Kleinräumige Landschaftselemente

Kleinräumige Landschaftselemente sind beispielsweise Säume, Lesesteinhaufen, Baumreihen oder Ackerrandstreifen, die vom Menschen geschaffenen wurden und zur traditionellen Kulturlandschaft gehören. Sie beherbergen eine Vielfalt an Pflanzen- und Tierarten. Im Zug der Meliorationen und der Modernisierung der Landwirtschaft in den letzten 50 bis 100 Jahren sind sie immer mehr aus unserer Landschaft verschwunden. Heute bemüht man sich, die verbleibenden Kleinlebensräume zu bewahren und auch neue zu schaffen.




Vielfältige, kleinräumige Landschaft

Vor der Mechanisierung der Landwirtschaft hat der Mensch durch seine Aktivitäten die Landschaft nur kleinräumig verändert. Ein Mosaik aus vielen verschiedenen Nutzungsformen mit ihren typischen Elementen förderte bis ins 19. Jh. eine hohe Artenvielfalt auf kleinstem Raum. Die zunehmende Mechanisierung und Motorisierung, das stetige Bevölkerungs- und Siedlungswachstum sowie der ansteigende Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel haben in den letzten 100 Jahren zum Verschwinden der kleinräumigen, traditionellen Kulturlandschaft geführt. Stattdessen entstand über weite Flächen eine gleichförmige und schwach strukturierte Landschaft. An wenigen Orten der Region Basel sind einzelne kleinräumige Elemente der traditionellen Kulturlandschaft erhalten geblieben.

Wildpflanzen im Ackerland

Die Dreifelderwirtschaft mit ihrem Wechsel von Wintergetreide, Sommergetreide und Brache ermöglichte auf den Letzteren die Entwicklung einer vielfältigen Gemeinschaft von Wildpflanzen. Durch Erbteilung wurden die Äcker, auch Zelgen genannt, oft sehr klein. Mit der Aufteilung der Zelgen ging auch eine Zunahme der Randstreifen und Säume einher. Auf Brachen und Säumen gediehen die bekanntesten Arten der Unkrautfluren wie Klatschmohn, Kornrade und Kornblume. Stoppelfelder prägten das Landschaftsbild im Winter und boten dem Feldhasen und Vögeln des Offenlands wie dem Rebhuhn Deckungsmöglichkeiten. Feuchte bis nasse Saumlebensgemeinschaften entstanden in den grabenförmig vertieften Rändern der Wölbacker im Sundgauer Hügelland.

Hecken und Randbiotope

Um Weideflächen abzugrenzen und zu verhindern, dass das Vieh auf die Äcker gelangte, wurden Steinwälle, Gräben oder Lebhäge errichtet. Ferner wurden Steine aus Äckern und Weideland am Rand zu Steinwällen, Mauern oder Lesesteinhaufen – auch «Steimete» genannt – aufgehäuft, um die Bewirtschaftung zu erleichtern. Dadurch entstanden Habitate für Reptilien und viele andere wärme- und trockenheitsliebende Tier- und Pflanzenarten. Auf den Wällen der Weidegassen und Lesesteinhaufen entwickelten sich Dornensträucher, die durch Viehverbiss immer dichter und undurchdringlicher wurden. Damit die Äcker nicht beschatten wurden, begrenzte man die Höhe der Hecken. Dadurch wurde die Artenvielfalt in diesen Strukturen erhöht. An den Rändern von Hecken bildeten sich zudem Säume, die das Gehölz vom Wirtschaftsland trennten.

Reliefstrukturen im Landwirtschaftsgebiet

Kleinräumige Unterschiede im Relief der Landschaft treten in Form von Stufenrainen oder Mulden auf und sind durch spezielle Bewirtschaftungsformen oder Rutschungen entstanden. Die kleinen, oft nur ein oder zwei Meter hohen Stufenraine eignen sich aufgrund ihrer Steilheit nicht zur Bewirtschaftung, weshalb sich dort Saumlebensräume bilden. Mulden bleiben länger nass als das umgebende Wies- oder Weideland. An vielen Stellen der Landschaft traten zudem Sickerquellen aus. Diese flächigen Wasseraustritte und die Mulden trugen eine Feucht- und Nassvegetation mit vielen Binsen- und Seggenarten.

Gehölzreihen und Dorflinden

Strassen und teilweise auch Fliessgewässer wurden von Baum- oder Strauchreihen gesäumt. An Strassen waren es oft Linden, Eschen, Birken, Bergahorne oder, an klimatisch günstigen Orten, Maulbeerbäume, deren Blätter als Futter für die Seidenraupen dienten. Eschen wurden geschneitelt, um die belaubten Äste dem Vieh zu verfüttern. Aus Birken wurden Besen hergestellt. Entlang der Bäche und kleinen Flüsse wurden Weiden oder Zwetschenbäumchen gesetzt. Kopfweiden wurden regelmässig beschnitten, um lange Ruten zum Korben zu gewinnen.Auch markante Einzelbäume – meist Linden – bei Kapellen, Bauernhöfen, auf Dorfplätzen oder an besonderen Landschaftspunkten prägten die Kulturlandschaft. Viele, heute zum Teil seltene Vogelarten, aber auch Fledermäuse und weitere Säugetiere sowie Insekten fanden ideale Lebensbedingungen in dieser halboffenen Landschaft.

Von der Trivialisierung und Verarmung

Mit der Industrialisierung der Landwirtschaft ab der Mitte des 20. Jh. wurden Kleinstrukturen als störend empfunden. Randstrukturen und Säume wurden aufgehoben, Vernässungen mit Hilfe von Drainagen trockengelegt, Gehölze gerodet. Als Folge war eine deutliche Abnahme der Vielfalt von Tieren und Pflanzen zu beobachten, die sich auf diese Lebensräume spezialisiert hatten. Die Trivialisierung der Landschaft hat zur Verarmung der Lebensgemeinschaft geführt.
Dank der neuen Bestimmungen zur Entschädigung von ökologischen Ausgleichsmassnahmen durch Landwirte können Massnahmen zur Förderung und Pflege vieler dieser verschwundenen Kleinstrukturen mit finanziellen Beiträgen unterstützt werden. Buntbrachen oder Ackerrandstreifen, auf denen spezielle Mischungen einheimischer Wildpflanzen eingesät werden, sind die augenfälligsten Beispiele. Auch breite Krautsäume und Kopfweiden sind wieder zu entdecken.
DK / DS

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Weiterführende Links

Literatur

  • Imbeck Paul (Leitung): Natur aktuell — Lagebericht zur Situation der Natur im Kanton Basel-Landschaft 1988, Grundlagen für ein Natur und Landschaftsschutz-Konzept, Verlag des Kantons Basel-Landschaft, Liestal 1989.
  • Stuber Martin, Bürgi Matthias: Hüeterbueb und Heitisträhl — Traditionelle Formen der Waldnutzung in der Schweiz von 1800 bis 2000, Bristol-Schriftenreihe 30, 2. Auflage, Haupt Verlag, Bern 2012.
  • Suter Paul: Beiträge zur Landschaftskunde des Ergolzgebiets, Inaugural-Dissertation, Philosophische Fakultät der Universität Basel, Basel 1926.