Fotografen

In den 1830er-Jahren entstanden Apparate, die das «Bilder machen» übernahmen. Mit ihnen gelang es, das Licht, das durch ein Loch oder Objektiv fiel, auf einer lichtempfindlichen Schicht aufzufangen und mit chemischen Verfahren zu fixieren. Die Fotografie war geboren. Das neue Medium bot sich an, auch Natur und Landschaften festzuhalten. Mit ihm vervielfachte sich hierzulande ab 1860 die Zahl der Landschaftsansichten gegenüber früher mit der Landschaftsmalerei.




Fotografie im 19. Jahrhundert

Da das neue fotografische Verfahren als fabelhafte Erfindung galt, bei der das Bild «so genau und treu, wie es der geschickteste Zeichner nicht zu liefern im Stande wäre», sei (Zitat von 1839), fand sie schnell ihre Verbreitung. Die anfänglich sehr langen Belichtungszeiten von mehreren Minuten oder gar Stunden wurden dank neuen Verfahren auf ein paar Sekunden verkürzt. Dies war vor allem für die Portraitfotografie entscheidend. Und diese war es vorwiegend, die im 19. Jh. von den Berufsfotografen ausgeübt wurde und deren Einkommen generierte. Die Technik war entsprechend teuer und konnte noch kaum von Amateuren betrieben werden. So wurden in den Studios eigentümliche Inszenierungen geschaffen, in denen sich der Kunde abbilden lassen konnte.
Während der Zeit des Kolonialismus entwickelte sich eine Art kommerzielle Reisefotografie, die fotografische Erzeugnisse von fremden Welten und Völkern vermarkteten. In diesem Zusammenhang sind auch die Bildbestände zu sehen, die von Missionaren geschaffen wurden, um ihre Tätigkeit und ihre Umwelt zu dokumentieren. So besitzt die «mission 21» (vormals Basler Mission) 30 000 Bilder der Missionsgeschichte von 1850 bis 1945. Die Anfänge der fotografischen Erkundung der eigenen Region, die Architektur, Landschaft und Kultur zum Gegenstand hatte, reicht in die 1860er-Jahre zurück. Die frühen fotografischen Ansichten der Stadt Basel stammen von Jakob Höflinger und Adam Borbély Varady. Rund 20 Jahre später begann Arnold Seiler-Schaub, Ansichten von Liestal und Umgebung aufzunehmen.

Fotografischer Aufbruch zu Beginn des 20. Jahrhunderts

Die Präsenz der Fotografie im Alltag nahm stetig zu. Mit Beginn des 20. Jh. wurde es üblich, die Tagespresse mit Fotografien zu bebildern. Dieser Umstand liess die Bildmenge über die Region weiter anschwellen. Zudem begannen verschiedene kleine Verlage mit der Produktion von illustrierten Postkarten, die vor allem Ortschaften und Sehenswürdigkeiten zeigten. Als Bilder wurden Luftaufnahmen oder Übersichten von erhöhten Standpunkten gewählt, so dass diese Aufnahmen den Zustand der Landschaft und die Siedlungsstrukturen gut dokumentieren. Luftaufnahmen der Region sind insbesondere von den Luftfahrtpionieren Eduard Spelterini und Walter Mittelholzer erhalten.
Bereits am Ende des 19. Jh. hielt die Fotografie als Dokumentationsmedium Einzug in die Naturwissenschaft. So konnten Bewegungsstudien oder mikro- und makroskopische Aufnahmen Aufschluss über die Natur geben, wie sie vorher nicht möglich waren. Dank günstigeren Kameras wurde die Fotografie auch für Private allmählich erschwinglich, was zur Verbreitung dieser Technik beitrug. Dies führte auch zur sogenannten Arbeiterfotografie, bei der Arbeiter ihre Arbeit in den Fabriken selbst dokumentierten. Sie stand im Gegensatz zur Industriefotografie, bei der Fotografen im Auftrag der Firmen die Produktionsanlagen und die Belegschaft ins gute Licht setzten.

