Flösserei

Grosse Flüsse waren schon seit dem Mittelalter Wege für den Transport von Waren und Personen. Flösse dienten in erster Linie dem Holztransport. In beschränktem Ausmass wurden aber auch Güter befördert. In diesem Sinn war die Flösserei eine Vorgängerin der Schifffahrt.



Früher Exportschlager Holz

Im 18. und 19. Jh. blühte die Flösserei als Folge des Holzhandels in der Schweiz stark auf. Sie war bereits seit dem Mittelalter die billigste Transportform für Stammholz. Der Rhein bildete den wichtigsten Transport für den internationalen Holzhandel, sowohl für Nordeuropa (Holland) als auch für Südwesteuropa und Frankreich, die durch den Bau des Rhein-Rhône Kanals mit der schweizerischen Holzquelle verbunden wurden. Das immense Interesse der Holländer und Franzosen an Holz zum Aufbau der Kriegsschiffflotten löste eine derart starke Nachfrage aus, dass Holzhändler bis in die Innerschweiz und hoch in den Schwarzwald laufend neue Flächen rodeten.

Vom Einzelstamm zum Floss

Vielfach wurden die Einzelstämme in kleineren Flüsse oder grösseren Bächen transportiert. Diese Transportform wurde Trift genannt. Wo die Wasserführung der Fliessgewässer zu klein war, wurde Wasser in Weihern zurückgehalten. Nach der Öffnung des Wehrs wurden die Stämme mit dem Wasserschwall ins Tal hinuntergeschwemmt. Für diese Transportform wurde zum Beispiel das Wasser des Bogentalweihers in Lauwil genutzt. Erst auf den grösseren Gewässern wurden die Stämme zu Flössen zusammengebunden und von den Flössern flussabwärts gelenkt.

Allein zwischen 1838 und 1850 legten in Basel-Stadt 1840 Flösse mit 55–80 Kubikmeter Fracht an, was insgesamt 1,3 Millionen Kubikmeter Holz ergibt! Der Eisenbahnbau von Basel nach Konstanz führte dazu, dass die Flösserei innert kurzer Zeit stark zurückgegangen ist. Der Rhein verlor an Bedeutung als Transportweg, um später als Schifffahrtsverbindung stark an Bedeutung zuzulegen.

Flösse – Urform des Güterschiffs

Das Floss bestand aus Stämmen, die der Länge nach nebeneinander lagen, mit Querhölzern zusammengehalten und mit Weiden befestigt wurden. Für längere Flosstransporte wurden auch primitive Holzhütten eingerichtet. Um das Floss zu steuern, befestigte man vorne und hinten senkrecht liegende und mit Flechtenruten verbundene Holzstücke als Führungen für die Ruder. In ruhigeren Flussabschnitten bevorzugten die Flösser zum Steuern Paddel. Mit diesem wurden koordiniert und rasch die Richtungsänderungen vorgenommen. Wegen der schwierigen Navigation der Flösse im Stadtgebiet von Basel waren ihre Masse im Rhein auf 27 Meter Länge und 6,5 Meter Breite beschränkt. Auf Flössen wurden teilweise auch Güter und Personen transportiert.

Flösserei – Monopol der Rheingenossenschaft

Die Rheingenossenschaft deckte die Strecke von Säckingen bis Huningue ab. Sie entstand aus dem gemeinsamen Willen der Waidgenossen, mit- und nebeneinander Fischfang und Schifffahrt zu betreiben. «Waide» hat die Bedeutung von Wasser zum Fischfang oder Fang selbst. Den Waidgenossen wurden von Kaiser Maximilians (1493-1519) die Fischerei- und Schifffahrtsrechte, sowie später auch die Flössereirechte zugesprochen. Nach und nach wurden organisatorische und gesetzliche Grundlagen geschaffen, welche das Monopol der Rheingenossenschaft stärkten. Mit dem Niedergang der Flösserei als Folge des Aufkommen der Eisenbahn und des Strassenbaus. wurde die Rheingenossenschaft gegen Ende des 19. Jh. aufgelöst. Die neu erbauten Kraftwerke im Hochrhein – beginnend mit Rheinfelden 1895 – bedeuteten das Ende für die Flösserei. Sie wurde noch sehr spärlich weiter betrieben und um 1927 legte das letzte Floss in Basel an.

Mühevolle Anfänge der Schifffahrt

Der Rhein ist seit Jahrhunderten ein wichtiger Transportweg für die Schweiz. Während mit den Flössen nur ein Transport mit der Strömung möglich war, ermöglichten Boote und Schiff auch den Transport rheinaufwärts. Dies gilt auch für die Lauertanne, die einem Boot glich und bei der die Stämme nur mit Holzkeilen zusammengehalten wurden. Am Bestimmungsort wurde die Lauertanne auseinandergenommen, um die Stämme anschliessend zu verkaufen. .

Anfangs war der Aufwand für die Schifffahrt jedoch sehr hoch, denn die Voraussetzung waren Treidel- oder Leinwege, auf denen Pferde die schwimmenden Lasten gegen die Strömung hochzogen. Treidelwege sind heute noch entlang des Hüningerkanals zu erkennen. Oft musste jedoch die Seite gewechselt werden und auf Strecken wie dem bis zur Korrektion stark verzweigten Oberrhein mussten immer wieder neue Wege gesucht und Hindernisse umgangen werden. Zudem machten Zölle einen Transport unattraktiv. Erst der Bau dampfbetriebener Schiffe, die Korrektion des Oberrheins und die im Jahr 1868 unterzeichneten Mannheimer Akte, mit der die Zölle für Transporte auf dem Rhein abgeschafft wurden, ermöglichten eine Entwicklung der Schifffahrt auf dem Rhein.

DK

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Weiterführende Links

Literatur

  • Brogle Felix: Die Flösserei der oberrheinischen Gebiete Laufenburg–Basel, Dissertation Universität Basel, Basel 1952.
  • Museumsverein Laufenburg: Fischer, Flösser, Laufenknechte – ihre Arbeit am Hochrhein im Wandel der Zeiten, Laufenburg 1989.