Stadtentwicklung Basel

Das Entstehen von öffentlichem Grün in der Stadt Basel ist bis ins Mittelalter zurück gut dokumentiert. In der Kernstadt gab es damals nur wenig öffentliches Grün. Zwischen Stadt und Land bestand ein klarer Gegensatz: Landwirtschaftlich genutzte Flächen ausserhalb, dicht gebaute Wohn- und Gewerbequartiere innerhalb der Stadtmauern.




Wenig Grünräume – viel Wein

In der mittelalterlichen Basler Kernstadt gab es auf Grund der engen Raumverhältnisse nur wenigöffentliches Grün. Dieses erschöpfte sich in ein paar markanten Einzelbäumen, meist Linden. Sie warenauf der Pfalz und auf dem Münsterplatz zu finden. Der Petersplatz gehört zu den ältesten Grünanlagen.Er weist seit 1277 einen Baumbestand auf, lag aber bis gegen 1400 ausserhalb der Stadtmauern.Das städtische Grün war zur Hauptsache in den Privatgärten zu finden.
Öffentliches Grün hatte damals für die Stadtbewohner nicht denselben Stellenwert wie heute. Für Freizeit und Erholung blieb keine Zeit. Dafür war der städtische Weinanbau wichtig, da die Handelsstadt Basel im Mittelalter auch ein Weinzentrum war. Grund dafür war die Lage der Stadt mitten in den Rebbergen. In Basel reichten die Weinreben bis an die Stadttore. Wer über die Stadtbefestigung hinausblickte, sah ein Stadt, die von Rebstöcken umgeben war. 1593 wurden in Basel-Stadt umgerechnet rund zwei Millionen Liter Wein hergestellt.

Grünanlagen anstelle von Stadtmauern

Ab 1860 wurden die Stadtmauern von Basel grösstenteils abgebrochen und die Gräben aufgefüllt.Neue Aussenquartiere wurden errichtet, um die stark wachsende Bevölkerung unterzubringen.Anstelle der Mauern und Gräben entstand nach dem Gutachten des Münchner Hofgärtners Karl vonEffner ein Ring aus öffentlichen Anlagen und Promenaden mit Bäumen, Sträuchern und Rasenflächen,so etwa zwischen 1861–1873 die von Bäumen geprägte Grünachse zwischen St. Alban-Tor undElisabethen-Anlage.
Die Freiareale, die durch den Abbruch der Mauern entstanden, wurden inGrünanlagen, Plätze und Promenaden umgestaltet. Vorbilder dafür boten die Stadtumbauten in Parisoder Wien. 1860 initiierte von Effner, zusammen mit Karl Sarasin, den Aufbau der Stadtgärtnerei, dajemand für die neuen Pflanzungen sorgen musste.
In die Boomphase des 19. Jh. fielen auch die ersten grossen Umweltschäden. Abwässer ausIndustrie und Gewerbe verseuchten die Brunnen und vergifteten das Rheinwasser. Die Böschungam Rheinufer wurde zur Entsorgung von Grünabfall und Aushubmaterial missbraucht.

Umnutzung: Vom Friedhof zum Park, vom Schiessplatz zur Grünfläche

Ansätze einer Stadtplanung bestanden zwar schon im 19. Jh., doch nur ein kleiner Teil der heutigenBasler Grünanlagen ist das Resultat städtebaulicher Überlegungen. Die meisten BaslerGrünflächen sind der Existenz privater Villengärten zu verdanken sowie der Stadt, die durchZukauf die Zahl der für die Allgemeinheit zugänglichen Parkflächen stetig erweiterte. DerMargarethenpark wurde 1896 und die Solitude 1924 erworben. Andere private Anlagen waren derRosenfeldpark, der Schwarzpark oder der Landschaftspark Gellertgut.
Auch die einstigen Friedhöfe spielten eine zentrale Rolle bei der Grünflächengewinnung. Als der Zentralfriedhof am Hörnli im Jahre 1932 eröffnet wurde, konnten mit Ausnahme des Wolfgottesackers alle bisherigen Friedhöfe aufgehoben worden. Soentstanden durch Umnutzung die Rosentalanlage, der Kannenfeldpark 1952 und der Horburgpark, aberauch der Botanische Garten am Spalentor. Verschiedene dieser Anlagen beherbergen heute Sammlungen exotischer Gehölze. Neue Freiräume entstanden auch durch die Aufgabe bisherigerNutzungen. Auf der Schützenmatte, früher Schiessplatz und Festwiese, wurde 1899 der heutige Schützenmattpark gestaltet.

Natur- und Freiräume heute

Die teilweise radikale Umgestaltung der Landschaft seit 1850 hat die Tier- und Pflanzenwelt starkverändert. In den letzten 25 Jahren haben sich jedoch einige Lebensräume positiv entwickelt. So wurde zumBeispiel die Birs und ein Teil der Wiese aus ihrem geraden Abflusskanal befreit, die Uferrenaturiert. Auch die gepflasterte Uferböschung des Rheins wird nicht mehr gemäht. Sie ist heute miteiner Ruderalflora bewachsen und so zu einem wertvollen Lebensraum für Tiere und Pflanzengeworden. Zudem werden die Böschungen entlang der Bahn nicht mehr systematisch mit Herbizidenbehandelt.
In einer gebauten Stadt ist es schwierig, neue Grünanlagen zu planen und bestehende zu verbinden.Dass die Bevölkerung heute den Erhalt von Grünräumen auch im Sinne einer besseren Lebensqualität wünscht, wurde seit den1980er Jahren in mehreren Abstimmungen deutlich gemacht, wie beispielsweise bei der Abstimmung über eine geplante Überbauung des Landhofareals 2010 oder der Zonenplanrevision 2014. Alle öffentlichen Grün- und Freiflächen im Kanton Basel-Stadt (Gesamtfläche 37 Quadratkilometer) umfassen zusammen 248 Hektaren (= 2,48 Quadratkilometer). Darunter sind über 50 Parks und Grünanlagen.
MJ

Karten

Verwandte Themen

Weiterführende Links

Literatur

  • Falter Felix: Die Grünflächen der Stadt Basel. Basler Beiträge zur Geographie, Heft 28, Basel 1984.
  • Grünraumgruppe Breite (Hrsg.): Der kleine Park zwischen Hamburg und Rom. Blicke auf die Cécile Ines Loos-Anlage in Basel. Édition Stattfinder, Basel 2014.
  • Habicht Peter: Basel – Mittendrin am Rande, Christoph Merian Verlag, Basel 2008.
  • Jäggi Monika: Urbane Grünflächen - Herausforderungen im 21. Jahrhundert, der Gartenbau, 38/2012, S. 8–9.
  • Jäggi Monika: Vom Fussballstadion zum modernen Stadtpark, der Gartenbau, 50/2014, S. 12–14.
  • Lüthi Roland: Basler Naturführer. Natur und Landschaften des Kantons Basel-Stadt, Verlag des Kantons Basel-Landschaft, Liestal 2010.
  • Richter Tilo: Basel grünt so grün, Programmzeitung, Basel April 2011.
  • Stadtgärtnerei Basel: Von den alten Begräbnisstätten zu den heutigen Parkanlagen, Basel 2009.
 

Tabellen und Diagramme

Quellen: Kreis Georg, von Wartburg Beat (Hrsg.): Basel – Geschichte einer städtischen Gesellschaft, Christoph Merian Verlag, Basel, 2000, S. 410; Zahl für 2012: Statistisches Amt Basel-Stadt
Wachstum der Stadt in fünf Phasen
Legende
Karte: Bau- und Verkehrsdepartement Basel-Stadt