Die Fotografie wird farbig

Das erste praktikable fotografische Farbverfahren kam 1907 auf den Markt. Zuvor behalf man sich mit dem Kolorieren von Hand, um den Fotos Farbigkeit zu verleihen. Durchgesetzt hatte sich die Farbfotografie aber erst in den 1930er-Jahren, als zuverlässige und günstige Farbfilme gepaart mit handlichen Kameras immer grösseren Bevölkerungskreisen zugänglich wurde. Insbesondere nach dem Zweiten Weltkrieg erfuhr die Fotografie für Jedermann einen kometenhaften Aufschwung, und die Bilderflut nahm weiter zu. Diesem Umstand ist es such zu verdanken, dass Lehrkräfte sich der Fotografie bedienten, um geographische und biologische Gegebenheiten im Bild festzuhalten. Diese Bilder wurden im schulischen Unterricht und an öffentlichen Diavorträgen zur Vermittlung der Sachverhalte genutzt. Theodor Strübin, Emil Weitnauer, Georg Bienz und Peter Brodmann sind beispielsweise lokale Fotografen dieses Genres, welche die Natur und Landschaft der Nachkriegszeit dokumentierten. Dabei sind wertvolle lokale Bildsammlungen als Zeugnis einer Zeit entstanden, die rasante Veränderungen erfahren hat.

Die Fotografie wird 0/1 codiert

Mit der Entstehung der Digitaltechnik in der Fotografie in den 1980er-Jahren wird das Bild nicht mehr auf photochemischem Weg gespeichert, sondern in der 0 und 1 Codierung auf elektronischem Weg. Bereits nach dem Jahr 2000 wurden mehrheitlich digitale Bilder produziert. Viele Bilder werden zunehmend mit fotografierenden Telefonapparaten, d.h. mit in Mobiltelefonen eingebauten Digitalkameras produziert. Die dauernde Anwesenheit dieser Mobiltelefone führt zu einer Omnipräsenz der Bilder, die dann über soziale Netzwerke verfügbar gemacht werden. Wie weit solche Bilder in ein paar Jahrzehnten für eine geschichtliche Aufarbeitung noch vorhanden sein werden, sei dahingestellt.
BE

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Weiterführende Links

  • Fotoarchive.org Netzwerk Historische Fotografie Basel-Stadt und Basel-Landschaft
  • Die Bildersammlung im Überblick Staatsarchiv Basel-Stadt
  • Fotoarchiv Hans Bertolf Online Archivkatalog des Staatsarchivs Basel-Stadt
  • Fotoarchiv Wolf (Bernhard Wolf) Online Archivkatalog des Staatsarchivs Basel-Stadt
  • Seiler Arnold, Senior und Junior, Liestal, Fotosammlung Online Archivkatalog Staatsarchiv Basel-Landschaft
  • Brodmann Peter, Ettingen, Diasammlung Online Archivkatalog Staatsarchiv Basel-Landschaft
  • Weitnauer Emil, Lehrer, Ornithologe, Oltingen Online Archivkatalog Staatsarchiv Basel-Landschaft
  • Literatur

    • Baur Sarasin Esther, Dettwiler Walter: Bildgeschichten – Aus der Bildersammlung des Staatsarchivs Basel-Stadt 1899-1999, Schwabe & Co. AG Verlag, Basel 1999.
    • Einwohnergemeinde Oltingen (Hrsg.): Heimatkunde Oltige, Verlag des Kantons Basel-Landschaft, Liestal 2008, S. 220-224 (Emil Weitnauer).
    • Hagmann Daniel: Hans Schaltenbrand, In: Laufentaler Museumsheft, Heft 15, Laufen 2002, S. 8-9.
    • Jäger Jens: Fotografie und Geschichte, Campus Verlag GmbH, Frankfurt/Main 2009.
    • Loetscher Hugo et al., Stiftung für Photographie (Hrsg.): Photographie in der Schweiz von 1840 bis heute, Verlag Arthur Niggli AG, Teufen 1974.
    • Mittelholzer Walter, Borner Walter (Hrsg.): Schweiz 1917-1937 Flugaufnahmen, Orell Füessli Verlag, Zürich 1988.
    • Opferkuch Dieter: Dr. h.c. Geoges Bienz zum Gedenken, In: Regio Basiliensis, Bd. 50/2, Basel 2009, S. 135-136.
    • Rebmann Barbara: Der andere Theodor Strübin, In: Keine Kopie an niemand!, Archäologie und Museum, Heft 39, Liestal 1998, S. 117-120.
    • Rebmann Barbara: Die Fotosammlung Theodor Strübin, In: Basler Stadtbuch 2002, Christoph Merian Verlag, 123. Jahr, Basel 2003, S. 134-137.
    • Rebmann Barbara, Schubiger Letizia: Fotos aus der Sammlung Strübin. In: Landschaften & Menschen im Baselbiet, Baselbieter Heimatbuch 29, Verlag Basel-Landschaft, Liestal 2013, S. 13-20.
    • Stadler Hilar (Hrsg.): Eduard Spelterini und das Spektakel der Bilder, Verlag Scheidergger & Spiess, Zürich 2010.