Deponien

Früher war man froh, wenn der Abfall möglichst schnell in einer Kiesgrube entsorgt werden konnte nach dem Motto «Aus den Augen – aus dem Sinn». So wurden namentlich durch Chemieabfälle in der Region in diversen Deponien grosse Probleme geschaffen. Die Deponien gefährden durch ihre giftigen Abwasser Grund- und Trinkwasser der Region.




Kiesgrube als Deponie

Seit mehr als hundert Jahren vollzog sich in der Bauindustrie ein Wandel weg vom Naturstein zum Beton. Für die Herstellung von Beton wie auch für den Strassenbau benötigte man Kies, welcher in unserer Region in den Niederterrassen in grossen Mengen zur Verfügung stand. An verschiedensten Stellen wurden in Gruben riesige Mengen Kies und Schotter abgebaut. Teilweise wurden gleichzeitig mit der Ausbeutung die Gruben mit Bauschutt und anderen Abfällen wieder aufgefüllt.

Als noch der Glöggliwagen vorbeizog

Der Glöggliwagen, ein von Pferden gezogenes Fuhrwerk, sammelte die Abfälle ein und führte die stinkende Fracht im stadtnahen Bereich in ehemalige Kiesgruben und im ländlichen Bereich in Steinbrüche. Dort wurde der Abfall verbrannt oder abgelagert.
Um 1900 wurde in der Schweiz das Abfallkübel-System Ochsner eingeführt. Ein halbes Jahrhundert lang, vom Beginn der dreissiger Jahre bis zum Jahr 1986, standen die Einheitskehrichteimer zum Beispiel in Basel im Einsatz. Mit ihnen konnte man mit speziellen Müllfuhrwerken eine staubfreie Entleerung von Mülleimern vornehmen (siehe unten). Bis zum Bau der Kehrichtverbrennungsanlage wurde der Abfall in Deponien entsorgt.

Der Rhein als Chemiemülldeponie

Parallel zu dieser Entwicklung hatte die sich stark ausweitende Industrie das Problem, ihre Abfälle zu entsorgen. Anfangs des 20 Jh. entsorgte die chemische Industrie ihre Abfälle vor allem in den Rhein. So betrieb die Ciba eine «Gierfähre» bis nach dem Zweiten Weltkrieg.
Die Staumauer des in den 1930er-Jahren gebauten Kraftwerkes Kembs reduzierte die Strömung des Rheins und schwemmte den meist farbigen Chemieabfall nun langsamer aus dem Stadtgebiet. Der stark steigende Wasserbedarf der wachsenden Stadt wie auch der Industrie machten die Nutzung des Rheins als Abfalldeponie noch besser sichtbar. Das setzte die Basler Firmen unter Druck. Sie mussten den Rhein vom festen Chemieabfall entlasten. Dafür eigneten sich die Kiesgruben.

Gruben werden mit Chemiemüll, Bauschutt und Kehricht aufgefüllt

Als erste liess die Ciba ihren Chemiemüll ab 1946 in die Lippsgrube in Weil/Friedlingen fahren. Aus Sorge um das Grundwasser verbot das Landratsamt Lörrach 1951 diese Ablagerungen. Nun wich die Ciba in die Feldrebengrube in Muttenz aus.
Als 1955 das erste Gewässerschutzgesetz der Schweiz in Kraft trat, liess auch die Sandoz AG ihren Chemiemüll bis 1961 in die Gravière Nord in St-Louis entsorgen. So wurden nach dem Zweiten Weltkrieg in immer mehr ehemaligen Kiesgruben Bauschutt, Kehricht, Chemiemüll und andere Abfälle entsorgt.
Ab den 1960er-Jahren wurde die Ablagerung von Chemiemüll überall verboten. Die Basler Chemie entsorgte von da an ihren Abfall in der Sondermüll-Deponie Bonfol im Kanton Jura. Viele Deponien wurden anschliessend noch mit Bauschutt aufgefüllt und manche überbaut (Feldreben, Lipps).

Jetzt muss die Gesellschaft für die früheren Sünden zahlen

Seit etwa Ende des 20. Jh. hat sich das Bewusstsein für die Belastung und Verunreinigung von Grund- beziehungsweise Trinkwasser durch Deponien mit Chemiemüll in unserer Gesellschaft radikal geändert. Das Umdenken hat schliesslich zu Sanierungskonzepten für verschiedene Deponien in unserer Region geführt.
Und solche Sanierungskonzepte führen wiederum zu grundlegenden Streitigkeiten zwischen Verursacher (Chemiefirmen), Kanton/Gemeinde und der Bevölkerung und namentlich auch der Umweltorganisationen. Ursache des Streits ist immer die Diskussion über die Sanierungsziele, das heisst: Was wird aus der Deponie entfernt, was sind die Kosten und wer soll sie bezahlen? Dass die Basler Chemie den Chemiemüll im grenznahen Ausland deponiert hatte, machte die Sanierung noch komplizierter.

