Jagd

Erst als die intensiv betriebene Jagd fast alle Wildbestände in der Schweiz ausgerottet hatte, besann man sich auf ein nachhaltiges, bestandserhaltendes Vorgehen. Die sich erholenden Wildbestände zogen sich jedoch, als Folge der Ausräumung der Landschaft, in den Wald zurück. Dort verursachte ihr starkes Anwachsen zunehmend Schäden. Die nachhaltig betriebene Jagd erweist sich heute als geeignete Form der Regulierung dichter Wildbestände.




Rückzug der Wildtiere in den Wald

Die Jagd bildet von alters her einen wichtigen Beitrag zur Ernährung des Menschen. Aufgrund der stark intensivierten Jagd waren jedoch Ende des 19. Jh. die Schweizer Hirsch-, Reh- und Gämsbestände bis auf wenige Restpopulationen ausgerottet. Mit der Waldverordnung von 1903 wurde gesetzlich festgelegt, dass die Feld- und die Waldnutzung strikt getrennt werden. Durch die Nutzungsintensivierung verschwanden im Offenland viele Kleinstrukturen wie Hecken, Gebüsche und Wäldchen, die für das Wild eine grosse Rolle als Deckung oder Korridore spielen. Der Wald wurde zum wichtigsten Lebensraum für das Wild. Die zunehmende Ausräumung der Landschaft und ihre Zerstückelung durch das immer dichter werdende Strassennetz haben zudem die Nahrungssuche und die Wanderung von Wildtieren zwischen verschiedenen Waldgebieten beeinträchtigt.

Wild beeinträchtigt Wald

Werden die in den Wald zurückgedrängten Hirsch-, Reh- und Gämsbestände zu hoch, kommt es zum sogenannten «Verbiss» der Waldbäume. Der Verbiss verlangsamt insbesondere das Wachstum der Jungbäume. Dadurch wird die Stammzahl reduziert und die Holzqualität verschlechtert. In Wäldern, die für das Wild besonders attraktiv sind, kann dies den Baumbestand stark verändern. Mögliche Massnahmen zum Schutz des Walds bei hohen Wilddichten sind zum Beispiel Zäune oder «Manschetten» um einzelne Bäume. Beides ist jedoch teuer und arbeitsintensiv. Durch den Verzicht auf die Aufforstung von Äsungsflächen und Lichtungen oder an Waldrändern wird das Nahrungsangebot für das Wild breiter, und die Gehölze im Wald werden geschont.

Wildregulierung durch Jagd

Ist die natürliche Waldverjüngung aufgrund erheblicher Wildschäden nicht sichergestellt, müssen gemäss Waldverordnung (WaV) zunächst ein Konzept zur Verhütung derselben erstellt und dann konkrete Massnahmen zur Regulierung der Wildbestände ergriffen werden. Die Jagd auf Wildtiere ist die wichtigste Massnahme dazu. Durch sie sollen die Bestandsgrösse und -zusammensetzung nachhaltig reguliert werden.Die Jagd soll insgesamt die Artenvielfalt und die Lebensräume der einheimischen und ziehenden wildlebenden Säugetiere und Vögel erhalten und bedrohte Tierarten schützen. Zu diesem Zweck wurde das Jagdwesen offiziell geregelt. Im Kanton Basel-Landschaft erfolgte dies 1859.

Geregeltes Jagdwesen

Heute gilt in den Kantonen Basel-Stadt und Basel-Landschaft die Revierjagd. Im Unterschied zur Patentjagd pachten bei dieser Jagdform eine oder mehrere Personen ein Gebiet («Revier») für jeweils acht Jahre. Während dieses Zeitraums liegt die Jagdhoheit bei den Pächtern. Im Rahmen einer Jagdplanung werden an die Grösse des Lebensraums und an die jeweilige Wachstumsrate angepasste Wildbestände festgelegt. Die gesellschaftliche Struktur der Bestände soll naturnah sein, und das natürliche soziale Verhalten der Tiere darf nicht beeinträchtigt werden. Wichtige Ziele sind ein ausgeglichenes oder leicht zugunsten der Weibchen verschobenes Geschlechterverhältnis und die Erhaltung der genetischen Vielfalt als Voraussetzung für die natürliche Auslese (Selektion). Die Jagd darf andererseits nicht zum dominierenden Selektionsfaktor werden.

Jagdstrecken in der Region Basel

Zu den in den Kantonen Basel-Stadt und Basel-Landschaft jagdbaren Huftieren gehören das Reh und das Wildschwein. Im Kanton Basel-Landschaft werden zusätzlich auch Gämsen bejagt. Im Jahr 2010 wurden im Kanton Basel-Stadt zwölf Rehe und 20 Wildschweine geschossen, im Kanton Basel-Landschaft 1062 Rehe, 980 Wildschweine und 5 Gämsen. Im Kanton Solothurn beliefen sich die Jagdstrecken im gleichen Jahr auf 1847 Rehe, 497 Wildschweine und 92 Gämsen.

Das Reh – wichtigstes Waldtier

Rehböcke sind territorial und markieren durch Fege- und Plätzstellen ihr Territorium. Jeder Rehbock erkämpft sich ein möglichst grosses Territorium mit möglichst optimalen Nahrungsgrundlagen und Versteckangeboten. Darin leben mehrere Rehgeissen, die der Bock zur Brunftzeit begattet. Die Rehgeiss sucht sich einen Einstand mit optimaler Äsung und Deckung, um jährlich zwei bis drei Jungtiere grosszuziehen.
DK

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Weiterführende Links

Literatur

  • Bundesamt für Umwelt BAFU (Hrsg.): Wildtiere unter uns. Umwelt. Natürliche Ressourcen in der Schweiz. Magazin des Bundesamts für Umwelt (BAFU) 1/2016 download
  • Bundesamt für Umwelt BAFU (Hrsg.): Wald und Wild – Grundlagen für die Praxis. Wissenschaftliche und methodische Grundlagen zum integralen Management von Reh, Gämse, Rothirsch und ihrem Lebensraum. Umwelt-Wissen Nr. 1013. Bern 2010.
  • Bundesgesetz über die Jagd und den Schutz wildlebender Säugetiere und Vögel (Jagdgesetz, JSG). Vom 20. Juni 1986 (Stand am 12. Dezember 2008).
  • Burnand Jaques et al.: Waldgesellschaften und Waldstandorte im Kanton Basel-Landschaft, Kommentar zur vegetationskundlichen Standortskartierung der Wälder. Verlag des Kantons Basel-Landschaft, Liestal 1990.
  • BUWAL (Hrsg.): Wald und Holz in der Schweiz, Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft, Bern 2003.