Gebüsche

Ob Feldgehölz, Hecke oder Waldrand: Gebüsche verdanken ihre Existenz den im Abstand von mehreren Jahren wiederkehrenden Eingriffen wie Rückschnitt oder einem Verbiss durch Tiere. Gebüsche sind Lebensräume für Rotkehlchen, Igel und Käfer; sie begrenzen Parzellen und liefern dem Menschen Früchte und Holz. Dem stetigen Verschwinden der Hecken aus der Landschaft wird mit Neupflanzungen und gezielten Pflegemassnahmen entgegengewirkt.




Niederwüchsige, lichtliebende Gehölze

Obwohl der ursprüngliche Wald Mitteleuropas grossflächig der Landwirtschaft weichen musste, prägen Gebüsche bis heute unsere Landschaft. Sie stellen in Form von Feldgehölzen, Uferstreifen sowie Hecken und Waldrändern wertvolle Lebensräume für Tiere und Pflanzen dar. Gebüsche sind Vegetationseinheiten, die von Holzpflanzen mit einer Höhe von zwei bis fünf Metern und weniger als zehn Zentimeter Stammdurchmesser dominiert werden. Natürlicherweise wachsen Gebüsche überall dort, wo es für den Wald zu trocken oder zu nass ist. An Standorten, auf denen von Natur aus Wald wachsen würde, sind sie Übergangsstadien im Rahmen der natürlichen Vegetationsabfolge (Sukzession). Sie bestehen mehrheitlich aus Lichtpflanzen, die im schattigen Wald verkümmern würden. Da Sträucher meist bis unten beblättert sind, fällt in Gebüschen nur wenig Licht auf den Boden. Heute besitzen kleine Gehölze eine wichtige Rolle bei der Vernetzung von Lebensräumen. Auf der Wanderung zwischen zwei Wäldern sind sie ein sicherer und nahrungsreicher Unterschlupf für die heimische Fauna.

Artenreiche Tier- und Pflanzenwelt

Krautpflanzen wachsen in Gebüschen nur vereinzelt, Lianen und Spreizklimmer wie die Brombeere hingegen überwuchern die Sträucher auf ihrem Weg ans Licht. Gebüsche sind kaum geschichtet, sondern mosaikartig und dicht aus verschiedenen Pflanzen zusammengesetzt. Typische Gehölzpflanzen der Gebüsche sind Hasel, Schlehdorn, Holunder, Brombeere und Johannisbeere sowie Weissdorn und Schneeball. In ihnen finden Tiere einen Lebensraum, sei es als Versteck, als Nahrungsquelle oder Ort für den Nestbau. Vögel wie Amseln, Grünfinken, Gartengrasmücken und Rotkehlchen, aber auch Kleinsäuger wie Igel, Hasel- und Spitzmaus sowie etliche Käferarten bewohnen Gebüsche. Viele Gebüschpflanzen produzieren fleischige oft intensiv rote Früchte, welche die Vögel mit Vorliebe fressen.

Vielseitige Heckennutzung

Hecken dienten bereits in der Jungsteinzeit als lebende Zäune, die das Vieh von den Äckern fernhalten sollten. Nüsse, Steinobst und Beeren der Heckenpflanzen waren eine wichtige Ergänzung der Nahrung. Hecken wurden alle 5 bis 15 Jahre auf den Stock gesetzt, um Brennholz zu gewinnen. Das Laub der Heckensträucher diente auch als Streu und Futter fürs Vieh. Hecken halten zudem das Wasser auf, das nach Starkniederschlägen oberflächlich abfliesst. Sie schützen damit das Kulturland vor Bodenerosion. Weil die Gebüsche den Wind verlangsamen, der die Böden austrocknet, wird die Verdunstung reduziert.

Waldrand: Lebensraum und Schutz vor Windwurf

Der Waldrand bildet den Übergang vom Offenland zum dichten Wald und besteht ebenfalls mehrheitlich aus Sträuchern. Besonders artenreich sind gestufte Waldränder, die vom Feld allmählich in einen Krautsaum und einen Strauchgürtel übergehen. Dieser ist mit dem angrenzenden Waldmantel aus niederwüchsigen Laubholzarten verzahnt.
Ein gestufter Waldrand schützt den angrenzenden Wald vor starkem Wind, der Astbrüche und Windwurf verursachen kann. Die Bedeutung des Waldrands für Kleintiere gleicht derjenigen der Hecken. Oft bevorzugen Kleintiere sonnig-warme, vegetationsarme Abschnitte von Waldrändern. Rehe finden am Waldrand tagsüber Sichtschutz, während ihn Fuchs und Dachs auf ihrer Beutesuche durchstreifen.

Bedrohter Reichtum

Mit der Mechanisierung des Ackerbaus Mitte des 20. Jh. wurden Hecken und andere Kleinstrukturen entfernt; es entstanden grosse, kahle Felder. Natürliche Waldränder beanspruchen viel Platz und breiten sich in die Felder aus. Die Gehölze jenseits der Waldgrenze wurden deshalb kurzerhand abgeschnitten und der Grenzverlauf zur einfacheren Nutzung stark begradigt. Dünger und Herbizide aus den Feldern beeinträchtigen die Vegetation der angrenzenden Hecken und Waldrändern.

Pflegeleicht im Unterhalt

Als Kulturelemente benötigen Hecken eine fachgerechte Pflege. Um brütende Vögel nicht zu stören, ist darauf zu achten, dass der Schnitttermin nicht zwischen März und September liegt. Zwischen Sträuchern und Kulturland soll ein Streifen für einen Krautsaum frei gelassen werden. Durch das Anlegen von Steinhaufen und das Liegenlassen von Falllaub und toten Ästen entstehen begehrte Unterschlüpfe für Igel und andere Kleinsäuger.

Naturnahe Heckenparadiese anlegen

Um die Hecken als Kulturgut und als vielfältige Lebensräume zu erhalten, werden heute vielerorts wieder Hecken gepflanzt. Dies nicht nur im ausgeräumten Landwirtschaftsgebiet, sondern auch im Siedlungsgebiet. Es ist wichtig darauf zu achten, dass einheimische und standortgerechte Gehölzarten verwendet werden. Auf einheimischen Arten leben und ernähren sich zahlreiche Insekten- und Vogelarten. Zudem sind heimische Arten widerstandsfähiger und anspruchsloser als exotische Gehölze und brauchen somit weniger Pflege und Dünger.
DK / CA

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Weiterführende Links

Literatur

  • Ellenberg Heinz, Leuschner Christoph: Vegetation Mitteleuropas mit den Alpen, Eugen Ulmer Verlag, Stuttgart, 2010.
  • Ringler Alfred: Gefährdete Landschaften-Lebensräume auf der Roten Liste, BLV Verlagschaft, München, 1987.
  • Zoller Heinrich: Die Vegetation; Feuchtstandorte; Waldstandorte; Blumenreiche Wiesen und Weiden; Ackerbegleitflora; Brachland und Waldränder; Hecken. In: Natur aktuell, Verlag des Kantons Basel-Landschaft, Liestal, 1989.