Weiden – Tierhaltung

Im Laufe der Jahrhunderte wurden immer wieder verschiedenartige Flächen und Landschaftselemente als Weideland genutzt. Sie boten den Weidetieren Lebensraum, Auslauf und Nahrungsquelle. Während früher auch der Wald, Moore, Wegränder und gar Dorfplätze beweidet wurden, werden heute in der Region vorwiegend unproduktive Hanglagen und die grossen Grasflächen der Jurazüge für den Weidegang genutzt.




Brachzelge, Matten und Allmend

Im ausgehenden Mittelalter und in der frühen Neuzeit war die Viehhaltung eher ein nebensächlicher Zweig der Landwirtschaft. Der Viehbestand sorgte für ausreichende tierische Zugkraft, für den Anfall einer gewissen Düngermenge und zur Deckung eines geringen Eigenbedarfs an tierischen Produkten wie Fleisch, Milch und Eier. Viel wichtiger war der Anbau von Korn (Getreide), der bezogen auf die Fläche viel mehr Menschen zu ernähren vermochte als die Vieh- und Milchwirtschaft. Weideflächen gingen immer auch zu Lasten von Ackerflächen, deren Bewirtschaftung aber Düngung und Arbeitskraft durch Tiere benötigte. Acker- und Weideland standen in einem fragilen Gleichgewicht.
Das Weideland lag in vielfältiger Weise um die eingezäunten Flächen der Sommer- und Winterzelgen. Zu gewissen Phasen des Anbauzyklus konnten auch diese als Weide zwischengenutzt werden. Die Brachzelge wurde in zunehmendem Masse beweidet. Die Matten (Wiesenflächen in der Nähe von Bächen und Flüssen) wurden im Frühjahr eingehagt und zur Heuproduktion genutzt. Nach der Heuernte im Juli wurden die Matten für die Beweidung freigegeben. Die eigentlichen Viehweiden lagen aber in der Allmend. Dies waren Flächen der Gemeinde, die gemeinschaftlich von den Dorfbewohnern nach bestimmten Regeln genutzt werden konnten. Sie umfassten Strassen und Plätze im Dorf, aber vor allem Grasflächen, Riede, Moore, Teiche und Schwemmland um die Siedlungen. Ebenfalls zur Allmend gehörte der Wald, der als Weide intensiv genutzt wurde.

Ställe, Mast und Fleischkonsum

Zu Beginn des 19. Jh. nahm die Bedeutung der Viehwirtschaft stark zu. Üblich wurde die Stallhaltung – teils ohne Weidegang der Tiere. Neben einer Erhöhung der Düngermenge stand die Zunahme der Milchproduktion im Vordergrund. Die Milch wurde zum Teil zu Käse und Butter weiterverarbeitet und verkauft; ein Teil war für den Eigenbedarf und die Aufzucht der Kälber bestimmt. Mit dem Bau der Eisenbahnen konnten die Milchprodukte aus dem oberen Baselbiet auch nach Liestal und Basel gefahren werden. Die Viehhaltung wurde aus ökonomischer Sicht immer lohnender.
Gegen Ende des 19. Jh. und im 20. Jh. nahm auch der Konsum an Fleisch und Milchprodukten rasant zu. Die Tierbestände schnellten in die Höhe. Durch gezielte Tierzucht wurden die Tiere immer leistungsfähiger. Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich die Tierhaltung früherer Jahrhunderte zum ökologischen und ökonomischen Problem: Die Haustiernutzung lieferte zu viel Dünger, und es kam zu Absatzproblemen der Milchprodukte. Die Produktion musste eingeschränkt werden. Die ganze Entwicklung wurde erst durch massive Einfuhren von Futtermitteln aus dem Ausland ermöglicht. Bei der Hühner- und Schweinehaltung wurde eine nahezu bodenlose Indoor-Produktion (Käfighaltung und intensive Schweinemast) entwickelt. Erst eine Gegenbewegung in den 1980-Jahren, unter anderem durch den biologischen Landbau, förderte eine tiergerechte Haltung mit Auslauf und Zugang zum Freiland.

Lebensraum Weide

Die jahrhundertelange Beweidung prägt den Lebensraum Weide. Sie gibt vielen Landschaften ein unverwechselbares Aussehen. Weiden befinden sich meist auf Böden, auf denen sich der Ackerbau nicht lohnt. Besonders artenreich sind die Magerweiden (auch Magerrasen) an südexponierten Hängen tieferer Lagen. Grosse Magerweidenflächen sind vor allem an den trockenen Südabhängen des Laufentales bei Nenzlingen, Blauen und Dittingen einigermassen erhalten geblieben. Traditionelles Weideland findet sich im ganzen Hochjura, wobei diese je nach Düngung ebenfalls mager oder relativ fett ausfallen können. Der offene Landschaftscharakter, durchsetzt mit Waldstücken, Baumgruppen und Einzelbäumen, ist stets auf die Weidewirtschaft zurückzuführen und wird durch diese auch erhalten.
Auf Weiden werden Pflanzenarten mit Gift- und Bitterstoffen (Gelber Enzian) oder mit Stacheln (Disteln) bewehrte Arten gefördert, da sie vom Vieh gemieden werden. Bei den Gehölzen sind vor allem Arten zu finden, die Verbiss gut ertragen (Fichte, Wacholder). Als Anpassung an die Weide- und Trittbelastung durch das Vieh finden sich häufig Pflanzenarten mit unterirdischen Ausläufern oder Blattrosetten. Typisch für Weiden an Hanglagen sind die stufenartigen, hangparallelen Viehweglein. Hecken und Lebhag zur Abgrenzung der Weide sind traditionelle Elemente der Kulturlandschaft und ökologisch wertvoll.
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Weiterführende Links

Literatur

  • Epple Ruedi, Schnyder Albert: Wandel und Anpassung, die Landwirtschaft des Baselbiets im 19. Jahrhundert, Verlag des Kantons Basel-Landschaft, Liestal 1996.
  • Fridrich A.C., Epple R., Schnyder A.: Nah dran, weit weg. Geschichte des Kantons Basel-Landschaft, Verlag des Kantons Basel-Landschaft, Band 3, Liestal 2001.
  • Kettiger Johannes: Landwirtschaftliche Zustände in Basel-Land, Neuausgabe Birmann-Stiftung der Ausgabe Liestal (Lüdin 1857), Sissach 1984.
  • Lüthi Roland: Magerweiden des Laufentals – Natur im Baselbiet Heft 4, Verlag des Kantons Basel-Landschaft, Liestal 2008.
  • Lüthi Roland: Region Wasserfallen – Natur im Baselbiet Heft 6, Verlag des Kantons Basel-Landschaft, Liestal 2004.