald Klaus und Klaus Gregor: Das Langzeitgedächtnis der Landschaft. In: Die ausgewechselte Landschaft, Bern 2009, S. 688-679.
  • Heimatkunde Pratteln: Die Flurnamen - eine Auswahl, Verlag des Kantons Basel-Landschaft, Liestal 2003, S. 25-28. (pdf)
  • Namenbücher der Gemeinden des Kantons Basel-Landschaft, Basellandschaftliche Gebäudeversicherung, Liestal.
  • Ramseier Markus: Sedimente in der Baselbieter Namenslandschaft. In: Landschaften & Menschen im Baselbiet, Baselbieter Heimatbuch 29, Verlag Basel-Landschaft, Liestal 2013, S. 51-56.