Waldbewirtschaftung

Die Bewirtschaftung des Waldes begann mit einer kontinuierlichen Entnahme von Bäumen in kleinem Massstab. Im 19. Jh. wurde in der Schweiz oft flächenhaft gerodet, und der Wald drohte dem Raubbau zum Opfer zu fallen. Um den Waldbestand langfristig zu sichern, wurde 1876 das Waldgesetz erlassen. Die damalige Ausdehnung des Waldes durfte in der Folge nicht verkleinert werden, und es durfte nur noch so viel Holz entnommen werden wie nachwächst. Neben verschiedenen Formen der Holznutzung werden heute im Waldentwicklungsplan auch die Schutz- und die Wohlfahrtsfunktion geregelt.




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Die Nutzung des Waldes ist eine der ältesten menschlichen Tätigkeiten. Im Wald wurden verwertbare Pflanzen gesammelt und Tiere gejagt oder mit Hilfe von Fallen erbeutet. Zur eigentlichen Bewirtschaftung des Waldes ist es jedoch erst gekommen, als der Bedarf an Holz zunahm. Der Naturwald wurde zum Wirtschaftswald.

Holznutzung – traditionelle Waldbewirtschaftung

Die Holznutzung war traditionell die wichtigste Funktion des Waldes. Ein planloser Raubbau zur Gewinnung von Bauholz oder Brennholz, zum Beispiel zur Erzgewinnung oder für den Schiffsbau, führte jedoch in historischer Zeit in vielen Gebieten zu einer starken Verminderung der Waldbestände. Als Folge traten Erosionen oder in den Alpen vermehrt Lawinenniedergänge auf. Das 1876 erlassene Forstgesetz regelt die Erhaltung der Waldfläche in der Schweiz und legte den Grundstein für eine nachhaltige Waldbewirtschaftung. Es darf nur so viel Holz geerntet werden, wie nachwächst. Eine wirtschaftlich rentable Holznutzung stand bis im 20. Jh. im Zentrum.

Nutzung im Interesse Aller

Der Wald hat in der Schweiz mehrere Funktionen. Er liefert Holzertrag, nimmt eine Schutzfunktion wahr und erfüllt eine Wohlfahrts- und Erholungsfunktion. Die Waldbewirtschaftung wird im Rahmen der jeweiligen Standortbedingungen geplant. Bei Wäldern in Siedlungsnähe überwiegt meist die Erholungsfunktion, während bei abgelegenen und schlecht erschlossenen Wäldern die ökologische Bedeutung als Lebensraum für seltene Tiere und Pflanzen ins Zentrum rückt. Die Funktion als Schutzwald ist für viele Bergwälder wichtig; sie schützen Ortschaften am Fuss steiler Hänge vor Lawinen. Wälder erfüllen noch weitere wichtige Funktionen, beispielsweise indem sie Niederschlagswasser zurückhalten und so die Entstehung grosser Hochwasser verhindern.

Planung im Wald

Der Waldentwicklungsplan (WEP) legt die Ziele und Massnahmen für jeden Waldbestand für einen Zeitraum von 15 Jahren fest. Hier werden die jeweiligen Schwerpunkte der Nutzungsansprüche definiert. Im WEP werden aber auch die Konflikte zwischen den verschiedenen Nutzungen und die Wege zu deren Lösung aufgezeigt. Im Kanton Basel-Landschaft wurde für jede Waldplanungsregion ein separater WEP erarbeitet. Neben diesen speziellen Funktionen wird der Wald heute möglichst naturnah bewirtschaftet. Grosser Wert wird auf eine möglichst standortgerechte Baumartenzusammensetzung, die natürliche Verjüngung zur Erhaltung der genetischen Vielfalt, ausreichend Alt- und Totholz und ökologisch wertvolle Waldränder gelegt. Historische Bewirtschaftungsformen wie Wytweiden, Nieder- und Mittelwälder werden dort, wo sie für die Lebensraumvielfalt und das Landschaftsbild wichtig sind, erhalten oder gefördert.

Heutige Waldnutzung

In der Schweiz werden die meisten Waldflächen als Hochwald bewirtschaftet. Das Produktionsziel ist hochwertiges Nutzholz. Zur Verjüngung wird oft der sogenannte Femelschlag angewendet: Im Bestandsinneren werden gleichzeitig oder zeitlich gestaffelt kleinflächige Verjüngungszentren geschaffen, die schrittweise erweitert werden und dann wieder zu gleichförmigem Hochwald führen. Auf der geräumten Fläche erfolgt durch Samenanflug oder durch Bepflanzung eine Naturverjüngung. Der Samenanflug führt zu einer vielfältigen, standortgerechten Bestandszusammensetzung.
Der Plenterwald ist eine andere Betriebsform des Hochwalds. Hiebreife Einzelbäume werden in kurzen Abständen entnommen («geplentert»). Der Plenterwald verjüngt sich stetig, denn auf kleinster Fläche stehen Bäume aller Entwicklungsstufen nebeneinander und bilden einen stark gestuften Bestand.

Ausgezeichnete Waldpflege

In den Gemeinden Rothenfluh und Anwil wurden auf einer Versuchsfläche der Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) das Wachstumspotenzial und die Bedeutung der naturnahen, nachhaltigen Bewirtschaftungsform für die Biodiversität einer Region aufgezeigt. 1995 wurden die beiden Gemeinden mit dem Binding-Waldpreis für vorbildliche Waldpflege ausgezeichnet. Mit ihrer beispielhaften Waldpflege leisten die beiden Gemeinden einen wichtigen Beitrag zum Natur- und Landschaftsschutz.
DK / CE

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Literatur

  • Bally Bettin et al.: Energieholzproduktion in Mittel- und Niederwäldern der Schweiz. Vergleich der Wertschöpfung in der Hoch-, Mittel- und Niederwaldbewirtschaftung. Kurzbericht Forschungsprogramm Biomasse. Bundesamt für Energiewirtschaft, Bern 1997.
  • Baur Bruno et al.: Freizeitaktivitäten im Baselbieter Wald – Ökologische Auswirkungen und ökonomische Folgen. Verlag des Kantons Basel-Landschaft, Liestal 2003.
  • Bundesamt für Umwelt (Hrsg.): Wald und Holz in der Schweiz, Bern 2010.
  • Feigenwinter-Thommen Beat: Arten- und Lebensraumschutz in den Waldungen beider Basel – die Strategie des Forstamtes beider Basel. Regio Basiliensis 4/1, Basel 2003, S. 23–34.
  • Saladin Barbara: «Langsam wird den Leuten die grosse Bedeutung unserer Wälder bewusst». In: Landschaften & Menschen im Baselbiet, Baselbieter Heimatbuch 29, Verlag Basel-Landschaft, Liestal 2013, S. 251-259.