Traditionelle Kulturlandschaft

Die Landwirtschaft früherer Jahrhunderte hat eine vielfältige Kulturlandschaft hervorgebracht. Die kleinräumige Gliederung förderte die Artenvielfalt. Viele Landschaftselemente aus jener Zeit sind heute noch erkennbar.




Landwirtschaft verteilt auf drei Zelgen

Seit dem Mittelalter betrieben die Bauern den Ackerbau in Mitteleuropa als sogenannte Dreizelgenwirtschaft. Dabei bepflanzten und bewirtschafteten sie die Felder um das Dorf nach einem streng festgelegten Rotationssystem. Das Ackerland war in drei Zelgen (Flächen) aufgeteilt, deren Nutzung jährlich wechselte. Auf einer ersten Zelge wurde Wintergetreide (Dinkel, Weizen) angebaut, auf einer zweiten Sommergetreide (Hafer, Roggen, Gerste). Die dritte Zelge, die Brachzelge, wurde nicht bebaut, damit sich der Boden erholen konnte. Dieser Wechsel der gemeinschaftlich bebauten Zelgen unterlag einem strengen Flurzwang, bei dem die Feldfrucht von der Dorfgemeinschaft festgelegt wurde.
Um das Vieh von den Kulturen fernzuhalten, wurden die Zelgen eingezäunt. Auch das Dorf mit seinen Obst- und Gemüsegärten war eingezäunt. Dieser Zaun, Etter genannt, war als Flechtzaun ausgestaltet und hatte die Aufgabe, das Federvieh im Dorf zu halten. Die Fläche ausserhalb der Zelgen und des Dorfs waren Allmend. Zudem gab es Sonderflächen wie die Rütenen, sogenannte Rodungsflächen, die entweder Armen zur Nutzung oder reicheren Landsleuten gegen ein Entgelt zur Verfügung gestellt wurden. Deren Böden waren meist ertragsarm. Die Flächen wurden in Krisenjahren zum Anbau von zusätzlichem Getreide oder Gemüse oder als Matte genutzt. Bünten, Bündten oder Pünten waren gartenähnliche, eingezäunte Flächen meist in Dorfnähe, die mit Sonderkulturen wie Gemüse, Rüben, Kartoffeln oder insbesondere mit den Faserpflanzen Flachs und Hanf bepflanzt wurden.

Die traditionellen Landschaftselemente

Viele Landschaftselemente gehen auf die Dreizelgenwirtschaft zurück und sind heute noch sichtbar, obschon die moderne Landwirtschaft das meiste beseitigt hat. Typisch waren Feldraine, die einzelne Felder begrenzten oder sich entlang von Wegen und Strassen dahinzogen. Auf diesen Grenzflächen wuchsen Gräser, Kräuter und kleine Sträucher hoch und sorgten für Vielfalt im Landwirtschaftsgebiet. In geneigtem Gelände fanden sich Stufenraine, die durch Erdverlagerung hangabwärts beim Pflügen oder durch Erosion und Rutschungen entstanden sind. Ackerterrassen wurden damals von Menschenhand angelegt, um das Beackern der Felder zu erleichtern.
Wölbäcker waren lange schmale Äcker, die von der Mitte zu den Rändern kissenartig um bis zu einem Meter abfielen. Sie kamen zustande, indem man den Oberboden mit den alten Pflügen stets einseitig wendete und die Äcker spiralförmig bearbeitete. Dies geschah auch mit Absicht, da durch die so entstandenen unterschiedlichen Bodenfeuchtegrade das Risiko einer Missernte minimiert wurde. In feuchten Jahren gab es immer die trockenen Ränder, in trockenen Jahren hingegen die feuchte Ackermitte.
Übermässig viele Steine behinderten die Bewirtschaftung von Ackerflächen. Die Landbevölkerung las die Steine heraus und schichtete sie zu Haufen oder Reihen auf. Diese Lesesteinhaufen als kleine und künstliche Gesteinsformationen bieten beispielsweise den wärmeliebenden Reptilien Stellen zum Sonnen und einen Unterschlupf. Besonders in Lössgebieten gruben sich Fuhrwerke und die Hufe der Zugtiere allmählich zu tiefen Hohlwegen ein. Sie lockerten täglich das Erdmaterial, das anschliessend vom Regen weggespült wurde. Die Wege konnten sich so in zehn Jahren bis zu einem Meter eintiefen. Ihre steilen Ränder boten einer Ruderalflora, aber auch Magerrasen und Gehölzen einen Lebensraum und säumten so die Reisewege. Dieses kleinräumige Mosaik der traditionellen Kulturlandschaft, die seit dem Mittelalter vom Menschen geschaffen wurde, erzeugte also eine hohe Artenvielfalt, für deren Fortbestand heute mit Naturschutzmassnahmen gerungen werden muss.

Eine einschlägige Bewegung

Im 18. Jh. kam es in der Basler Landschaft zur Einschlagsbewegung. Entscheidend war die Aufhebung des Flurzwangs, so dass die Grundstücke nicht mehr der Regelung zur kollektiven Nutzung unterlagen. Der Einschlag war ein Grundstück, das mit einer Hecke, einem Lebhag oder Holzzaun umschlossen wurde und als Matte, Weide und im Laufe der Zeit auch als Kartoffel- oder Rübenacker privatwirtschaftlich genutzt wurde. Das Grundstück wurde also dem Zelgland und dem gemeinschaftlichen Weidegang entzogen. Die Bewegung bedeutete einen innovativen Aufbruch in der Landwirtschaft, indem von nun an vermehrt auf Eigenverantwortlichkeit gesetzt wurde.
Durch die Einschlagbewegung kamen wichtige neue Landschaftselemente hinzu. Mit Obstbaumreihen als Feldbegrenzung und Obstbäumen auf Äckern wurde als wichtige Neuerung der Obstanbau eingeführt. Viehhaltung und Stallfütterung gewannen gegen Ende des 18. Jh. immer grössere Bedeutung, so dass vermehrt Wiesen und Matten mit ihren Bewässerungsgräben angelegt wurden. Hecken zur Einzäunung der Einschläge sind ein weiteres Landschaftselement jener Zeit. Zu Beginn des 20. Jh. wurde das Landwirtschaftsland zudem mit einem immer dichteren Wegnetz erschlossen.
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Weiterführende Links

Literatur

  • Ewald Klaus, Klaus Gregor: Die ausgewechselte Landschaft, Haupt Verlag, Bern 2009, S. 72-99.
  • Fridrich A.C., Epple R., Schnyder A.: Nah dran, weit weg. Geschichte des Kantons Basel-Landschaft, Verlag des Kantons Basel-Landschaft, Band 3, Liestal 2001, S. 10-31.
  • Huggel Samuel: Die Einschlagbewegung in der Basler Landschaft, Kantonale Schul- und Büromaterialverwaltung, Liestal 1979.