Magerrasen

Die früher im Jura weit verbreiteten Magerrasen sind seit den 1940er-Jahren um 90% zurückgegangen. Wegen der geringen Ertragsqualität wurden sie durch Düngung in Fettwiesen umgewandelt oder einfach sich selbst überlassen, was zur Einwaldung führte. Die verbliebenen Magerrasen-Standorte werden vom Bund und den Kantonen geschützt.




Magerrasen – altes Kulturgut

Auch wenn viele dieser Standorte trocken sind, wird der Begriff Magerrasen durch die Nährstoffarmut definiert. Der Begriff Rasen fasst zudem gemähtes und beweidetes Grünland zusammen. Die Mehrheit der Magerrasen ist durch Beweidung entstanden. Diese vernichtete stets die jungen Bäume, und die Bodenbildung wurde regelmässig durch Viehtritt gestört.
Mit dem Übergang zur Stallfütterung ab Mitte des 19. Jh. wurden immer mehr Magerrasen nicht mehr beweidet. Die meisten wurden entweder zu Wäldern aufgeforstet oder – an flacheren, gut bewirtschaftbaren Standorten – mittels Düngung in Fettwiesen oder Ackerland umgewandelt. Besonders dem Zwang zur Ersatzaufforstung sind viele Magerrasen zum Opfer gefallen. An abgelegenen Standorten wurden die Magerrasen sich selber überlassen. Die Aufgabe der Nutzung führt nach einem Brachestadium zur Verbuschung und Einwaldung.

Vorkommen in der Region Basel

Vom Typus der Magerrasen kommen in der Region Basel Mitteleuropäische Trockenrasen (Xerobromion) und Mitteleuropäische Halbtrockenrasen (Mesobromion) vor. Ersterer ist durch lückigen Graswuchs gekennzeichnet und wird vor allem von niederwüchsigen, lichtliebenden Arten besiedelt. Neben verschiedenen Grasarten gedeihen hier auch einige Halbsträucher. Die Entstehung dieser Vegetation wird durch Trockenheit und hohe Trittbelastung begünstigt.
Die Halbtrockenrasen sind hingegen dichter bewachsen und weisen weniger Halbsträucher auf, dafür aber mehr Orchideen. Ihre Entwicklung wird begünstigt durch nährstoffarme Kalkrohböden (Rendzina), weil sich diese schnell erwärmen und sehr wasserdurchlässig sind. Die Halbtrockenrasen sind infolge traditioneller Nutzungsformen entstanden, bei denen die Flächen einmal im Jahr gemäht und in der zweiten Jahreshälfte beweidet wurden. Da die Böden nur geringe Nährstoffmengen speichern können, wurden sie nur in geringem Ausmass oder gar nicht gedüngt. Eine klare Abgrenzung der beiden Lebensraumtypen ist nicht immer einfach.

Verwandte Lebensräume

Eine grosse floristische und faunistische Ähnlichkeit zu den Magerrasen besitzen Ruderalstandorte. In diesen hemmen häufige und unregelmässig auftretende Störungen die Bodenbildung und damit die Entwicklung einer üppigeren Vegetation. Häufig kommen Ruderalflächen entlang von Bahnstrecken vor. Sie machen auf den Betrachter einen kargen, vernachlässigten Eindruck. Diese Flächen bieten aber licht- und trockenheitsliebenden Pflanzen beste Besiedlungsmöglichkeiten.

Hotspots seltener Arten

Magerrasen gelten als wichtiger Lebensraum für seltene Heuschrecken- und Schmetterlingsarten. Unter den Schmetterlingen gehören zum Beispiel die Ameisen-Bläulinge oder der seltene Alexis-Bläuling (Glaucopsyche alexis) zu den wenigen Bewohnern der Magerrasen. Bei den Heuschrecken gehören die Feldgrille (Gryllus campestris)oder die Gottesanbeterin (Mantis religiosa)zu den faunistischen Besonderheiten. Auf die vorkommenden Arten muss bei der Mahd, die zur Erhaltung der Standorte unerlässlich ist, Rücksicht genommen werden. Viele bedrohte Schneckenarten sind typische Bewohner der Boden- und Streuschicht. In der Region Basel gehört beispielsweise die Wulstige Kornschnecke (Granaria frumentum) dazu.

Naturschutzgebiete Chilpen, Reinacherheide, Wildenstein

Zu den wichtigsten und sehenswertesten Magerrasen im Kanton Basel-Landschaft zählen die Naturschutzgebiete Chilpen in Diegten und die Reinacherheide. Die Mergelböden des Chilpen sind in der Region einzigartig. Im Gegensatz zum andernorts durchlässigen Untergrund versickert das Wasser nur äussert langsam. Unter diesen feuchten und gleichzeitig nährstoffarmen Verhältnissen hat sich ein Spargelerbsen-Pfeifengras-Magerrasen entwickelt. Aufgrund dieser besonderen Verhältnisse gedeihen neben typischen Trockenrasenarten auch Pflanzen, die sonst in Flachmooren wachsen.
Die Reinacherheide ist im ehemaligen Flussbett der Birs entstanden und beherbergt sowohl Trocken- als auch Halbtrockenrasen. Botanische Perlen der Reinacher Trockenwiesen sind verschiedene Orchideenarten wie Helm-Orchis (Orchis militaris) und Hummel-Ragwurz (Ophrys holosericea), Rauer Klee (Trifolium scabrum), Feld-Mannstreu (Eryngium campestre), Feinblättriger Lein (Linum tenuifolium) und Gekielter Lauch (Allium carintatum).
DK / MS

Karten

Verwandte Themen

Weiterführende Links

Literatur

  • Delarze Raymond und Gonseth Yves: Lebensräume der Schweiz. Ökologie – Gefährdung – Kennarten, Bern 2008.
  • Kienzle Ulrich: Sukzessionen in brachliegenden Magerwiesen des Jura und des Napfgebietes (Diss. phil. II.), Basel 1979.
  • Lüthi Roland und Altmann-Graf Georg: Diegtertal zwischen Chilpen und Tennikerflue, Exkursionsführer des Kantons Basel-Landschaft, Heft 7, Liestal 2005.
  • Nowak Bernd und Schulz Bettina: Wiesen. Nutzung, Vegetation, Biologie und Naturschutz am Beispiel der Wiesen des Südschwarzwaldes und Hochrheingebietes, Naturschutz-Spectrum Themen 93, Heidelberg – Ubstadt-Weiher – Basel 2002.