Bauten prägen das Landschaftsbild

Bauten sind längst Teil der Landschaft. In ihrer Vielzahl bilden sie Siedlungen – Dörfer, Städte und Agglomerationen – und bilden sogar eine eigene Landschaften, die Stadtlandschaften. Aber auch einzelne Bauten prägen das Landschaftsbild, sei es wegen ihrer Grösse, ihrer Höhe, ihrer Länge oder einfach, weil sie an einem Ort stehen, wo sie auffallen. Sie nehmen Einfluss auf die Landschaft und werden als harmonisch oder störend empfunden.




Das Landschaftsbild

Das Landschaftsbild ist die optische Wahrnehmung der Landschaft. Obwohl dies nur einen Teilaspekt der Landschaftswahrnehmung darstellt, so ist es doch der wichtigste. Dazu kommt die Dimension der Zeit, denn das Bild einer Landschaft verändert sich laufend durch natürliche und menschliche Einflüsse. Das Landschaftsbild ist nie etwas Statisches, sondern unterliegt einem fortdauernden Wandel. Das Landschaftsbild unterliegt einer Wertung durch den Menschen, Ästhetik und Schönheit spielen dabei eine wichtige Rolle. Einzelne Faktoren einer Landschaft werden zu einem Gesamturteil zusammengefügt. Die Landschaft wird dann als anmutig, lieblich, harmonisch oder aber als öde, langweilig und hässlich empfunden.
 
Ästhetik und Schönheit bestimmen Handlung und Gefühlslage der Menschen und sind keineswegs nur Nebensächlichkeiten. Schönheit ist anziehend, Hässlichkeit abstossend. Schönheit ist für den Menschen eine Notwendigkeit und hat einen Wert. Obwohl der Betrachter genau weiss, ob er eine Landschaft als schön empfindet oder nicht, ist er doch kaum in der Lage zu definieren, was denn das Schöne ausmacht. Dies gilt besonders für Landschaften. Interessant ist, dass reine Naturlandschaften, wie es sie in der Region nicht mehr gibt, durch ihre grossräumige Eintönigkeit gar nicht immer als besonders schön empfunden werden. Ein Beispiel dafür ist der grossflächige Buchenwald, wie er vor dem Sesshaftwerden der Menschen bestanden hat. Hingegen wird eine vielfältige, abwechslungsreiche Kulturlandschaft mit landwirtschaftlichen Strukturen und traditionellen Landschaftselementen durchaus als ästhetisch oder gar romantisch angesehen. Mit der zunehmenden Übernutzung der Landschaft geht aber dieser ästhetische Aspekt drastisch verloren, was Empfindungen bis hin zu Hässlichkeit hervorrufen kann.

Die Bauten

Bauten sind zuerst einmal ein Eingriff in die Naturlandschaft und tragen zur Entstehung der Kulturlandschaft bei. Architektur schafft Bauten, diese erfüllen einen bestimmten Zweck und fügen sich in die Landschaft ein. Anzahl, Auffälligkeit und Lage der Bauten bestimmen das Landschaftsbild mit, bereichern oder stören es. Im Mittelalter waren es Burgen und Schlösser, die an gut sichtbarer Lage errichtet wurden. Kirchen standen im Dorf als höchstes Bauwerk und durften nicht überragt werden. Brücken, als Mittel zur Überwindung von Fliessgewässern, gestalteten das Flusstal mit. Im 19. Jh. kündigte sich die Industrialisierung mit grösseren Fabrikbauten und hohen Kaminen an. Gegen Ende des Jahrhunderts kamen Aussichtstürme in Mode, deren touristischer Nutzen im Überblicken und Erfahren von Landschaft bestand. Zur gleichen Zeit fand die Elektrifizierung der Dörfer und Städte statt. Flusskraftwerke und Elektromasten tauchten im Landschaftsbild auf. Militärische Anlagen standen schon immer unübersehbar in der Landschaft, ihre Präsenz wandelte sich im Laufe der Zeit. Nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden Hochhäuser und prägten vor allem die Vororte der Städte. Dazu kam der massive Ausbau der Strassen- und Bahnanlagen mit ihren landschaftsbeherrschenden Infrastrukturbauten. Industriebauten haben sich in Industriequartieren konzentriert, wobei sich auch hier einzelne Fabrikbauten und Lagergebäude durch ihre Dimension hervortun.

Der Einfluss

Welches ist also der Einfluss auffälliger Bauten auf die Landschaft und das Landschaftsbild? Woran soll die Verträglichkeit von Bauwerken gemessen werden? Wie bereits erwähnt, ist eine ästhetisch befriedigende Gestaltung der Landschafts nicht optional, sondern eine existenzielle Notwendigkeit für das Wohlbefinden des Menschen. Die Empfindungen von Schönheit sind aber individuell verschieden. Bauten sind nicht einfach gegeben, ihre Notwendigkeit ist mit ihrer Verträglichkeit in der Landschaft abzuwägen. Ein Mass für die Legitimation in der Landschaft könnte das Verhältnis zwischen Nutzen eines Bauwerkes zu seinem allfälligen Nachteil in Form der Beeinträchtigung von Raum und Landschaft sein. Während bei Bauten immer eine Kosten-Nutzen-Analyse gemacht wird, ist das beim Verlust von Landschaftsästhetik nicht der Fall. Die gute Wohnlage einer Überbauung am Flussufer kann in Geldwerten beziffert werden, hingegen wird das Nichtüberbauen des Ufers wertmässig weder erfasst noch volkswirtschaftlich gewichtet. Welchen ökonomischen Wert hat Landschaftsästhetik – und was ist landschaftsgerechtes Bauen?
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Weiterführende Links

Literatur

  • Bitterli Thomas: Die Burgen im Landschaftsbild des Baselbieter Juras. In: Landschaften & Menschen im Baselbiet, Baselbieter Heimatbuch 29, Verlag Basel-Landschaft, Liestal 2013, S. 41-50.
  • Epple R., Fridrich A.C., Hagmann D.: Nah dran, weit weg. Geschichte des Kantons Basel-Landschaft, Verlag des Kantons Basel-Landschaft, Band 6, Liestal 2001.
  • Ewald Klaus, Klaus Gregor: Die ausgewechselte Landschaft, Haupt Verlag, Bern 2009, S. 376-545.
  • Huggel Doris: Burgen und Identifikation, In: Heimat?, Verlag des Kantons Basel-Landschaft, Liestal 2007, S. 91-96.
  • Wöbse Hans Hermann: Landschaftsästhetik – Über das Wesen, die Bedeutung und den Umgang mit landschaftlicher Schönheit, Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart 2002.