Folgen für das Trinkwasser

Die unmittelbaren Folgen von Grund-/Trinkwasserverschmutzungen sind nicht immer sichtbar. Neustens werden in der Lachszucht der Petite Camargue Missbildungen bei Jungfischen festgestellt, welche möglicherweise auf die Verschmutzung des Grundwassers durch elsässische Deponien zurückzuführen sind (s. Film unten). Die Jungfische erleiden Deformationen und sterben. In Zuchtanlagen, die von Rheinwasser durchflossen sind, klappt jedoch die Zucht der Junglachse.
Im Trinkwasser der Hardwasser AG wurden 2007 Butadiene in einer Konzentration festgestellt, welche den festgelegten Grenzwert überschritten. Darauf verfügte der Kantonschemiker von Baselland die Inbetriebnahme eines Aktivkohlefilters. Die Einwohnergemeinde Muttenz beschloss aus Sicherheitsgründen den Bau einer eigenständigen dreistufigen Trinkwasseraufbereitungsanlage für das Trinkwasser der Gemeinde Muttenz.

Heutige Deponienutzung

Heute existieren strenge Vorschriften betreffend Ablagerung von Deponiematerial. Viel Abfall wird in Kehrrichtanlagen oder Spezialbrennöfen verbrannt. Für die übrigen Materialien existieren folgende Deponien: In einer Inertstoffdeponie wird Material, das zu 95 % aus gesteinsähnlichen Materialien zusammengesetzt ist (Aushub, Bauschutt, Eternit, etc.) abgelagert. Das Material darf nur leicht verschmutzt sein. Es ist keine Abdichtung der Deponie nötig.
Gesteinsähnliches Material (auch Schlacke aus Kehrichtverbrennungsanlagen) mit mässigem Verschmutzungsgrad gelangt in eine Reststoffdeponie. Diese Deponien sind nach unten abgedichtet, das Sickerwasser wird aufgefangen, in einen Vorfluter (Fluss, Bach) eingeleitet und regelmässig auf den Schadstoffgehalt überprüft. Deponien, in denen chemische Umwandlungsprozesse stattfinden, nennt man Reaktordeponie. Es entstehen Deponiegase und Schadstoffe könnten ausgeschwemmt werden. Deshalb sind diese Deponien nach unten und zur Seite hin abgedichtet. Das Sickerwasser wird aufgefangen und gereinigt.
Wenn Reaktordeponien gefüllt sind, werden sie auch nach oben hin abgedichtet, das entstehende Deponiegas wird aufgefangen und kann zur Energieproduktion (Wärme, Strom) genutzt werden. Dieser Deponietyp verliert zunehmend an Bedeutung, da seit dem 1. Januar 2000 ein Deponieverbot für brennbare Abfälle besteht. Seither werden diese Art Abfälle nicht mehr deponiert, sondern in Kehrichtverbrennungsanlagen verbrannt. Reaktordeponien werden nur noch für spezielle, nicht brennbare Abfälle (wie z.B. verschmutztes Erdreich) genutzt.

Unsere Wegwerfgesellschaft braucht weiterhin Deponien

Der Bauboom in den 2010er-Jahren schafft nicht nur Arbeitsplätze und Wohnraum. Er erhöht auch die Nachfrage nach Ablagerungsmöglichkeiten für Aushub und nicht verwertbaren mineralischen Bauabfällen, beziehungsweise nach Inertstoffdeponien. Der Kanton Baselland sucht daher dringend nach solchen Standorten. Er hat jedoch Schwierigkeiten neue Standorte zu finden, da sowohl die betroffene Bevölkerung sowie Naturschutzverbände und Jäger Widerstand leisten.
HPM

Karten

Luftbilder

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Weiterführende Links

Literatur

  • Forter Martin: Farbenspiel. Ein Jahrhundert Umweltnutzung durch die Basler chemische Industrie, Chronos, Basel 2000.
  • Matter Martin: Altlasten auf den Deponien, Die Schatten der Vergangenheit. In Chemie und Pharma in Basel, Christoph Merian Verlag, Basel 2016, S. 216-223.

Tabellen und Diagramme

Deponien Muttenz : Wichtigste Fakten
Quelle: Muttenz - zu Beginne des neuen Jahrtausends, Heimatkunde Muttenz, 2009
Tabelle als pdf
Deponien, in denen Abfälle der chemischen Industrie vorhanden sind
Quelle: Basler Zeitung vom 4. Juni 2011https://docs.google.com/spreadsheets/d/e/2PACX-1vRAd488HE0Q-UnfPcpVVFDmAx7PheJfi-xpmABT5HRuq68nAhFpyWE_Jly4XdWAAgkVC_pwKJDkBRRr/pub?gid=0&single=true&output=pdf