Hochwasser – Überschwemmungen

Lange Zeit hatte der Mensch Respekt vor den Flüssen und baute seine Siedlungen ausserhalb von potenziellen Überschwemmungsflächen. Die Flussverbauungen seit dem 19. Jh. brachten allerdings keinen absoluten Schutz vor Hochwasser. Der moderne Hochwasserschutz sieht deshalb Rückhalteflächen vor, in denen sich auch bedrohte Tier- und Pflanzenarten wieder ansiedeln können.




Hochwasser in der Region Basel

Der Rhein und seine Zuflüsse in Basel haben in früheren Jahrhunderten immer wieder zu Hochwasser geführt. Die Wasserstände der grossen Hochwasser des Rheins sind an der Hauswand am Oberen Rheinweg Nr. 93 in Basel oder auch im Fels des Insteiner Klotzes eingraviert. An Hochwasser der Frenke erinnern zum Beispiel Markierungen am Bahnhof in Hölstein. Die erste in den Archiven dokumentierte Jahrhundertflut des Rheins ereignete sich 1342. Bis ins 19. Jh. kamen in relativ grossen Abständen immer wieder extreme Hochwasser vor, doch hatten sie keine negativen Folgen für den Menschen. Er hielt damals einen respektvollen Abstand zu den Ufern ein.
Im 17. und 18. Jh. prägten natürliche Flussverläufe mit mehreren Armen, Kiesinseln und Talauen das Landschaftsbild an den Unterläufen von Birs und Wiese. Regelmässige Hochwasser waren typische Ereignisse, welche die Flusssohle immer wieder umlagerten und einen Lebensraum für eine artenreiche Tier- und Pflanzenwelt schufen. Der Birsig floss in weiten Mäandern von Süden nach Basel und hat in Grossbasel immer wieder für Hochwasser gesorgt.

Hochwasserabflüsse

Der Rhein verfügt über ein grosses Einzugsgebiet und entwässert 87 % der Schweizer Landesfläche. Im Durchschnitt verlassen in Basel 1000 Kubikmeter Wasser pro Sekunde die Schweiz. Das Gebiet, in dem sich das Wasser der Rheinzuflüsse Birs, Wiese oder Ergolz sammelt, ist bedeutend kleiner. Der mittlere Abfluss beträgt nur zwischen 3 und 16 Kubikmeter pro Sekunde.
Nicht nur das Einzugsgebiet bestimmt die Abflussmenge. Die geologische Beschaffenheit, das Klima und die Höhenlage beeinflussen ebenfalls die Menge des abfliessenden Wassers sowie dessen Verteilung über das Jahr. Der grösste Teil des Einzugsgebiets des Rheins liegt in den Alpen. Dort entsteht während der Schneeschmelze ein Abflussmaximum in den Sommermonaten Juli und August. Diese Verteilung wird als nivales Abflussregime bezeichnet (lat. nix, nives = Schnee).
In den Einzugsgebieten von Birs, Birsig, Ergolz und Wiese findet die Schneeschmelze bereits im März und April statt. Starke, mehrere Tage andauernde Niederschläge sind für hohe Abflussmengen im Fluss verantwortlich. Das trockenere Sommerklima und das durchlässige Kalkgestein führen zu niedrigen Abflüssen im Spätsommer und Herbst. Diesen Ursachen entsprechend wird die Verteilung pluviales Abflussregime genannt (lat. pluvia = Regen).

Ausnahmeereignis Jahrhunderthochwasser

Halten die Niederschläge über mehrere Tage oder Wochen an, treten extreme Hochwasserereignisse auf, die unter Umständen auch zu Überschwemmungen führen können. Diese sind dann besonders gravierend, wenn bewohnte Liegenschaften oder Bereiche mit technischen Anlagen betroffen sind. Das Hochwasser der Birs von 2007 hat grosse Flächen im Laufental und im unteren Birstal überschwemmt. Als Folge stand die Altstadt von Laufen unter Wasser, und das Grundwasser der Wasserversorgung in Zwingen wurde verunreinigt. Die Schäden dieses Hochwassers beliefen sich auf über 110 Millionen Franken.
Hochwasser wie das von 2007 treten nur selten auf. Im Birstal sind Extremereignisse mit einem Abfluss von mehr als 300 Kubikmetern pro Sekunde und grossen Schäden in und an Gebäuden nur aus den Jahren 1744, 1881, 1973 und 2007 bekannt.

Nichts wie weg! – Hochwasserschutz früher

Der Mensch hatte schon früh Respekt vor den Hochwassern, deren Ausmass unberechenbar ist und deren Auftreten nicht vorausgesagt werden kann. Früher hat er deshalb seine Siedlungen an sicheren Orten wie Niederterrassen oder Schwemmkegeln von Seitengewässern errichtet, die auch von Spitzenhochwassern unangetastet blieben.
Mit der Industrialisierung begannen grossräumige Veränderungen der Landschaft. Man wollte die Fläche, die durch Hochwasser beeinträchtigt wird, verkleinern und so Land für die wachsenden Siedlungen und die Landwirtschaft gewinnen. Mit einer Begradigung oder Korrektion der Flüsse wurden die Gerinne verschmälert, das Wasser konnte rasch abfliessen und der Fluss hat sich eingetieft. Aus ehemaligen Überschwemmungsflächen wurde Kulturland gewonnen.
Diese früher übliche Verbauung der Gewässerufer hat aber auch Nachteile. Die Häufigkeit der Überschwemmungen in den korrigierten Gewässerabschnitten ging zwar zurück, doch die Hochwasser wurden einfach weiter flussabwärts verlagert. Die in einem engeren Gerinne abfliessenden Wassermassen hatten mehr Kraft und Energie. Immer wieder wurden Bauwerke wie Brücken zerstört, oder es kam zu Dammbrüchen.

Neue Wege im Hochwasserschutz

Da trotz baulicher Massnahmen immer wieder grosse Hochwasserereignisse aufgetreten sind, hat man erkannt, dass diese keinen absoluten Schutz gegen Hochwasserschäden darstellen. Deshalb plädieren die Wasserbauer heute dafür, den Flüssen wieder mehr Raum zu geben. Mit einer kontrollierten Überflutung wird das Wasser länger zurückgehalten und Hochwasserspitzen im Unterlauf der Flüsse werden entschärft. Die Rückhalteflächen dienen zudem als Lebensraum für bedrohte Tier- und Pflanzenarten der Auen. Mit dieser Form des Hochwasserschutzes wird ein Ansatz gefördert, der neben baulichen Massnahmen auch die naturräumlichen Funktionen des Flussraums berücksichtigt.
DK

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Literatur

  • Bezzola Gian Reto und Ruf Wolfgang (Hrsg.): Ereignisanalyse Hochwasser August 2007. Analyse der Meteo- und Abflussvorhersagen; vertiefte Analyse der Hochwasserregulierung der Jurarandgewässer. Umwelt-Wissen Nr. 0927. Bundesamt für Umwelt, Bern, 2009.
  • Kantonaler Krisenstab Basel-Landschaft (Hrsg.): Bericht vom 22.1.2009 über das Hochwasser vom 8./9. August 2007, Bericht Liestal, 2009.
  • Walthard Peter: Wo das Baselbiet gefährlich ist. In: Landschaften & Menschen im Baselbiet, Baselbieter Heimatbuch 29, Verlag Basel-Landschaft, Liestal 2013, S. 207-211.