Buchenwälder

Überall dort, wo das Klima nicht zu nass oder zu trocken, der Boden nicht zu nährstoffarm oder zu nährstoffreich und der Standort durch die Höhenlage nicht zu kalt ist, dominiert in Mitteleuropa von Natur aus die Buche.




Buchenwald in Natur und Kultur

In der Schweiz ist der Buchenwald in tiefen und mittleren Höhenlagen weit verbreitet und auch forstwirtschaftlich von grosser Bedeutung. Die Hauptbaumart ist, wie der Name besagt, die Buche oder Rotbuche (Fagus sylvatica). Sie dominiert das Waldbild mit ihren auffällig silbergrauen Stämmen. Buchenwälder bilden vielfach Hallenwälder, deren Baumstämme an Säulen gotischer Hallenkirchen erinnern und das Kronendach tragen. Die Strauchschicht ist spärlich ausgebildet. Je nach Buchenwaldtyp setzt sich die Krautschicht aus jeweils unterschiedlichen Arten zusammen. Die Besonnung des Waldbodens ist im Winterhalbjahr relativ intensiv, bis sie ab April unter dem dichter werdenden Blätterdach stark abnimmt. Die ersten warmen Sonnenstrahlen nutzen die Frühblüher oder Geophyten aus, um auszutreiben und ihren Lebenszyklus durch blühen und fruchten zu vollziehen, bevor die Buchen das Kronendach schliessen und nur noch spärlich Licht einfallen lassen.
In der Region Basel sind viele tiefe und trockene Lagen (Oberrheintal, unterer Hochrhein, Birsebene und Sundgau) mit Eichen-Hagebuchenwäldern bedeckt. Es stellt sich unter Botanikerinnen und Botanikern die Frage, ob dieser Waldtyp in diesen Gebieten natürlich vorkommt oder ob hier nicht zumindest teilweise potenziell auch Buchenwälder stehen würden. Bis ins 19. Jh. wurden nämlich Eichen-Hagebuchenwälder durch ihre Bewirtschaftung als Mittelwald stark gefördert, da die Eichen wertvolles Bauholz lieferten und die Eicheln für die Schweinemast geschätzt wurden. Diese ehemalige Bewirtschaftungsform könnte das Waldbild bis heute zu Gunsten des Eichen-Hagebuchenwaldes verschoben haben.
Buchenwälder kommen je nach Standortfaktoren in verschiedenen Ausprägungen vor. Einige für die Region wichtige Buchenwaldtypen werden nachfolgend vorgestellt. In den höheren Regionen des Juras gibt es noch den Weisstannen-Buchenwald, auf den hier nicht weiter eingegangen wird.

Durchschnittlich – der Lungenkraut-Buchenwald

Dieser Buchenwaldtyp bildet einen wüchsigen Hallenwald mit meist geraden Stämmen und kommt von den Tieflagen bis rund 700 m. ü. M. vor. Er wächst auf gut durchlüfteten, fruchtbaren Rendzinen und Kalk-Braunerden mit einem hohen Anteil an Steinen. Er ist der häufigste Waldtyp in der Region und nimmt etwa 50% der gesamten Waldfläche ein. Man könnte ihn den «gewöhnlichen» Buchenwald der Region bezeichnen, der in allen Lagen und auf allen Expositionen gedeiht, die Extreme aber meidet.

Neutral – der Waldmeister-Buchenwald

Von ähnlichem Aussehen ist der Waldmeister-Buchenwald, wobei der im Mai blühende Waldmeister sehr auffällig in der Krautschicht vorhanden ist. Er ist insbesondere auf den ebenen Hochflächen des Tafeljuras zu finden, wo das Kalkgestein von einer 50 bis 80 Zentimeter dicken Lehmschicht bedeckt ist. Dadurch ist das Bodenmilieu kalkfrei und die Bodenreaktion (pH-Wert) somit nicht basisch, sondern eher neutral. Dieser Waldtyp kommt auch auf den Lösslehmdecken des Sundgauer Hügellandes vor.

Sommertrocken – der Seggen-Buchenwald

Der Seggen-Buchenwald besitzt in der Krautschicht einen grasigen Unterwuchs aus Weiss-Segge und kommt an besonnten Steilhängen bis 800 m. ü. M. vor. An diesen Hängen trocknet der Boden im Sommer stark aus, so dass die Buche keine dichten Waldbestände mehr bildet, sondern knorrige Baumformen mit lückigem Bestand. Durch den Lichteinfall wird eine ausgeprägte Strauchschicht ermöglicht.

Unterkühlt – der Zahnwurz-Buchenwald

Dieser Waldtyp besiedelt einerseits schattige Lagen mit kühlem, luftfeuchtem Lokalklima bis zu einer Höhe von 600 m.ü.M.. Andererseits ist er im Jura in allen Expositionslagen von 600 bis 1200 m. ü. M. an Hängen mit steinigen Kalkböden zu finden. Die Fiederblättrige Zahnwurz bildet einen markanten Frühlingsaspekt in diesem Hallenwald, der sonst arm an Sträuchern und anderen Krautpflanzen ist.

Befeuchtet – der Aronstab-Buchenwald

In feuchten Hangfusslagen und auf nährstoffreichen Böden gedeiht dieser wüchsige Hallenbuchenwald, der ab Ende März mit dem Bärlauch seine auffälligste Krautpflanze zeigt. Ansonsten sind diese Wälder auf kalk- und tonreichen Böden in ihrer Kraut- und Strauchschicht eher artenarm. Einzig die auffällig roten Fruchtstände des Aronstabs setzen gegen den Herbst im diffusen Waldlicht einen Farbakzent.
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Weiterführende Links

Literatur

  • Steiger Peter: Wälder der Schweiz, hep verlag ag, Bern 2010.
  • Burnand J., Hasspacher B.: Waldstandorte beider Basel, Verlag des Kantons BL, Liestal 1999
  • Lüthi Roland: Ermitage – Natur im Baselbiet Heft 8, Verlag des Kantons Basel-Landschaft, Liestal 2006, S. 29-32 und 37-41.
  • Brodbeck Thomas et al.: Flora von Basel und Umgebung 1980-1996, Sonderdruck der Mitteilungen der Naturforschenden Gesellschaften beider Basel Vol.2, Liestal 1997, S. 28-29.
  • Tüxen Reinhold: Unser Buchenwald im Jahreslauf, Landesanstalt für Umweltschutz Baden-Württemberg (Hrsg.), Karlsruhe 1986.